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Schalke 04 : Schlingern bis ins Endspiel

  • -Aktualisiert am

Verunsichert ins „Endspiel“: Jens Keller und seine Schalker müssen in Freiburg punkten für die Champions League Bild: AP

Schalke hat eine Achterbahnfahrt hinter sich - auf und neben dem Platz. Vor dem Qualifikationsspiel für die Königsklasse in Freiburg (15.30 Uhr) wird noch mal schöngeredet.

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          Der FC Schalke 04 steht im „Endspiel“. Das ist aus Gelsenkirchener Sicht eine gute Nachricht, zugleich aber auch eine schlechte. Mit einem Heimsieg über Stuttgart, der allenthalben erwartet wurde, aber nicht gelang, hätte die Mannschaft vermeiden können, in der letzten Bundesligarunde auswärts gegen den unmittelbaren Verfolger Freiburg an diesem Samstag (15.30 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker) zum Spiel um Platz vier anzutreten. „Das hätten wir uns gerne erspart“, sagt Torjäger Klaas-Jan Huntelaar.

          Seine Vorgesetzten versuchen mit aller Macht, dem Finale etwas Positives abzugewinnen - am Ende einer Saison, die verheißungsvoll begann und später von einem steten Auf und Ab geprägt wurde. Mit Blick auf den unsteten Verlauf zeigen sich Trainer und Manager dankbar für die Fügung, wenigstens sicher im Europapokal zu sein und sogar noch das Startrecht für die Qualifikation zur Champions League ergattern zu können. „Wenn mir im Dezember jemand angeboten hätte, am letzten Spieltag um Platz vier zu spielen, hätte ich das so unterschrieben“, sagt Sportdirektor Horst Heldt. Auch Jens Keller versucht den Eindruck zu erwecken, als würde die Chance zu gewinnen das Risiko des Scheiterns übertreffen. „Das Endspiel haben wir uns verdient. Ich bin froh, diese Chance zu haben“, sagt der Trainer.

          Schalke ist wieder einmal in Turbulenzen geraten. Kritisch betrachtet, ließe sich auch sagen: Schalke hat sich wieder einmal selbst in Turbulenzen gebracht. Das Freiburger Finale ist nicht zuletzt das Ergebnis einer Reihe von Ungereimtheiten. Niemand vermag zu erklären, warum die Mannschaft nach einem vielversprechenden Saisonstart - noch unter Trainer Huub Stevens - abstürzte; warum sie, kaum, dass sie sich aufgerappelt hatte, immer wieder in alte Schwächen verfiel. Niederlagen gegen Fürth oder Nürnberg störten das gerade wieder entstandene Selbstwertgefühl, auch das Scheitern gegen Galatasaray Istanbul im Achtelfinale der Champions League war mehr auf eigene Schwäche als auf die Stärke des Gegners zurückzuführen.

          Noch keine Nachhaltigkeit

          Keller hat an einigen Stellschrauben gedreht, das Spiel ein wenig aufgepeppt und, wie zu hören ist, die Profis mit seinem Training, seiner Ansprache besser erreicht als Stevens in der Spätphase seines Wirkens. Aber eins hat auch der neue Trainer nicht bewirken können: Nachhaltigkeit. Manche Spieler zeigen sich forsch, wenn es darum geht, Ansprüche zu stellen, ohne diese Ansprüche mit (konstanter) Leistung zu untermauern. Also sahen die Männer aus der Chefetage sich in der Rückrunde mehrmals gezwungen, laut zu werden. Vor dem Spiel in Bremen hielt Heldt eine öffentliche Wutrede.

          Nackte Tatsache: Schalke und Jermaine Jones müssen um Platz vier bangen
          Nackte Tatsache: Schalke und Jermaine Jones müssen um Platz vier bangen : Bild: AP

          An der Weser gelang ein Sieg, und es folgten zunächst weitere passable Auftritte, doch wieder war der Aufschwung nicht von Dauer. Nach der jüngsten Enttäuschung gegen Stuttgart meldet sich Clemens Tönnies zu Wort. „Die Spieler haben immer mal wieder gezeigt, dass sie sich nicht zu hundert Prozent der Verantwortung bewusst waren, Profi auf Schalke zu sein“, sagt der Vorsitzende des Aufsichtsrates. In Freiburg biete sich „noch eine Chance, da erwarte ich Hingabe, Einsatz und den unbedingten Willen, die Chance zu nutzen“. Im Nachsatz schwingen auch Töne mit, die auf eine Drohung schließen lassen. „Dann werden wir abrechnen.“

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