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Remis nach Eigentor : Schalker Negativrekord

  • -Aktualisiert am

Am Ende nur mit einem Punkt gegen Leverkusen: Schalke und Trainer David Wagner Bild: Reuters

Gegen die Elf von Bayer Leverkusen stehen die Königsblauen lange vor einer großen Überraschung. Doch dann wendet sich das Blatt. In letzter Sekunde fällt beinahe noch ein Treffer.

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          Die Historie des FC Schalke 04 ist reich an schweren Momenten und Phasen des Schmerzes, am Sonntagabend hat der Klub der langen Reihe der Tiefpunkte nun ein neues Kapitel hinzugefügt. Mit dem 1:1 gegen Bayer Leverkusen haben die Schalker 13 Spiele nacheinander nicht gewonnen, so eine lange Serie ohne Sieg mussten die Anhänger des Gelsenkirchener Traditionsvereins seit Gründung der Bundesliga noch nie ertragen. Und doch waren es an diesem Tag nicht die Schalker, die enttäuscht und niedergeschlagen vom Feld schlichen, sondern die Leverkusener. „Ich glaube, wir haben heute nicht mehr verdient“, sagte Verteidiger Sven Bender, „wir waren nicht so griffig, nicht so aggressiv wie Schalke.“

          Bundesliga

          Die Mannschaft von Trainer David Wagner strahlte nämlich eine positive Energie aus, die am vorigen Wochenende beim 1:1 in Berlin schon in Ansätzen erkennbar war, die nun aber in voller Pracht zur Geltung kam. Auch von den Ersatzspielern, den Trainern und Betreuern am Spielfeldrand kamen ständig positive Rückmeldungen: Applaus, Aufmunterungsrufe, Anfeuerungssignale. Diese Impulse hatten zuletzt oft gefehlt. Und auf dem Platz wurde mit viel Hingabe gearbeitet.

          Aufgrund der Verletzungsprobleme – zuletzt waren Raman, Sané und Matondo ausgefallen – war Wagner gezwungen, Leute aus den hinteren Reihen des Kaders in seine Startelf zu berufen. Dem Geist der Mannschaft schien das gut zu tun. „Ich bin super einverstanden, wie die Jungs heute investiert haben, wie sie sich gewehrt haben. Das ist, was wir von uns erwarten“, sagte der Schalker Trainer. Nassim Boujellab und Ahmed Kutucu bildeten ein junges Sturmduo, und im defensiven Mittelfeld erlebte Can Bozdogan, der Kapitän der U19, sein Bundesligadebüt und machte ein starkes Spiel. Die Eigengewächse gewannen viele Zweikämpfe, endlich einmal erinnerte das Spiel der Schalker an die intensiven Auftritte der Hinrunde. „Wir haben wieder das gemacht, was Schalke ausmacht von der Mentalität her“, sagte Kapitän Daniel Caligiuri.

          Und so war der vieldiskutierte Führungstreffer auch verdient. Nach einer Intervention des Videoassistenten in Köln verhängte Schiedsrichter Daniel Siebert einen umstrittenen Handelfmeter für die Schalker. Edmond Tapsoba war der Ball, der sich oberhalb der Schulter befand, an den Arm gesprungen, was in der laufenden Saison unabhängig von der Frage nach der Absicht zu einem Elfmeter führen soll. Daniel Caligiuri traf zum 1:0 (51.). Erst jetzt wurden die Leverkusener munterer, aber es fiel ihnen erkennbar schwer, die Lethargie abzuschütteln, mit der sie dieses wichtige Bundesligaspiel begonnen hatten. Wirklich gefährlich wurden sie nicht, bis Caligiuri am eigenen Strafraum einen Fehler machte: Statt die Situation in einem Zweikampf mit Wendell entschlossen zu klären, spekulierte er auf einen Ballgewinn, der Leverkusener gewann den Zweikampf, konnte quer passen, und Paulinho erzielte das 1:1 (81.). Es war ein glücklicher Ausgleich.

          Denn auch die Rückkehr von Kai Havertz, der zuletzt aufgrund einer Knieblessur in Bundesliga und Pokal gefehlt hatte, machte das Spiel des Champions-League-Anwärters nicht viel besser. Bayer Leverkusen hat seit Wochen Probleme, spielerische Lösungen zu finden, wenn Gegner engagiert verteidigen. „Wir müssen schnellen Fußball spielen, mit einem schnellen Positionsspiel, das haben wir nicht gemacht“, sagte Trainer Peter Bosz, der sich allerdings über den Sprung auf den vierten Tabellenplatz freuen konnte. „Vielleicht ist das am Ende ein sehr wichtiger Punkt, den wir mitgenommen haben“, sagte er.

          Über Schalke liegt unterdessen trotz der verbesserten Leistung weiterhin ein Gefühl tiefer Trostlosigkeit. Am Wochenende waren viele Anhänger entsetzt, weil bekannt wurde, dass der Verein 24 Mitarbeitern gekündigt hat, die im Fahrdienst für Jugendspieler beschäftigt waren. Offenbar handelt es sich zum Teil um 450-Euro-Jobber, Rentner und Schwerbehinderte. Dass die ersten der wohl unumgänglichen Entlassungen die Schwächsten treffen, wurde als weiteres Zeichen der Entfremdung zwischen der Klubführung der Basis gewertet. Wobei Sportvorstand Jochen Schneider diesem Eindruck am Rande des Spiels entgegentrat. Die Entscheidung sei „unternehmerisch, betriebswirtschaftlich“ sinnvoll, auch weil wegen der Corona-Regeln im Moment keine größeren Gruppen in einem Bus durch die Gegend gefahren werden können. Schneider sagte, „dass für jeden der 24 Leute, deren Existenz an dem Job hier auf Schalke hängt, eine Lösung“ gefunden werde, zum Teil sei das bereits geschehen. Das wachsende Gefühl, dass viel zu viele Dinge schieflaufen beim FC Schalke des Jahres 2020, wird diese Erklärung aber kaum abschwächen.

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