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Schalke 04 : Rücke vor - auf Risiko

  • -Aktualisiert am

Fünf Neue für Magath: Der Schalker Trainer rüstet nach Bild: REUTERS

Von wegen Zurückhaltung: Der FC Schalke 04 greift an - Felix Magath holt in der Winterpause fünf neue Spieler, um die Substanz seiner Mannschaft zu erhöhen. Als Verkäufer tut sich Schalke indes etwas schwerer.

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          Das Klischee lebt. Natürlich hat Felix Magath die Medizinbälle, die als Sinnbild für sein Verständnis von Fitness stehen, mit ins Trainingslager genommen, das die Fußballprofis des FC Schalke 04 seit einigen Tagen im spanischen Ort Chiclana de la Frontera absolvieren. Kaum dass die Zeit der Besinnung offiziell vorüber ist, kümmert sich der Trainer und Manager des Revierklubs darum, dass möglichst viele Menschen in den Genuss seiner Methoden kommen, die einer jungen Schalker Mannschaft in der ersten Saisonhälfte in der Bundesliga auf den zweiten Platz verholfen haben.

          Kurz nach Öffnung des sogenannten Transferfensters hat Magath fünf Spieler neu unter Vertrag genommen: Alexander Baumjohann von Bayern München, den früheren Bochumer Brasilianer Edu, der zuletzt in Südkorea gekickt hat, Bogdan Müller aus Neckarelz, allesamt Offensivkräfte, dazu den norwegischen Innenverteidiger Tore Reginiussen. Am Montag heuerte, wie erwartet, auch Peer Kluge, defensiver Mittelfeldstratege des 1. FC Nürnberg, beim FC Schalke an. Abgegeben wurden bisher nur der Slowake Lubos Hanzel und Mittelfeldspieler Lewan Kobiaschwili, der zur Berliner Hertha gewechselt ist.

          Woher kommt das frische Geld?

          Schalke greift also an, und zwar auf einem Terrain, auf dem der Verein Zurückhaltung angekündigt hatte. War nicht ein strikter Sparkurs angekündigt, eine Reduzierung der Gehaltskosten, um der finanziellen Misere Herr zu werden? Erst im vergangenen Herbst hatte eine städtische Energiegesellschaft gemeinsam mit einem Kreditinstitut mittels einer Beteiligung am Stadion dem klammen Klub aus den größten Kalamitäten geholfen, die sich aus einem Schuldenstand von 140 Millionen Euro ergeben. Und Magath hatte wiederholt angekündigt, auf dem Transfermarkt „eher als Verkäufer denn als Käufer aufzutreten“. Nun hat er es sich anders überlegt und räumt ein, „ins Risiko“ zu gehen, um die Substanz seiner außergewöhnlich jungen Mannschaft zu erhöhen.

          Euphorie nach der Vorrunde: Schalke überwintert als Tabellen-Zweiter

          Die neuen Spieler sind nicht etwa Leihgaben, sondern Investitionen mit einer Vertragslaufzeit bis 2013. Und woher kommt das frische Geld? Wie so vieles andere in Schalke offenbar aus dem Aufsichtsrat, zumindest teilweise. „Eigentlich wollten wir ja erst Spieler verkaufen, bevor wir neue holen, aber ich habe an Neujahr mit Clemens Tönnies telefoniert, und er hat mir ein wenig Geld für Zugänge zur Verfügung gestellt“, sagt Magath. Wie es heißt, tritt der Aufsichtsratsvorsitzende Tönnies, ein erfolgreicher Unternehmer, als Bürge auf; es wäre nicht das erste Mal.

          Rückkehrer Baumjohann

          Die Namen der Neuen verströmen nicht unbedingt das Flair, das einer Meistermannschaft zu eigen ist, so präsent das Verlangen nach dem ersten Titel seit 1958 auch sein mag. Sie wecken „auf“ Schalke aber die Hoffnung, Magath werde wieder einmal aus Spielern das Bestmögliche herausholen, die anderswo gestrandet, gescheitert oder schlicht verkannt worden sind. Vor allem Baumjohann verkörpert diese Option. „Er ist eine sehr gute Verpflichtung für uns“, sagt Magath. Der Mittelfeldspieler habe mit 22 Jahren schon „eine sehr gute Entwicklung hinter sich“, sei erfahrener als etwa Lewan Kenia und Lewis Holtby und könne „noch viel besser werden“. Baumjohann war schon als Jugendspieler in Gelsenkirchen hoch gehandelt und vom damaligen Cheftrainer Jupp Heynckes als eines der größten Talente im deutschen Fußball eingeschätzt worden. Doch der Genius vermochte sich in Schalke nicht durchzusetzen und schaffte auch bei seiner nächsten Station Mönchengladbach nicht sofort den Durchbruch. Ein starkes halbes Jahr aber genügte ihm, um die Bayern, beraten von Heynckes, auf sich aufmerksam zu machen.

          Doch in München ereilte Baumjohann das Schicksal, das viele Talente vor ihm dort erlitten haben; er vermochte sich nicht durchzusetzen. Trainer Louis van Gaal gewährte ihm nur wenige Einsätze in der Bundesliga. Der Trennungsschmerz hält sich bei den Münchnern in Grenzen. Die nicht näher benannte Ablöse mag für Schalke (oder Tönnies) viel Geld sein, soll aber, gemessen an den Dimensionen der Bayern, eher niedrig ausfallen. Zudem fällt auf, dass der Rekordmeister das Regietalent einem Mitbewerber überlässt, der in der Tabelle (noch) über den Münchnern steht. Die Bayern standen lange in dem Ruf, Spieler manchmal auch deshalb zu verpflichten, damit andere Vereine sie nicht bekommen (oder behalten) können.

          Rafinhas Nachfolger ist schon da

          Als Verkäufer tut sich Schalke indes schwer. Die jüngsten Transfers lassen sich auch als Signal an frühere Stammkräfte wie Gerald Asamoah, Halil Altintop oder Ivan Rakitic deuten. Aber wer ist sportlich in Not und zugleich wirtschaftlich stark genug, diese Besserverdienenden zu verpflichten? Ze Roberto wiederum ist zum Trainingsauftakt und auch danach gar nicht erst erschienen. Nicht dass ihn jemand ob seiner Spielkunst vermissen würde. Die Schalker haben ihn vor allem deshalb zurückbeordert, weil sie ihre Rechtsposition wahren wollen, nachdem das Ausleihgeschäft mit einem Klub aus Rio de Janeiro ausgelaufen ist. Magath kündigte rechtliche Schritte an.

          Dagegen ist Rafinhas verspätetes Eintreffen, nach kurzem Heimaturlaub, eine lässliche Sünde, jedenfalls vor dem Hintergrund eines möglichen, ja angestrebten Verkaufs. Rafinha, einer der besten Rechtsverteidiger der Liga, gilt als Kandidat für einen Wechsel, allerdings nur falls die Ablösesumme den (hohen) Ansprüchen Magaths entspricht. In Moritz Volz, einem Eigengewächs, das schon mit 16 Jahren nach England gewechselt ist, steht schon ein möglicher Nachfolger für Rafinha auf dem Plan - und in Spanien auf dem Trainingsplatz. Schalke baut in diesen Tagen mehr vor als ab. Aber im Mannschaftshotel sollen noch Zimmer frei sein.

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