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„Extreme Diskussion“ : Ein schwarzer Tag für die Handspielregel

Der Video-Assistent und die Handspielregel sorgen auch an diesem Spieltag für große Diskussionen. Bild: dpa

Nicht nur eine Szene in Berlin sorgt in der Bundesliga für neue Diskussionen um die Handspielregelung und die Videoassistenten. Im Fernduell um die Meisterschaft zwischen Bayern und Dortmund wird mit zweierlei Maß geurteilt.

          Lutz-Michael Fröhlich saß am Samstagnachmittag im Berliner Olympiastadion. Auch der Chef der deutschen Schiedsrichter sah auf der Tribüne nicht, was zum großen Aufreger dieses Spiels und dieses Spieltags werden sollte: Ein eindeutiges Handspiel im Strafraum des Berliner Verteidigers Rekik beim 3:1-Sieg der Hertha gegen den VfB Stuttgart.

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          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Selbst auf dem Spielfeld hatte dieses Handspiel keiner wahrgenommen, kein Stuttgarter Spieler protestierte. „Ich habe niemanden im Stadion getroffen, der es gesehen hat. Es gibt auch niemand, der dem Schiedsrichter einen Vorwurf macht“, sagte Fröhlich am Sonntag. Tatsächlich richtet sich die Kritik in diesem Fall nach dem Schlusspfiff allein gegen den Videoassistenten im Kölner Keller, der beim „klarsten Handspiel der letzten Wochen und Monate, vielleicht sogar der gesamten Saison“, wie VfB Stürmer Esswein sagte, nicht eingriffen hatte.

          Das lag, wie Fröhlich sagt, an der „Unverdächtigkeit der Situation“, die sich in dieser Szene vor dem Bildschirm genauso wie in der Realität spiegelte. Erst mit Verzögerungen wurden Zeitlupen eingespielt, die das klare Handspiel erkennen ließen. Da aber war, so der Vorsitzende der Schiedsrichter-Kommission Elite, das Spiel in Berlin schon wieder weitergelaufen und ein Eingreifen des Videoassistenten nicht mehr möglich.

          Nicht nur die Szene in Berlin, die niemand live gesehen hatte, machte den 32. Spieltag zu einem schwarzen Tag der Handspielregelung und des Videoassistenten. Im Meisterschaftsduell zwischen Bayern und Dortmund wurde am Samstag mit zweierlei Maß geurteilt – noch größere Aufregung darüber wurde nur verhindert, weil die Fehlentscheidung zu Lasten der Bayern ihren 3:1-Sieg gegen Hannover nur kurzzeitig gefährdete, aber mit dem Elfmetertor zum zwischenzeitlichen 2:1 nicht zunichte machte. Schiedsrichter Dingert hatte in der zweiten Halbzeit auf Elfmeter entschieden, nachdem der Ball gegen Boatengs Arm geflogen war. „Sein Arm war nicht direkt am Körper, aber auch nicht so weit weg, dass man von einem abgespreizten Arm sprechen kann“, sagte Fröhlich. Boateng habe den Arm auch nicht klar in die Flugbahn des Balls bewegt, sein Handspiel sei „nicht strafbar“ gewesen.

          Und genauso wenig sei auch das Handspiel von Mario Götze beim Stand von 2:2 in Bremen strafbar gewesen. Auch Götze hatte den Arm nah am Körper, auch beim Dortmunder ließ sich eine bewusste Bewegung des Arms zum Ball nicht erkennen. Die Entscheidung von Schiedsrichter Fritz, das Spiel weiterlaufen zu lassen, sei richtig gewesen, erklärteFröhlich. „Allerdings kann ich bei den unterschiedlichen Entscheidungen in München und Bremen verstehen, dass das jeden Zuschauer, Spieler und Trainer irritiert.“

          Da jedoch die Handspielregel im Fernduell um die Meisterschaft unterschiedlich ausgelegt und das klare Handspiel in Berlin zu spät auf dem Bildschirm entdeckt wurde, war für die Schiedsrichter, die Videoassistenten und für Fröhlich wieder allgegenwärtig, was bei Fehlentscheidungen und unterschiedlicher Regelinterpretation in der Bundesliga in Zeiten des Videoassistenten stets wiederkehrt: „Eine extreme Diskussion.“

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