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Christian Heidel im Interview : „Schalke geht nicht mit Mainzer Schablone“

In Mainz gab es den ersten Pokal zum Abschied: „Schalke ist sicher ein Klub, der Titel gewinnen kann“ Bild: dpa

Christian Heidel hat 24 Jahre für Mainz als Manager gearbeitet. Nun ist er Sportvorstand von Schalke. Im Interview spricht er über die Bedeutung einer klaren Spielphilosophie und sagt, warum aus Schalke 04 nicht Schalke 05 wird.

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          Sie wechseln von Mainz 05 zu Schalke 04. Haben Sie Angst vor der Carmen-Thomas-Falle?

          Nein.

          Die Karriere der ersten Frau am Mikrofon des ZDF-Sportstudios ist Mitte der siebziger Jahre letztlich auch an dem Versprecher Schalke 05 gescheitert...

          Ihr hatte man aber unterstellt, dass sie als Frau den Unterschied nicht kenne zwischen 04 und 05. Ich hoffe, mir würde es jeder als Versprecher nachsehen, weil ich 50 Jahre meines Lebens nur von 05 gesprochen habe.

          Am Samstag haben Sie noch geweint bei ihrer Verabschiedung auf dem Rasen in Mainz. Ist das nun nicht merkwürdig, dass Sie nur noch bis 04 statt 05 zählen dürfen?

          So richtig weiß ich das ja erst in ein paar Tagen oder Wochen, wie diese Umstellung funktioniert. Da schaltet man ja nicht einfach einen Schalter um. Ich muss mich selbst für den neuen Klub emotionalisieren, was mir aber schnell gelingen wird. Ich bin ein Typ, der sich mit Haut und Haar einer neuen Aufgabe verschreiben und sich damit identifizieren kann. Das bedeutet aber nicht, und das erwartet auch kein Mensch von mir, dass ich Mainz 05 aus meinem Herzen verbanne. Mir wird es darum gehen, den Klub Schalke 04 und die Menschen richtig kennenzulernen. Ich werde nicht morgen eine vergleichbare emotionale Bindung zum Klub haben und auch nicht übermorgen. Ich werde auch nicht direkt das Wappen von Schalke 04 küssen. Das wäre nicht ehrlich. Aber ich bin mir sehr sicher, dass ich sehr schnell ganz viel von Schalke aufgesogen haben werde. Ich werde dennoch Mainz immer die Daumen drücken außer in zwei Spielen. Mainz ist meine Heimat.

          Sie sagen, dass Sie sich schnell einer neuen Aufgabe verschreiben können. Das sagt jemand, der seit 24 Jahren die selbe Aufgabe hatte als Manager von Mainz 05…

          Auch wir hatten in Mainz immer wieder neue Aufgaben anzugehen. Ich nenne mal nur das Beispiel den Bau des neuen Stadions. Das war eine neue Welt für mich, das hat mich so fasziniert, dass ich mich da bis in jedes Detail reingesteigert habe in der Vorbereitung.

          Tränen beim Heidel-Abschied: „Mainz ist meine Heimat“

          Gab es jetzt keine neue Aufgabe mehr für Mainz 05, obwohl der Klub sich nach dem 0:0 gegen Hertha BSC dank Platz sechs erstmals direkt für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert hat?

          Mein Weggang hat ganz andere Gründe: Es sind im vergangenen Jahr drei sehr enge Freunde von mir in kurzer Zeit nacheinander gestorben. Die Entscheidung, etwas Neues anzufangen, fiel bei mir auf einer dieser Beerdigungen. Eigentlich sollte man dabei an den Verstorbenen denken. Aber ich habe mehr über mich selber nachgedacht. Ich bin jetzt 52 und habe mir oft die Frage gestellt: Möchtest Du noch mal was anderes machen? Ich hatte sie immer mit „Nein“ beantwortet. Bei jener Trauerfeier im Januar 2015 schwenkte ich mittendrin zu einem „Vielleicht“ um und nach der Trauerfeier war ich soweit zu sagen, dass ich noch mal etwas anderes machen möchte. Das bedeutete jetzt nicht, dass ich nach einem Job gesucht habe. Ich war ja in Mainz glücklich. Ich war nur bereit, wenn mal eine Anfrage kommt, dass ich drüber nachdenke, um mir nicht am Ende, wenn der Deckel bei mir zugeht, vorwerfen zu müssen, das ich was versäumt habe.

          Dann rief Schalke-Aufsichtsratschef Clemens Tönnies Ende April an. Wieso hat das über ein Jahr gedauert, bis Sie nun in Schalke gelandet sind?

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