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Schalke trifft auf Stuttgart : „Totale Dominanz“ war gestern

  • -Aktualisiert am

Kuranyi und Kollegen starten in Stuttgart Bild: AP

Kevin Kuranyi kehrt an diesem Freitag zum Auftakt der neuen Bundesliga-Saison in seine Heimat Stuttgart zurück. Der Angreifer ist beim FC Schalke mittlerweile zum Wortführer gereift. Doch Manager Müller muss den Nationalspieler immer wieder zurückpfeifen. Von Richard Leipold.

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          Natürlich sind die Schalker auf alles vorbereitet, auch auf Schmährufe missgünstiger Fans ihrer Gegner. Wenn die Westfalen vor großem Bundesliga-Publikum wieder an die Arbeit gehen, könnte der Kurvengesang „Ihr werdet nie deutscher Meister“ in vielen Stadien aufs Neue zum Hit werden. „Diese Rufe werden oft auftauchen, wenn es unentschieden steht oder wir hinten liegen“, sagt Trainer Mirko Slomka. „Wir haben dieses Thema behandelt, auch mit der Mannschaft.“

          Die gerade im Titelkampf der vergangenen Saison arg empfindliche Selbsthilfegruppe hat offenbar beschlossen, den Spott nicht mehr an sich heranzulassen. „Dieses Thema belastet uns nicht mehr so. Das kennt man schon auf Schalke, offensichtlich seit 49 Jahren“, sagt Slomka. So lange ist es her, dass die Königsblauen ihren Vereinsnamen zuletzt auf der Meisterschale eingravieren lassen durften.

          Misserfolge auf dem Transfermarkt

          Mit Blick auf die allseits erwartete Übermacht der Bayern kommt in Schalke (und nicht nur dort) die Frage auf, ob der zweite Platz in der Liga am Ende dieser Saison nicht das Prädikat „besonders wertvoll“ verdient. Slomka antwortet mit überaus kontrollierter Offensive und doch einen Tick mutiger als in den zurückliegenden sechs Wochen, die geprägt waren von diplomatischem Gerede. „Erster wäre besser“, sagt der Trainer. Erster oder Zweiter?

          Auf Schalke herrscht Einigkeit: „Wir sind konkurrenzfähig”

          Egal wie die Antwort ausfällt: Wenn sich diese Frage noch gegen Ende der Saison stellt, haben die Schalker fast alles richtig gemacht. Ihr Prolog fällt weitaus vorsichtiger aus als vor einem Jahr. Von der Meisterschaft oder gar von „totaler Dominanz“ zu sprechen kommt ihnen nicht mehr in den Sinn. Sie sind zu sehr damit beschäftigt, ihre Misserfolge auf dem Transfermarkt herunterzuspielen.

          Es herrscht Einigkeit: „Wir sind konkurrenzfähig“

          Wunschkandidaten wie Albert Streit von Eintracht Frankfurt und vor allem Stephen Appiah von Fenerbahce Istanbul bleiben vorerst, wo sie sind, weil solche Transfers die angestrebte Konsolidierung des Haushalts offenbar zu sehr beeinträchtigt hätten. Neue Profis wie Rakitic, Westermann und Jones als Ergänzungsspieler zu bezeichnen, das hält Manager Andreas Müller zwar für „eine Frechheit“. Andererseits verbindet nicht einmal sein Protegé Slomka mit diesen Namen den Anspruch, auf die Schnelle höchste Ambitionen zu verwirklichen.

          Beim Premierenspiel an diesem Freitagabend gegen Titelverteidiger VfB Stuttgart (20.30 Uhr im FAZ.NET-Liveticker) steht, aller Voraussicht nach, keiner der drei Neuen in der Startelf. Die Verantwortlichen haben sich auf eine gemeinsame Deutung geeinigt, die längst zum Repertoire gehört. „Wir sind konkurrenzfähig.“ Aber mit wem wollen sie konkurrieren, fragen sich nicht nur notorische Nörgler, sondern auch Protagonisten mit Führungs- und Titelanspruch.

          Kuranyi: Tore und andere Taten

          Kevin Kuranyi etwa will endlich einmal deutscher Meister werden, auch deshalb ist er vor zwei Jahren von Stuttgart nach Gelsenkirchen gegangen. Bisher hat sich dieser Wechsel für ihn nur wirtschaftlich ausgezahlt; sportlich überwog die Enttäuschung. Erst war der Klub, vor allem dessen Anhängerschaft, unzufrieden, weil der Star in seinem ersten Schalker Jahr nicht zu überzeugen vermochte. Inzwischen hat Kuranyi sich mit Toren und anderen Taten zu einem Meinungsführer emporgearbeitet - und wird prompt selbst enttäuscht.

          Kurz vor dem Start hat der Nationalstürmer seine vor Wochen schon geäußerte Kritik an der Personalpolitik aufgefrischt. Kuranyi vermisst weiterhin einen Nachfolger oder wenigstens adäquaten Ersatz für Regisseur Lincoln, der lieber in der Türkei sein Vermögen mehrt, als in Schalke einem scheinbar unerreichbaren Ziel nachzujagen. „Es ist immer besser für ein Team, wenn neue gute Spieler kommen und das den Konkurrenzkampf stärkt. Mit Appiah wären wir sicher stärker gewesen“, sagt Kuranyi. Und fügt nebenbei hinzu, dass er sich auch künftig nicht den Mund verbieten lasse. „Ich stehe zu meiner Meinung und werde sie auch immer sagen.“ Der 25 Jahre alte Angreifer hat sich nicht nur auf dem Rasen freigespielt, sondern sich auch auf dem heiklen Terrain der öffentlichen Rede vom Grundwortschatz der Schalker Floskeln verabschiedet.

          „Alles kann, nichts muss“

          Da ihm in der Sache niemand ernsthaft widersprechen kann, dürfte der Zorn seines Vorgesetzten Müller an ihm abprallen, zumal Kuranyi sein Profil mit Worten wie mit Toren geschärft hat. Der Manager echauffiert sich vor allem über das Forum, das der mündige Profi gewählt hat. „Kevin darf Kritik üben, aber nicht öffentlich, das gibt es hier nicht, und er braucht es auch nicht noch einmal zu wiederholen“, sagt Müller. Für die Zusammenstellung der Mannschaft seien allein Trainer und Manager zuständig. Müller drohte in der „Bild“: „Wenn er noch mal öffentlich nachlegt, dann rappelt's“ (Siehe auch: Fußball kompakt: Müller droht Kuranyi mit Konsequenzen).

          Künftige Transferversuche sieht Müller unter dem geschmeidig klingenden Rubrum „Alles kann, nichts muss“. Kuranyi leuchtet das nicht ein, wie ein weiterer Kommentar des Stürmers belegt. „Ich glaube, der Manager versucht, gute Arbeit zu machen“, sagt er. Das klingt so ähnlich, wie wenn in einem schlechten Zeugnis steht: Er hat sich bemüht.

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