https://www.faz.net/-gtm-8h9fh

Schalke und der eSport : FC Digital 04

Die neuen Schalker Hoffnungsträger? Ein eSport-Team in königsblau Bild: Twitter: @S04EsportsDE

Das Milliardengeschäft Fußball-Bundesliga hat das Millionengeschäft eSport für sich entdeckt. Schalke 04 tritt künftig mit einem eigenen eSport-Team an – und verfolgt damit vor allem ein Ziel.

          2 Min.

          Die Fußballspieler des FC Ingolstadt sind deutscher Meister geworden – unter der Leitung eines erst 16 Jahre alten Teenagers. Allerdings nur virtuell. In dem Computerspiel „Fifa 16“ entschied ein junger Mann namens Daniel Butenko das Finale der Virtuellen Bundesliga (VBL) am vergangenen Wochenende für sich; und konnte dabei live aus zahlreichen Wohnzimmern beobachtet werden. Zum ersten Mal hat mit dem Bezahlsender Sky ein deutscher TV-Kanal ein eSport-Event live übertragen.

          Sebastian Reuter
          Redakteur vom Dienst.

          Im Anschluss an den letzten Spieltag der „echten“ Zweiten Bundesliga konnten Fußballfans im ganzen Land von ihrer Couch aus zwei jungen Männern dabei zusehen, wie diese auf einem anderen Sofa sitzend, auf der Spielkonsole zockten. Ergänzt wurde das Spektakel durch alles, was zu einer Bundesliga-Übertragung dazugehört: Vorberichterstattung, Live-Kommentar, Taktik-Analyse und anschließende „Woran hat es gelegen“-Fragen.

          Der neue Schalker Weg

          Seit geraumer Zeit versucht das Milliardengeschäft Fußball-Bundesliga sich an das Millionengeschäft eSport heranzutasten, und hat es nun anscheinend endgültig für sich entdeckt: Während die VBL schon seit der Saison 2012/2013 ein offizieller Wettbewerb der Deutschen Fußball-Liga ist und der VfL Wolfsburg vor gut einem Jahr den ersten „Fifa“-Spieler unter Vertrag genommen hat, schlägt der FC Schalke 04 nun einen weiteren neuen Weg ein:

          Am Donnerstag haben die Gelsenkirchener als erster Bundesligaklub ihre eigene eSport-Mannschaft vorgestellt, welche nicht in der Fußballsimulation „Fifa“ aktiv ist, die in der Welt des eSport eher nur eine untergeordnete Rolle spielt. Künftig werden die fünf Spieler des Teams „Elements“ bei Turnieren des weltweit monatlich von mehr als 60 Millionen Menschen gespielten Fantasy-Spiels „League of Legends“ im königsblauen Dress auftreten – Schalke-Logo und dazugehöriger Sponsor auf der Brust inklusive.

          „eSport hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich an Professionalität gewonnen“, sagt Moritz Beckers-Schwarz, der Geschäftsführer der Schalke 04 Arena Management GmbH. Schalke wolle diesen Prozess beschleunigen und den Spielern ideale Trainingsbedingungen bieten. Deswegen würde der Verein „keine halben Sachen“ machen und das Team vollständig in den Klub integrieren. Dazu haben die Schalker zur offiziellen Präsentation von Spielern, Trainer und Manager in die Katakomben ihrer WM-Arena geladen und zudem einen ehemaligen Fußballprofi verpflichtet, der zugleich auch noch ein Pionier des elektronischen Sports in Deutschland ist. Tim Reichert absolvierte 2007/2008 dreizehn Zweitliga-Spiele für RW Oberhausen und soll bei S04 so etwas wie der Christian Heidel des eSport werden.

          Schon vor 19 Jahren gründete Reichert mit seinen beiden Brüdern ein eigenes eSport-Team, das auch heute noch erfolgreich ist. Zudem ist Reicherts Bruder Ralf mittlerweile Geschäftsführer des größten eSport-Unternehmens in Europa. Schalke wolle mit der Übernahme der digitalen Hochleistungssportler in den Verein „neue Maßstäbe setzen“, sagt Reichert und macht in seiner Sprache zwischen Fußballspielern und eSportlern bereits keinen Unterschied mehr: „Unser Team verspricht uns erfolgshungrige, talentierte Wettkämpfer, die mit Leidenschaft bei jedem Spiel dabei sind.“

          Schnelle Finger statt schwere Beine: Schalke setzt ab sofort auf eSport
          Schnelle Finger statt schwere Beine: Schalke setzt ab sofort auf eSport : Bild: © 2015 Helena Kristiansson

          Gut möglich ist aber auch, dass sich der Bundesligaklub vom immer populärer werdenden und mit Millionenbeträgen hantierenden eSport nicht gerade geringe neue Einnahmen verspricht: Schon im Sommer soll „Elements“ bei den wichtigsten Turnieren in ganz Europa antreten und dort stattliche Preisgelder gewinnen. Dazu wird wohl auch „auf“ Schalke schon bald ein immenses eSport-Turnier nach dem Vorbild einiger Events im Frankfurter WM-Stadion oder der Arena in Köln ausgerichtet, die auch in diesem Sommer wieder bis zu 30000 Zuschauer haben werden.

          In den Sozialen Netzwerken gibt es indes noch eine andere Begründung für den Gelsenkirchener Schritt auf das eSport-Terrain: Auf lange Sicht – so die spottenden Kommentare – hätten die Schalker wohl nur im eSport die Chance, in der Champions League zu spielen.

          Weitere Themen

          Ein Jahr Verlängerung für Mick Schumacher

          Formel 1 : Ein Jahr Verlängerung für Mick Schumacher

          Auch ohne bislang WM-Punkte gesammelt zu haben, empfiehlt sich Mick Schumacher für eine weitere Saison beim US-Rennstall Haas. Er muss aber weiter mit dem Russen Masepin klar kommen.

          Topmeldungen

          2005 bis 2021 : Merkel, Kanzlerin der Krisen

          Die Leistungen eines Kanzlers zeigen sich in den Krisen, die er zu bewältigen hatte. Das hat die scheidende Regierungschefin einmal gesagt. Daran muss sie sich messen lassen. Eine Bilanz.
          Die AfD-Spitzenkandidaten Alice Weidel und Tino Chrupalla im August in Schwerin.

          Machtkampf in der AfD : Geht Weidel, kommt Höcke?

          Um die AfD war es im Wahlkampf ziemlich still. Der Machtkampf in der Partei ist ausgesetzt. Welche Richtung sie nimmt, entscheidet sich kurz nach der Bundestagswahl.
          Eine Projektionsfigur: Saskia Esken

          Der Fall Saskia Esken : Was diese Frau so alles betreibt

          Wenn sie nicht im Fernsehen redet, versteckt sie sich. Wenn sie redet, verstellt sie sich. Saskia Esken dient ihren Gegnern im Wahlkampf als Unperson, die für jede Projektion gut ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.