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0:2 gegen FC Bayern München : Schalke gibt sich erst spät geschlagen

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Freude bei Bayerns Lewandowski – Ernüchterung bei Schalke. Bild: Reuters

Der FC Schalke 04 fordert den FC Bayern München und hat sogar die besseren Torchancen. Kurz vor Schluss lassen zwei Spieler die Bayern dann doch noch jubeln und Schalke verliert.

          Am Tag vor dem Spiel hatte Christian Heidel, der Manager des FC Schalke 04, erläutert, was seine Mannschaft leisten müsse, um gegen den deutschen Meister eine Chance zu haben. „Es darf Bayern München keinen Spaß machen.“ Dieses Ziel haben die Schalker zwar erreicht; sie leisteten dem Favoriten so energisch Widerstand, dass die Bayern sich nicht besonders amüsiert haben dürften. Das Ergebnis sprach am Ende aber doch wieder für den deutschen Rekordmeister, der den Widerstand der Schalker mit zwei Toren in der Schlussphase doch noch zu brechen vermochte. Robert Lewandowski schoss Bayern in Führung (82. Minute). Joshua Kimmich ließ in der Nachspielzeit den Treffer zum 2:0 folgen. Trotz der Niederlage erhielten die Gelsenkirchener von Rängen viel Anerkennung.

          Wie viel Neue(s) verträgt eine Mannschaft in der Findungsphase zu Beginn einer Saison? Diese Frage beschäftigt Trainer, Spieler, Manager und Fans des FC Schalke 04 seit Wochen. Bei der Auftaktniederlage in Frankfurt hatte Cheftrainer Markus Weinzierl zunächst nur einen neuen Mann aufgeboten und war damit nicht überall auf Verständnis gestoßen. Dem Vorwurf, zu stark auf vermeintlich Bewährtes zu bauen, wollte der Fußball-Lehrer sich nicht noch mal aussetzen. Für den zweiten Versuch, dynamisch zu starten, hatte Weinzierl fünf Spieler in die Startelf beordert, die erst seit Kurzem bei den Westfalen unter Vertrag stehen.

          Große Freude: Kurz vor Schluss gelingt Lewandowski das 1:0. Bilderstrecke

          Innenverteidiger Naldo, am ersten Spieltag in Frankfurt noch der einzige Neue, bekam in seinem dreihundertsten Bundesligaspiel Gesellschaft von Linksverteidiger Abdul Rahman Baba; auch sein unmittelbarer Nebenmann im Zentrum, Matija Nastasic, ist nach mehr als einem Jahr Verletzungspause fast wie ein Neuzugang zu betrachten.Davor wurde das Mittelfeld mit zwei defensiven Fachkräften neu besetzt, von denen der Trainer sich einen Zuwachs an Robustheit und Aggressivität verspricht: Nabil Bentaleb und Benjamin Stambouli. Im Angriff übernahm Jewen Konoplyanka die Flügelposition, die frei geworden war, weil Nationalspieler Leroy Sané in diesem Sommer zu Manchester City gewechselt ist. Dagegen musste Breel Embolo, der mit gut 22 Millionen Euro Ablöse teuerste Zugang der Vereinsgeschichte, abermals mit einem Platz auf der Ersatzbank vorlieb nehmen; bei allem Talent ist dem Schweizer Nationalspieler, jüngst gegen Portugal unter den Torschützen, noch nicht gelungen, sich aufzudrängen.

          Aufgedrängt dagegen hat sich an diesem Abend von Anfang an der Eindruck, dass der viel beschworene Mentalitätswechsel „auf“ Schalke allmählich Einzug hält. Die Königsblauen stellten sich dem Favoriten kompakt, kämpferisch in den Weg und zeigten sie zudem laufstark. Die Münchener Angreifer fanden in der ersten Hälfte kaum ein Durchkommen; ihre Vorstöße blieben oft im Versuch stecken, weil die Schalker bereit waren, viel zu laufen und die Aggressivität zeigten, die sie oft hatten vermissen lassen. Vor der Pause brachten die Bayern nur einen gefährlichen Abschluss zustande. Nach Vorarbeit von Thiago und Thomas Müller verfehlte Lewandowski mit einem Direktschuss knapp das Ziel. Auf der Gegenseite hatten auch die Schalker eine gefährliche Strafraumszene. Klaas Jan Huntelaar vermochte eine scharfe Hereingabe von Konoplyanka aber nicht an Torhüter Manuel Neuer vorbeizubringen. Dennoch wurden die Profis der Heimelf mit Applaus in die Pause geschickt. Sie hatten Mumm und phasenweise auch Mut gezeigt, also eine ganz andere Einstellung als bei dem missratenen Auftakt in Frankfurt.

          Die Bayern dagegen bekamen zu spüren, was es heißt, wenn eine Mannschaft sich ihnen leidenschaftlich entgegenstemmt, statt sich willenlos zu ergeben wie am ersten Spieltag die völlig überforderten Bremer. Es fiel ihnen schwer, Lücken zu finden und sich Räume für ihr Offensivspiel zu schaffen. Bei einem Gegenstoß bot sich der Heimelf sogar die Chance, in Führung zu gehen. Nach einem Ballverlust von Xabi Alonso kam Huntelaar an den Ball und stand vor der Wahl, den inzwischen eingewechselten Embolo steil anzuspielen oder selbst zu schießen – der Niederländer machte es auf eigene Faust und wuchtete die Kugel aus etwa fünfundzwanzig Metern an die Latte, noch ein Zeichen für das Selbstbewusstsein, das die Schalker an diesem Abend auszeichnete. Gegen derart widerstandsfähige Westfalen fiel es auch Renato Sanches, dem neunzehn Jahre alten Europameister, nicht leicht, sein außergewöhnliches Talent zur Geltung zu bringen.

          Der Neunzehnjährige hatte im Münchner Mittelfeld den Vorzug vor Arturo Vidal erhalten, der erst am Donnerstag von der chilenischen Nationalmannschaft zurückgekehrt war und Mitte des zweiten Durchgangs für Alonso eingewechselt wurde. Sanches zeigte sich bei seinem Bundesliga-Debüt fleißig, seine auffälligste Aktion war allerdings ein taktisches Foul, das ihm die Gelbe Karte einbrachte. Obwohl die Schalker sich nach Kräften wehrten, kam der deutsche Meister nach der siebzigsten Minute zu Chancen. Douglas Costa schoss aus der Distanz über das Ziel hinaus, und Lewandowski stellte sich zunächst noch ein wenig ungeschickt an, als er den Ball im Fünfmeterraum nicht richtig unter Kontrolle bekam. Aber dann tat sie sich doch noch auf, die eine Situation, die Bayern zum Sieg nutzte. Diesmal ging Lewandowski wieder so zielstrebig und entschlossen zu Werke, wie man ihn kennt. Das war die Entscheidung, der letzte Konter nur noch die Zugabe.

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