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Schalker 1:6 gegen Leipzig : Demontage eines hilflosen Teams

  • -Aktualisiert am

Schalkes Maya Yoshida mag nicht mehr hinsehen. Bild: AP

Zehn der zurückliegenden elf Bundesligapartien hat Schalke 04 nun verloren. Gegen Leipzig wirkt das Team so unfertig, dass der Klassenverbleib kaum vorstellbar ist.

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          Die große Mehrheit des Publikums war nicht mehr da, als das königsblaue Grauen sein Ende fand. Yussuf Poulsen traf in der 89. Minute zum 6:1 für RB Leipzig und Trainer Thomas Reis, der Trainer des hoffnungslos unterlegenen FC Schalke sagte etwas später: „Ich kann mich nur beim Publikum entschuldigen.“

          Die Gelsenkirchener hatten gespielt wie eine Mannschaft, die auf diesem Niveau nicht konkurrenzfähig ist, und vielleicht wäre es tatsächlich das Beste, die Empfehlung von Michael Frey zu beherzigen. „Wir müssen dieses Spiel sofort vergessen“, empfahl der in der vergangenen Woche von Royal Antwerp ins Revier gewechselt Stürmer, der einer der wenigen Lichtblicke dieses Abends war.

          Bundesliga

          Das wird aber nicht so einfach, denn es handelte sich nicht um eine Allerweltsniederlage eines Abstiegskandidaten gegen ein Spitzenteam. Es war die Demontage eines Hilflosen. Früh lag der FC Schalke nach Toren von André Silva (7.) und Benjamin Henrichs (15.) nicht nur mit 0:2 zurück, schlimmer noch war, dass es sich um Gegentore mit sehr klarer Botschaft handelte. Es waren Treffer, die alle Zuschauer geradezu zwangsläufig zu einer schmerzlichen Erkenntnis führten: Schalke mag während der vergangenen Wochen vielleicht ein paar fußballerische Fortschritte und ein ordentliches Spiel in Frankfurt gemacht haben, ist aber wohl auch im neuen Jahr unreif und instabil.

          Defensivversagen einer ganzen Mannschaft

          Vor dem 0:1 reichte ein langer Schlag aus der eigenen Hälfte, um Silva und Timo Werner in eine Zwei-Gegen-Zwei-Situation mit den Schalker Innenverteidigern Maya Yoshida und Henning Matriciani zu bringen. Die beiden waren leichte Opfer waren für die nicht nur fußballerisch überlegenen, sondern auch viel schnelleren Leipziger, die keine Mühe hatten, ihre Vorteile zur Führung zu nutzen.

          Und vor dem 0:2 riss ein einfacher Spielverlagerung die gesamte linke Schalker Abwehrseite auf, weil niemand sich für die riesigen Räume auf dem Flügel verantwortlich fühlte. Ein derart dramatische Defensivversagen einer ganzen Mannschaft bekommt das Publikum in der Bundesliga wahrlich selten zu sehen. „Wenn man in der ersten Halbzeit keine Zweikämpfe annimmt und die Gegner laufen lässt, hat man in der Bundesliga nichts zu suchen“, sagte Reis.

          Schalke 04: einen Schritt vor, drei zurück
          Schalke 04: einen Schritt vor, drei zurück : Bild: EPA

          Von dem zarten Selbstvertrauen, dass die Schalker sich in der langen Winterpause und mit der ordentlichen Leistung am vorigen Samstag bei Eintracht Frankfurt erarbeitet hatten, war nach diesem Schock nichts mehr übrig. Silva (44.) und Timo Werner (45.+2) entschieden die Partie endgültig, zur Halbzeit pfiffen viele Zuschauer. Immerhin deutete Frey in zwei, drei Situationen an, dass er eine Hilfe werden kann. „Jetzt geben wir nochmal alles für die Fans“ habe die Mannschaft sich in der Halbzeit vorgenommen, berichtete der Angreifer nach den schlechtesten 45 Minuten der Saison. Und tatsächlich folgten einige Minuten der Versöhnung.

          Die überforderten Jere Uronen und Jordan Larsson wurden von Dominick Drexler und Andreas Ivan ersetzt, und als der vom 1. FC Düren aus der Oberliga verpflichtete Soichiro Kozuki ein schönes Tor zum 1:4 gelungen war (56.), keimte eine zarte Hoffnung. Der Revierklub hatte sogar eine ganze Reihe von Möglichkeiten, den Rückstand weiter zu verkürzen. Das 1:5 von Dani Olmo (81.) machte dann aber auch den kühnsten Optimisten klar, dass an diesem Abend kein Wunder mehr passieren würde. Und Poulsens 1:6 spürte kaum noch jemand, Zehntausende befanden sich ohnehin schon auf dem Heimweg.

          Zehn der zurückliegenden elf Bundesligapartien hat Schalke 04 nun verloren, und das Team wirkt so unfertig, dass der Klassenverbleib nicht nur wegen der mageren neun Punkte kaum vorstellbar ist. Als kleiner Trost bleibt allenfalls, dass erst die Hälfte der Saison absolviert ist, und das neue Fußballjahr dem Tabellenletzten mit Leipzig und Frankfurt gleich zwei besonders starke Gegner bereit beschert hatte. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass der Leipziger Trainer Marco Rose zum Abschluss des Abends ohne jede Ironie zu seinem traurigen Kollegen Reis sagte: „Ich denke da geht noch eine Menge auch mit den Zuschauern hier im Rücken.“ Reis wirkte nicht, als wäre er auch dieser Meinung.

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