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Fans planen Proteste : Schalke steht vor der Zerreißprobe

Klubchef Clemens Tönnies treibt Ausgliederungspläne voran – sehr zum Unmut der Fans Bild: Picture-Alliance

Die sportliche Krise macht Schalke 04 eigentlich schon genug zu schaffen. Nun aber planen auch noch die Fans Proteste. Der Grund sind die Pläne von Klubchef Clemens Tönnies.

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          Die 0:2-Niederlage bei Mainz 05 schmerzte die Profis von Schalke 04 schon genug. Das sah man den Spielern an, als sie nach dem Abpfiff mit hängenden Köpfen in Richtung ihrer Anhänger trotteten. Doch die schlimmste Demütigung stand ihnen am späten Freitagabend erst noch bevor: Denn die mehr als 4000 vermeintlichen Freunde unter den 34.000 Zuschauern im ausverkauften Mainzer Stadion gingen noch rücksichtsloser mit den Königsblauen um als zuvor der Gegner auf dem Feld.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Mainzer beließen es nämlich trotz weiterer großer Torchancen in der Schlussphase bei den zwei Treffern ihres Innenverteidigers Stefan Bell (28. und 31. Minute). Die Schalker Fans aber, die ihren vermeintlichen Helden schon während des Spiels großteils den Rücken zukehrten aus Protest gegen deren abermals dürftige Leistung, beschimpften die nun sechsmal in Serie sieglosen „Knappen“ als „Scheiß-Millionäre“.

          Die Wut der Fans hat ihren Grund: Es steht vier Spieltage vor Saisonschluss schlecht um Schalke. Die Qualifikation für die Champions League, das eigentliche Ziel des Kaders mit dem stattlichen Personalkostenbudget, ist mittlerweile selbst theoretisch nicht mehr möglich. Und selbst die Teilnahme an der zweitklassigen Europa League ist nun in Gefahr. „Ich verstehe die Fans“, sagte Sportdirektor Horst Heldt, der als erste Maßnahme zur Besserung vorerst trainingsfreie Tage ausschloss.

          Tönnies wirbt ohne Mandat des Aufsichtsrats

          Ob der Sportdirektor die Schalker Anhänger auch in ihrem wohl bevorstehenden Protest der kommenden Tage versteht, ist derweil fraglich. Innerhalb der mehr als 100.000 Mitglieder großen Schalker Gemeinde ist nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Unruhe aufgekommen, nachdem Aufsichtsratschef Clemens Tönnies am vergangenen Dienstag bei einem Treffen mit den Bezirksleitern des Schalker Fan-Club Verbands dem Vernehmen nach auf sehr eindringliche Weise um Unterstützung der Ausgliederungspläne bat. Die von Tönnies nach Rheda-Wiedenbrück eingeladenen Fanvertreter sollen bei den Fanklubs in ihren 23 Bezirken für das Ansinnen werben. Die hauptamtlich beim Verband angestellte Leitung des Fan-Club-Verbandes erklärte in einer Mitteilung vom Sonntagvormittag, dass sie von Tönnies nicht aufgefordert worden sei, für eine mögliche Ausgliederung zu werben. Zudem stehe man „deutlich für einen e.V.“.

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          Für Missstimmung bei den sensiblen Schalker Anhängern sorgt nun, dass Tönnies für sein Vorgehen kein Mandat seines Aufsichtsgremiums hat. Offizielle Vereinspolitik war in den vergangenen Wochen nämlich, dass der fürs operative Geschäft verantwortliche Vorstand erst einmal sorgfältig mögliche Vorteile einer Änderung des Status als eingetragener Verein prüfen und diese Expertise dann dem Aufsichtsrat vorlegen soll. Tönnies selbst bekundete zuletzt gar seine Treue zur Vereinsstruktur, ehe Geschäftsführer Peter Peters bei einer Fan-Regionaltagung in Darmstadt erstmals über Ausgliederungspläne sprach. Einige Fangruppen planen zum kommenden Heimspiel gegen den VfB Stuttgart Protestaktionen. Dem Klub droht also womöglich eine zweite Zerreißprobe abseits des Feldes.

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