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Sebastian Rode : Ein Mann fürs Herzstück der Eintracht

  • -Aktualisiert am

Die Tränen sind getrocknet: Sebastian Rode ist wieder fit und nimmt einen neuen Anlauf in Frankfurt. Bild: WITTERS

Sebastian Rode ist zurück in Frankfurt. Jetzt hat Trainer Adi Hütter im zentralen Mittelfeld die Qual der Wahl. Dafür gibt es an anderer Stelle bei der Eintracht noch Handlungsbedarf – und einen Kandidaten.

          Ein bisschen Spaß muss sein. Neben der Arbeit, die mit dieser Dienstreise verbunden ist, möchte Fredi Bobic auch das Vergnügen nicht zu kurz kommen lassen. Der 47-Jährige hat offiziell die Fußballschuhe schon 2006 an den Nagel gehängt, doch wann immer es zeitlich passt, geht der einstige Nationalstürmer aus Lust an der Freude auf Torjagd. An diesem Sonntag bestreitet die Eintracht im Rahmen ihres Trainingslagers ein Testmatch gegen den FC Wels (18 Uhr).

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          Die Veranstalter rechnen mit Tausenden Besuchern, was nicht zuletzt mit dem Rahmenprogramm der Partie zu tun hat. Bevor die Begegnung zwischen dem Bundesligasiebten und den drittklassigen Amateuren angepfiffen wird, steht ein „Spiel der Legenden“ auf dem Programm: Dazu werden die österreichischen Alt-Internationalen Toni Polster, Peter Stöger und Andreas Herzog erwartet, aber eben auch der Frankfurter Sportvorstand. Bobic traf am Samstag im Quartier der Mannschaft in Windischgarsten ein – und brachte einen Nachzügler mit, der fortan für eine tragende Rolle vorgesehen ist.

          Die Eintracht verständigte sich mit Borussia Dortmund über den Transfer von Sebastian Rode. Und nur wenige Stunden nach der Bekanntmachung des Geschäfts am Mittag schlüpfte der 28-Jährige schon wieder in Frankfurter Kluft und mischte am späten Nachmittag bei einer Übungseinheit unter anhaltendem Gewitterdonner munter mit. Der Mittelfeldspieler erhielt einen Fünfjahresvertrag bis Sommer 2024, der ein Gehalt vorsieht, das stark leistungsbezogen ausfallen wird. Damit will der Klub das finanzielle Risiko minimieren, das mit der Verpflichtung des Südhessen verbunden ist.

          Rode war Anfang Januar vom BVB für die Rückrunde ausgeliehen worden. Nachdem er zuvor wegen mehrerer Verletzungen bei den Westfalen ins sportliche Abseits geraten war, überzeugte er bei seinem Comeback in Frankfurt auf Anhieb. Mit seiner Laufbereitschaft, der Lust am Zweikampf und einem mitreißenden Ehrgeiz entwickelte er sich im Schnelldurchgang zu einem festen Bestandteil der Mannschaft. Rode brachte es auf zwanzig Partien, zwölf in der Bundesliga und acht in der Europa League. Sein Treffer zum 2:0 gegen Benfica Lissabon ermöglichte das Weiterkommen ins Halbfinale.

          Beim packenden Showdown an der Stamford Bridge, als gegen den FC Chelsea im Elfmeterschießen der Einzug ins Endspiel des zweitwichtigsten europäischen Klubwettbewerbs knapp verpasst wurde, erwischte es Rode dann jedoch abermals folgenschwer. Mitte der zweiten Halbzeit, während die Frankfurter drauf und dran waren, den Favoriten niederzuringen, verdrehte er sich das rechte Knie. Folge: Abermals ein Knorpelschaden. Als das Team später von den mitgereisten Anhängern minutenlang besungen und beklatscht wurde, weil es sich bei der denkwürdigen Niederlage am Abend des 9. Mais von seiner besten Seite präsentiert hatte, stand Rode vor der Tribüne, musste sich an Krücken festhalten, um das verletzte Bein zu entlasten, und seine feuchten Augen ließen bei manchem Beobachter Mutmaßungen aufkommen, dass diese Blessur das Karriere-Aus bedeuten könnte.

          Mittlerweile sind die Tränen getrocknet. Rode, der bereits in jüngeren Jahren von einem Kreuzbandriss und zwei Knorpelschäden gebremst worden war, ließ sich auch von diesem Rückschlag nicht entmutigen. Die Operation verlief komplikationslos, anschließend begann er in seiner Heimat an der Bergstraße bei einem Fitness-Spezialisten mit der Reha. Mit seinem Wiedereinstieg bei der Eintracht, so sagte Rode, gehe ein Wunsch in Erfüllung, der ihm die vergangenen Wochen die nötige Kraft für die Schufterei verlieh: „Ich habe im letzten halben Jahr erlebt, wie stark sich die Eintracht entwickelt hat. Ich bin froh, auch weiterhin ein Teil davon zu sein.“

          Für Bobic handelt es sich bei der Rückholaktion um einen Wechsel, dessen Bedeutung über die qualitative Aufstockung des Aufgebots hinausreicht. „Wir haben alle gesehen, welche Wertigkeit Sebastian in unserem Spiel hat. Nach seiner Verpflichtung im vergangenen Winter hat unser Spiel an wichtigen Komponenten gewonnen“, sagte der Sportvorstand. „Zudem ist er ein Junge der Region, und wir haben immer gesagt, dass wir versuchen, solche Spieler an den Klub zu binden.“

          Mit Rode verfügt Trainer Adi Hütter für den Aufgabenbereich im Maschinenraum des Teams über die Qual der Wahl: Fernandes, die Neuzugänge Dominik Kohr (aus Leverkusen) und Djibril Sow (aktuell verletzt, aus Bern), der wiedergenesene Lucas Torro sowie Rode sollen im internen Konkurrenzkampf um die defensiven Plätze vor der Abwehrreihe wetteifern. Für Hütter handelt es sich um das „Herzstück“ der Eintracht: „Wir haben jetzt viele zentrale Mittelfeldspieler“, sagte der 49-Jährige, „damit bin ich sehr zufrieden.“ Handlungsbedarf sieht er an anderer Stelle. „Im Sturm müssen wir noch was tun.“ Bei den Verhandlungen, die Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner auch von Windischgarsten aus vorantrieben, komme es auf „Ruhe und Geduld an“. Bei Rode ging die Taktik auf. Über die Ablösemodalitäten vereinbarten die Eintracht und der BVB Stillschweigen. Gut möglich, dass beide Parteien demnächst schon wieder in Verhandlungen eintreten: Mit Maximilian Philipp steht ein weiterer Noch-Dortmunder oben auf der Eintracht-Wunschliste für den Angriff.

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