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Schalker Verhältnisse : Heldts letzte Patrone

  • -Aktualisiert am

Den Fans stinkts: Tönnies, Heldt (r.) am 16. Mai beim Spiel gegen Paderborn Bild: dpa

Schalkes starke Männer stehen am Abgrund, einer näher als der andere: Clemens Tönnies kann Horst Heldt nicht mehr wirkungsvoll genug schützen. Der nächste Trainer muss ein Volltreffer sein.

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          Als Horst Heldt vor nahezu fünf Jahren „auf“ Schalke anfing, musste er zunächst warten. Er hatte Felix Magath vor sich, den damals mächtigsten Trainer-Manager der Liga. Heldt wartete in Ruhe ab, wie der Zampano an den Rand des großen Spielfelds geriet und schließlich in den Schalker Abgrund stürzte; einen Abgrund, der sich als tiefer erwies als viele andere Abgründe im Profifußball. Der Weg war frei für den Manager Heldt, der zum Sportvorstand aufstieg.

          Inzwischen steht auch Heldt am Abgrund. Der Schutzschild, den sein Förderer, der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies über ihn hält, ist nicht mehr wirkungsvoll genug, alle Angriffe abzuwehren, dafür steht Tönnies selbst zu stark unter Druck. Die Fans in der Nordkurve sind längst der Meinung, der Fisch stinke „vom Kopf“ her.

          Lange hat der Fleischfabrikant Schalke regiert, notfalls mit Hilfe von Mitstreitern vom Boulevard, die mit ihm ihre Geschäfte gemacht haben, meist zum beiderseitigen Nutzen. Doch inzwischen wird deutlich, wie sehr der Gelsenkirchener Klüngel dem Anspruch hinterherhinkt, den Schalke immer noch erhebt: in der Champions League zu kicken. 

          Der Klub hat alle seine Saisonziele verfehlt, obwohl er im Oktober Jens Keller entlassen hatte, einen uncharismatischen Fußball-Lehrer, der, allen Prognosen zum Trotz, stets die vorgegebenen Ziele erreicht hatte.
          Auf dem Rasen ging es auch ohne Keller alsbald bergab. Heldt sah sich gezwungen, etwas zu ändern, wenigstens etwas, schon den Fans zuliebe. In langen Gesprächen mit Trainer Di Matteo arbeitete er zumindest für das Publikum heraus, dass eine Zusammenarbeit keinen Sinn mehr ergebe.

          Das ist nur scheinbar ein Befreiungsschlag. Heldt ist weder der Liebling des Publikums noch ein Mann des Boulevards. In erster Linie verkörpert er, wie schwer es ist, Schalke zu regieren. Mit Indiskretionen und internen Vorgaben konfrontiert, muss er versuchen, einen neuen Trainer zu finden. Dessen Profil hielt er am Tag nach dem Pfingstbeben auf Schalke so unkonkret wie möglich, das sagt einiges.

          Wieder geht es in erster Linie darum, sich bloß nicht festzulegen. Das spricht dafür, dass Heldt sich nicht früher als nötig mit Kandidaten für den Trainerposten beschäftigt hat, andererseits bestätigt es auch, wie unbedarft Schalke an das Thema herangeht. So oder so braucht Horst Heldt einen Volltreffer. Wie es scheint, hat er nur noch eine Patrone.

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