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Schalke 04 : Spiele der Wahrheit nach dem „Wischiwaschi-Start“

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„Nach fünf Spielen wird eine Liga nicht entschieden”: Schalkes Trainer Mirko Slomka Bild: AP

Der Schalker Start war mittelmäßig. Das ist noch lange kein Grund zu großer Sorge. Doch nun stehen die Partie beim FC Bayern und der wichtige Auftakt in der Champions League an. Danach sehen die Königsblauen klarer, wohin ihr Weg in dieser Saison führen kann.

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          Im Gelsenkirchener Fußballwortschatz dominiert in diesen ersten Wochen der Saison ein Begriff, der wie eine Art Passepartout verwendet wird. Sobald die Verantwortlichen des FC Schalke 04 über die Ambitionen ihres Klubs sprechen, fällt das vermeintliche Zauberwort: „konkurrenzfähig“. Das klingt ambitioniert und ist letztlich doch eine Formulierung aus dem Fundus des Unverbindlichen, nicht zu großspurig, aber auch nicht zu unterwürfig - wenn etwa der Titelfavorit Bayern München als Vergleichsgröße genannt wird. In den ersten vier Runden haben die Schalker sich auf dem Fußballplatz durchaus als konkurrenzfähig erwiesen, ohne allerdings den erhofften Nutzen aus ihrem ansehnlichen Spiel zu ziehen. Gut gespielt, aber nur sechs, also zu wenig Punkte geholt, lautet ihre Quintessenz.

          Cheftrainer Mirko Slomka spricht von einem „Wischiwaschi-Start“ seiner Crew, begegnet der mageren Ausbeute vor dem Auftritt an diesem Samstag in München aber gelassen. „Nach fünf Spielen wird eine Liga nicht entschieden.“ Das muss er sagen, das darf er sagen. Gerade Slomka hat im Frühjahr erfahren müssen, wie es sich anfühlt, wenn scheinbar alles entschieden ist und dann jemand kurz vor Toresschluss kommt, in diesem Fall der VfB Stuttgart, und einem den sicher geglaubten Titel mit einer Siegesserie noch entreißt.

          Schalke will auch in München konkurrenzfähig sein

          Eine Entscheidung im Kampf um die deutsche Meisterschaft kann und wird in München also nicht fallen, selbst wenn Schalke zum ersten Mal in dieser Saison verlieren sollte. Aber ob die Westfalen in der Bundesliga auf höchstem Niveau ein ernstzunehmender Wettbewerber sind, darüber wird der Vergleich konkreteren Aufschluss geben als die Partien zuvor. Wer sich als konkurrenzfähig bezeichne, könne, ja müsse „es in solchen Top-Begegnungen zeigen“, sagt Slomka.

          In München verfolgen die Schalker gewissermaßen auch nationale Interessen. Zum einen würde ein (Teil-)Erfolg der Königsblauen dem Rest der Liga nach dem Unentschieden des FC Bayern in Hamburg weitere Zuversicht geben - und dazu dem Kampf gegen die Langeweile weiteren Auftrieb. Zum anderen könnten die Gelsenkirchener sich das Selbstvertrauen verschaffen, das sie brauchen, um endlich zu der internationalen Größe zu werden, für die sie sich halten. Drei Tage nach dem Auftritt auf der bayerischen Bühne treffen sie in der Champions League daheim auf den FC Valencia, dem sie ohne ihren Cheftrainer entgegentreten müssen. Die Europäische Fußball-Union hat Slomka wegen einer Ordnungswidrigkeit aus der vergangenen Saison für ein Spiel gesperrt (Siehe auch: Trainer Slomka gegen Valencia gesperrt).

          Zwei Spiele, die nur über den Trend entscheiden

          Um sich in der Königsklasse mehr Geltung zu verschaffen, müsste Schalke vermutlich entweder die Spanier oder den noch höher gewetteten Premier-League-Klub Chelsea London hinter sich lassen. Während ein gelungener Auftritt in München ihnen Flügel verleihen könnte, würde eine Niederlage die Erkenntnis ins Bewusstsein rufen, dass es für die „Großen“ doch nicht reicht. Binnen vier Tagen stehen für Schalke zwei Spiele an, die zwar nichts entscheiden, aber einen Trend vorgeben - und der kann zum Freund oder auch zum Feind der Mannschaft werden. Eine Gefahr dieser Konstellation liegt darin, dass Schalke nicht „ökonomisch“ spielen kann, sondern einen gesunden Mittelweg finden muss. Die Chance, sich in München spielend Mut zu machen, birgt das Risiko, gegen Valencia müde zu sein.

          Erschwerend kommt der Rückfall ins alte Koordinatensystem hinzu. In der vergangenen Saison waren die Westdeutschen ausnahmsweise als Favorit nach München gereist; gegen ihre Gewohnheit standen sie vor jenem 27. Spieltag um neun Punkte besser da als die Bayern. Nicht einmal sechs Monate ist das her und doch schon fast eine Ewigkeit. Selbst unter besten Voraussetzungen bestätigte sich nur die branchentypische Angst vor den Bayern. Schalke verlor 0:2, ohne den Hauch einer Chance zu haben. Die Mannschaft ist noch ohne Treffer in der neuen Münchner Arena. Die Schalker Schwächen in vorderster Linie werfen auch früh in der neuen Spielzeit Fragen auf. Sie wiegen um so schwerer, als die Bayern in den ersten vier Partien nur ein Gegentor hinzunehmen brauchten.

          „Die Mannschaft muss auch gewinnen wollen“

          Was also ermutigt den Herausforderer? Der ausgebildete Mathematiklehrer Slomka will offenbar mit seinem Kollegen Hitzfeld konkurrieren, der dasselbe Fach studiert hat. Er verweist auf die Zahl der Schalker Schüsse und Chancen, bis er sich in einem Wust statistischer Daten verliert. Wer lange genug sucht, findet Zahlen, die zuversichtlich machen. Vor der Saison, als es an verwertbarem Datenmaterial noch mangelte, hatte Slomka indes mögliche Schwachstellen der Bayern auszuloten versucht. Hitzfeld müsse aus vielen außergewöhnlich veranlagten Profis ein Team formen; wer könne schon wissen, ob das gelinge und wie lange es dauern werde.

          Die ersten Spiele haben gezeigt, dass der Bayerntrainer schneller vorangekommen ist, als die Konkurrenz gehofft hatte. Dennoch haben die Schalker sich viel vorgenommen. „Ich will möglichst jedes Spiel gewinnen, auch das in München“, sagt Manager Andreas Müller, „aber die Mannschaft muss es auch wollen.“ Wenn sie sich mit Größen wie Bayern oder Valencia auf Augenhöhe messen will, wird sie jedenfalls die Effektivität ihres Bemühens steigern müssen - ob sie will oder nicht.

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