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Fußball-Bundesliga : Darum ist Rode so wichtig für die Eintracht

  • -Aktualisiert am

Sebastian Rode gibt bei der Eintracht wieder den Takt vor. Bild: Imago

Nach dem Abschied aus Frankfurt spielte er für Bayern und Dortmund. Doch Sebastian Rode war auch oft verletzt. Nun ist er zurück bei der Eintracht – und zeigt starke Leistungen. Dafür gibt es ein besonderes Lob.

          Doppelbelastung? Diesen Begriff hat Trainer Adi Hütter aus dem Eintracht-Wortschatz streichen lassen. Die Auftritte in der Europa League werden nicht nur als Fest- und Feiertage bezeichnet, sondern auch so begangen. Und auch die Aufgaben in der Bundesliga gehen die Frankfurter Profis mit ungebrochener Lust und Leidenschaft an – von wegen leidige Pflichterfüllung. Einer der Eintracht-Stammspieler kann gar nicht oft genug die Atmosphäre eines Pflichtspiels genießen – Sebastian Rode. Der 28 Jahre alte Südhesse hat eine Menge nachzuholen. Nachdem er im Sommer 2014 die Eintracht Richtung FC Bayern verließ, konnte er nur 74 Mal seine Arbeit bei einem Ernstfall auf dem Rasenviereck verrichten. Zum letzten Mal stand er im November 2016 bei Borussia Dortmund in der Startelf.

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          Peter Heß

          Sportredakteur.

          „Es macht einfach nur Spaß“, sagte Rode am Donnerstagabend nach dem 0:0 im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League gegen Inter Mailand mit einem Strahlen im Gesicht und versicherte: „Ich freue mich schon auf Montag.“ Da trifft die Eintracht in Düsseldorf auf die Fortuna (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Eurosport), die in der Vorrunde in Frankfurt 1:7 unterging, im Moment jedoch zu den formstärksten Bundesligateams zählt. Der Aufsteiger holte in der Rückrunde 13 Punkte, genauso viele wie die Eintracht.

          Rode war bei den Bayern Ergänzungsspieler, kam in zwei Spielzeiten zu 45 Einsätzen in Bundesliga und Champions League und erzielte dabei sogar vier Tore. Danach wechselte der zentrale Mittelfeldspieler für 12 Millionen Euro Ablöse zu Borussia Dortmund, weil ihm das noch zu wenig Beschäftigung war – ohne Aussicht auf Mehrarbeit bei Kollegen und Konkurrenten wie Schweinsteiger, Thiago, Xabi Alonso und Martinez. Beim BVB allerdings vermochte er sich im ersten Jahr auch nicht besser durchzusetzen als in München, danach traf es ihn noch schlimmer. Wegen zahlreicher Verletzungen nahm er fast ausschließlich eine Zuschauerrolle ein.

          Die Eintracht beobachtete Rode ausgiebig im Training, bevor sie sich in diesem Winter entschloss, den verlorenen Sohn leihweise zurückzuholen. Als Ersatzmann für den Langzeitverletzten Spanier Torro. Die Frankfurter wollten sicher sein, keinen angeschlagenen Profi zu verpflichten. Seit dem 19. Januar hat Rode neun von zehn Pflichtspielen für die Eintracht bestritten und einen erheblichen Beitrag geleistet, dass die Mannschaft von Trainer Hütter im Jahr 2019 immer noch unbesiegt ist – bei vier Siegen und sechs Unentschieden. Der Blondschopf spielt wieder so, wie sie ihn in Frankfurt schon lange kennen: Als dynamischen Zerstörer und Aufbauhelfer im Mittelfeld – zweikampfstark, lauffreudig, diszipliniert und mannschaftsdienlich.

          Darüber hinaus hat sich Rode bei den Spitzenmannschaften in der Fremde noch etwas zusätzlich angeeignet: Spielintelligenz und Auffassungsgabe. Er spielt seine Pässe mit der Klarheit und Präzision, die ihm früher abgingen und einigen seiner Mitstreiter wie Gacinovic immer noch abgeht. So war es gegen die TSG Hoffenheim sein Steilpass auf Haller, der den gegnerischen Verteidiger Adams zu einem Foul am Eintracht-Mittelstürmer zwang. Adams musste vom Platz und in Überzahl drehten die Frankfurter die Begegnung von 1:2 auf 3:2.

          Trainer Hütter lobt den Winter-Zugang: „Sebastian belebt unser Spiel. Er ist noch nicht bei 100 Prozent, das kann er aber auch noch nicht sein, bei der geringen Spielpraxis, die er hat.“ Nicht nur sportlich überzeugt der Mittelfeldspieler seinen Vorgesetzten: „Er ist ein Supertyp, es gefällt mir wie er rackert, er macht es auch taktisch sehr gut mit seinen Vertikalpässen.“ Rode profitierte in seiner spielerischen Entwicklung von Trainerkapazitäten wie Guardiola, Tuchel und Favre sowie vom dem hohen Trainingsniveau bei den Bayern und in Dortmund, wo sich Weltklassespieler im Dutzend treffen. „Das Niveau bei den Bayern im Training ist extrem hoch, höher als in vielen Bundesligaspielen“, sagt der Hesse. „Und in Dortmund war es nicht viel niedriger.“

          Aber die Eintracht habe aufgeholt, seitdem er vor viereinhalb Jahren den Verein verließ: „Wir haben eine enorme individuelle Qualität im Team, nicht nur die drei da vorne, die es überragend machen.“ Die drei sind Jovic, Haller und Rebic. Rode ergänzt: „Kostic ackert jede Woche 90 Minuten, Hasebe und Hinteregger verteidigen auf hohem Niveau, auch Ndicka, der erst 19 ist. Da ist schon ein Qualitätssprung zu früher, obwohl wir auch damals eine sehr gute Mannschaft hatten.“ In seiner letzten Frankfurter Saison spielte Rode, der mit 19 von Kickers Offenbach gekommen war, mit der Eintracht in der Europa League und schied unglücklich in der Runde der letzten 16 gegen den FC Porto aus. „Es fehlt noch ein bisschen zu den Bayern und Dortmund, aber wir sind auf einem guten Weg.“

          Das klingt schon wieder nach einer großen Identifizierung des überzeugten Hessen mit der Eintracht. Denn eigentlich müsste er mit „wir“ den BVB meinen, bei dem er nach wie vor unter Vertrag steht. Aber wenn es nach der Eintracht geht, dann wird sich das im Sommer ändern. Das Gleiche gilt für Rode, was er aber nicht ausspricht. Auf jeden Fall wissen Klub und Spieler, was sie aneinander haben. Erste Vorgespräche mit Dortmund über einen Wechsel sollen schon geführt worden sein. Rode und Frankfurt – das passt einfach zusammen.

          Stabilisator im Mittelfeld: Sebastian Rode (r.) im Duell mit Lautaro Martinez von Inter Mailand.

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