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Sebastien Haller : Der Volltreffer für Eintracht Frankfurt

  • -Aktualisiert am

Torgarant für Frankfurt: Sebastien Haller glänzt derzeit. Bild: dpa

Luka Jovic, Ante Rebic und Sebastien Haller bilden den imposanten Sturm der Eintracht. In der Frankfurter Torfabrik ist der Franzose dabei nicht nur ein Vollstrecker. Nun gibt er ein erstaunliches Bekenntnis ab.

          Zwei aus drei – das war die Regelung, die Adi Hütter in den vergangenen drei Pflichtspielen für sein Tor-Trio getroffen hatte. Im Europa League-Hinspiel gegen Schachtar Donezk (2:2) beorderte der Eintracht-Cheftrainer seinen Stürmer Sebastien Haller auf die Bank. Gegen Gladbach (1:1) traf es dann Luka Jovic mit der Ersatzrolle. Und beim erfolgreichen Kräftemessen mit Schachtar (4:1) am Donnerstag in Frankfurt zählte zur Abwechslung Ante Rebic zu den prominenten Einwechselspielern. Drei Torjäger jeweils in der Warteschleife. Doch am Sonntag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) in Hannover könnte es für Hütter wieder heißen: Aller guten Dinge sind drei an vorderster Stelle.

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          Verdient hätten es Haller, Jovic und Rebic allemal. Zwei Treffer von Haller und je einer von Jovic und Rebic beim torreichen Einzug ins Achtelfinale der Europa League bilden die Steilvorlage für eine offensive Ausrichtung am 23. Erstliga-Spieltag. Außerdem gehört die Verteidigung des Abstiegskandidaten aus Hannover mit 47 Gegentreffern zu den anfälligsten der Spielklasse, sie verträgt es nicht, unter Druck gesetzt zu werden. Wie für die Eintracht nach dem Fußballfest auf europäischer Bühne mit ihren hohen Ambitionen auch im Alltagsgeschäft nur ein neuerlicher Sieg von Bedeutung sein kann. „Wir haben die Möglichkeit, mit einem Auswärtssieg näher an die Plätze vorne heranzukommen“, sagte Hütter. „Und wir müssen voll punkten, wenn wir in der Tabelle nicht überholt werden wollen.“ Durch die vielen, aber respektablen Unentschieden wie gegen Leipzig und Gladbach haben die Frankfurter tabellarisch an Boden verloren.

          Nun stehen die Zeichen bei der Eintracht auf Angriff. Mit drei außergewöhnlichen Stürmern, die ihren Stellenwert für die Mannschaft gegen Donezk abermals auf besondere Weise bewiesen haben. Die mit ihren überragenden individuellen Fähigkeiten da waren, als sie gebraucht wurden. Jeweils angeleitet und angetrieben von ihrem Trainer. Einem Fußballlehrer, der es versteht, die persönlichen Interessen der Spieler mit dem Gemeinwohl in Einklang zu bringen. Hütter mache das ausgezeichnet, sagte Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic. Ab und an müsse man die drei Angreifer „mal kitzeln“.

          Das freundliche Piesacken im kleinen Rahmen zeigt große Wirkung, das Frankfurter Tor-Triumvirat wird jedes Mal aufs Neue zu Höchstleistungen angespornt. Und sich auf törichte Weise in den Schmollwinkel zurückzuziehen, könnten sich die Drei angesichts des fordernden Konkurrenzkampfes gar nicht leisten. „Sicher ist auch immer wieder mal einer ein bisschen beleidigt, wenn er nicht spielt oder relativ spät reinkommt“, sagt Bobic. „Aber was wollen wir mehr, wenn dann alle drei treffen?“ Für die Eintracht zählt das Ergebnis.

          Haller, der im Sommer 2017 vom FC Utrecht nach Frankfurt kam, ist längst zum Volltreffer geworden. In seinen bislang 67 Pflichtspielen für die Eintracht war der Franzose an 47 Toren direkt beteiligt. In dieser Saison glänzt er in der Bundesliga und der Europa League mit insgesamt 16 Treffern und elf Vorlagen. Sein sehenswertes Tor mit einem Übersteiger zum 3:1 gegen Donezk sei „der Schlüssel zum Sieg“ gewesen, sagte Hütter. Seine Kaltschnäuzigkeit hatte der 24 Jahre alte Haller schon beim Elfmeterschuss zum 2:0 – und das war nicht das erste Mal – zur Schau gestellt.

          Eine formidable Spielrunde wie im Fußball-Bilderbuch: Aktuell sieht sich der junge Familienvater im „schönsten und besten Abschnitt“ seiner Karriere. In einer „fußballverrückten“ Stadt und bei einem Arbeitgeber, dem Haller eine große Zukunft prophezeit. Bei entsprechender Fortentwicklung und gestiegener Finanzkraft vermag sich der Stürmer gut vorzustellen, dass die Eintracht in Zukunft regelmäßig in der Champions League vertreten ist.

          Grund genug für den 1,90 Meter großen Modellathleten, ein in diesem Umfang und zu diesem Zeitpunkt erstaunliches Bekenntnis zur Eintracht abzugeben. So will Haller aufgrund des großen persönlichen Wohlfühlfaktors nicht ausschließen, bis zum Ende seiner Karriere in Frankfurt zu bleiben. Große Worte. Allerdings dürften für ihn die Verlockungen anderer Klubs immer größer werden, wenn Haller weiter so erfolgreich seine Kreise auf dem Platz mit seiner Torgefährlichkeit, seinem Behauptungswillen in den Zweikämpfen und seiner Einsatzfreude zieht.

          An den bisher 41 Bundesliga-Toren der Eintracht sind Jovic (14), Haller (11) und Rebic (7) mit insgesamt 32 Treffern in voller Pracht beteiligt. Zum Vergleich: Hannover muss sich mit insgesamt 20 Treffern begnügen. In der Europa League – für das Rückspiel im Achtelfinale bei Inter Mailand werden die Frankfurter vermutlich 5500 Tickets erhalten – unterstrich das Dreigestirn der Eintracht mit insgesamt zwölf Toren seine atemraubende Angriffslust, Spitzenreiter ist in dieser Wertung Jovic (6) vor Haller (5). Die Frankfurter Torfabrik läuft auf vollen Touren. Auf dem Platz absprechen müssten sich die Drei nicht groß, sagt Haller. Das sei eine „Sache des Instinkts“. Gut möglich, dass in Hannover alle drei von Anfang an ihren Torriecher präsentieren können. Beim 4:1 im Hinspiel standen Jovic und Rebic mit je einem Treffer in der Torschützenliste.

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