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Schiedsrichter in Bundesliga : Endlich Einsichten beim Videoassistenten

  • -Aktualisiert am

Blick auf eine Szene im Video: Manuel Gräfe nach einem Hinweis des Videoassistenten Bild: Reuters

Schiedsrichter sollen künftig als Spezialisten eingesetzt werden. Das ist richtig, auch wenn dieser Entschluss für viele zu spät getroffen wird. Bei der Hand-Regel gibt es ebenfalls eine neue, gute Entwicklung.

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          Im Mai wird das vierte Bundesligajahr mit den berüchtigten Videoassistenten (VAR) aus dem Kölner Keller zu Ende gehen, der nicht selten wie ein Verlies des Bösen erscheint. Immer noch zürnen Spieler, Trainer, Fans oder Experten, und von diesem Sommer an droht es noch schlimmer zu werden.

          Wenn wieder Menschen in die Stadien kommen, muss der Vorgang der Überprüfung wieder einem Stadionpublikum ohne Bildschirm vermittelt werden. Wahrscheinlich werden die Fankurven gleich am ersten Spieltag wieder brüllen: „Ihr macht unser Spiel kaputt!“ Allerdings sind die Schiedsrichterfunktionäre des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) endlich zu ein paar wertvollen Einsichten gelangt.

          Wie ein Mittelstürmer im Tor

          Die Verantwortlichen haben erkannt, dass Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter, die auf dem Rasen zu den Topleuten ihres Faches zählen, nicht automatisch ein ähnlich hohes Niveau bei der Arbeit vor den Bildschirmen in Köln erreichen. Deshalb sollen sich die Unparteiischen zunehmend spezialisieren. Nicht mehr jeder wird mal als Schiedsrichter auf dem Platz, mal als vierter Offizieller am Spielfeldrand, mal im Videokeller und vielleicht sogar noch gelegentlich als Assistent mit Fahne eingesetzt werden. Jahrelang agierte der DFB wie ein Trainer, der seinen Mittelstürmer gelegentlich ins Tor stellt und der seine Dribbler vom Flügel der Gerechtigkeit halber regelmäßig in die Innenverteidigung beruft.

          Während der Monate der Pandemie wurde nun ermittelt, wem welche Aufgaben besser liegen. Und wer deutliche Schwächen in bestimmten Segmenten des breiten Arbeitsfeldes hat. Man kann sich darüber ärgern, dass das erst jetzt passiert, weil zum Beispiel immer wieder die gleichen Namen auftauchten, wenn Dinge im Kölner Keller falsch bewertet wurden. Aber das hilft wenig.

          Unter 35 besser am Bildschirm

          Es ist vielmehr eine erfreuliche Entwicklung, wenn die oftmals jüngeren Zweitligaschiedsrichter künftig zu einem festgelegten Kreis von rund 35 Referees gehören dürfen, die in der Bundesliga als VAR eingesetzt werden. Es hat sich herausgestellt, dass gerade Unparteiische unter 35 besonders gut sind an den Bildschirmen im Kölner Keller. Andere sollen hingegen nicht mehr dort arbeiten, sie werden eben öfter als vierter Offizieller am Spielfeldrand für Frieden und Ordnung sorgen. Oder als Chef auf dem Rasen, wo Persönlichkeit und Reife wichtiger sind.

          Dieser neue Pragmatismus hat das Potential, einen echten Qualitätsgewinn bei der Arbeit mit Pfeife, Fahne und Headset zu implizieren, zumal die Deregulierung nicht nur den VAR betrifft. Auch beim Handspiel wird künftig zweckmäßiger agiert. Statt über vergrößerte Körperflächen und Arme oberhalb von Schulterlinien nachzudenken, sollen die Schiedsrichter sich wieder zuallererst fragen: War das Absicht oder nicht?

          Gesunder Menschenverstand verdrängt technokratische Überregulierung, das ist eine gute Entwicklung. Fehlt nur noch, dass diese Attitüde auch zu Ausnahmen im Umgang mit der Altersgrenze führt, die bei 47 Jahren liegt. Aufgrund dieser Regel muss der hochgeschätzte Manuel Gräfe in diesem Sommer aufhören, was Spieler, Trainer und Funktionäre gleichermaßen bedauern. Auch hier würde eine Portion Flexibilität das Gesamtniveau der Schiedsrichterarbeit anheben.

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