https://www.faz.net/-gtm-9ghu8

Krise bei Schalke 04 : „Es klingt wieder brutal“

  • -Aktualisiert am

Die Schalker treten den Gang zu den frustrierten Fans nach dem 0:3 in Frankfurt an. Bild: Picture-Alliance

Die Schalker Gegenwart ist so grau wie die Trikots beim 0:3 in Frankfurt. Die Fans murren. Beim Duell mit der furiosen Eintracht haben die Königsblauen auch noch doppelten Grund zu klagen.

          Adi Hütter, der Frankfurter Fußballtrainer, musste am Sonntagabend Fragen mit einem Schmunzeln beantworten. In der Pressekonferenz wurde er nach dem 3:0-Sieg seiner Eintracht über Schalke 04 gefragt, ob er die Gesänge der Fans über den „Deutschen Meister SGE“ und die „Beste Mannschaft in Europa“ gehört habe? Die Fans seien laut gewesen, ja. Aber was genau sie gesungen hätten, nein, das habe er nicht verstanden. Womöglich wollte der Österreicher es auch nicht. Fakt ist: Eintracht Frankfurt ist derzeit Bundesliga-Vierter. Der Pokalsieger steht einen Platz vor Meister FC Bayern.

          Bundesliga
          ANZEIGE
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Während Hütter seine Ausführungen zu einem weiteren gelungenen Frankfurter Fußballabend machte, saß sein Kollege Domenico Tedesco drei Meter zu seiner Rechten und blickte auf den Zettel, der vor ihm lag. Was er dort lesen musste, gefiel dem Trainer überhaupt nicht. Schalke steht auf Rang vierzehn der Tabelle, nur einen Punkt vor dem Relegationsplatz. Und keine Mannschaft der Liga hat weniger Tore geschossen. Nur der Tabellenletzte Stuttgart hat ebenso erst acht Treffer erzielt. Die königsblaue Gegenwart strahlt nicht, ganz im Gegenteil. Sie ist so grau wie die Trikots in Frankfurt.

          Dort hatten die Schalker über 60 Minuten mit körperlicher Klasse dagegengehalten. Doch dann entschieden 60 Sekunden die Partie. Erst lief der Schalker Breel Embolo alleine auf das Tor der Eintracht zu. Nach einem Haken nach innen wurde er von Abwehrmann David Abraham getroffen, sank auf die Knie, rappelte sich aber wieder auf und scheiterte mit seinem kraftlosen Schuss an Torwart Kevin Trapp. Aber hätte es nicht Elfmeter geben müssen? Schiedsrichter Benjamin Cortus sprach mit dem Videoassistenten Deniz Aytekin und entschied sich gegen einen Strafstoß. „Er muss sich fallen lassen, da bin ich ehrlich“, sagte Trainer Tedesco. „Aber Breel ist halt sehr, sehr fair.“

          Noch folgenreicher wurde die Szene wenig später. Frankfurts Luka Jovic, der im letzten Heimspiel gegen Düsseldorf gleich fünf Tore erzielt hatte, wuchtete den Ball ins Schalker Tor (61. Minute) zum 1:0 für die Eintracht. „Das tut schon weh, das ist fatal“, sagte Tedesco angesichts der dichten Folge der Ereignisse. „Wenn du hier zurückliegst, ist es sehr schwer.“ Abermals Jovic (73.), der mit neun Treffern nun Erster der Torjägerliste ist, mit einer Direktabnahme und Sebastien Haller (80.) nach einer Ecke erhöhten zum klaren Endstand. „Es klingt wieder brutal“, sagte Stürmer Guido Burgstaller. „Zum Schluss brechen wir auseinander, das darf uns nicht passieren.“ Das sah auch Alessandro Schöpf so: „Es tut sehr weh, hier 3:0 zu verlieren nach dem kleinen Lauf, den wir zuletzt hatten.“


          Nun haben die Schalker das Schlamassel – zumindest in der Bundesliga. In der Champions League ist die Aussicht auf den Einzug ins Achtelfinale gut. Auch im DFB-Pokal stehen die Königsblauen in der Runde der letzten sechzehn Mannschaften. Doch in der Liga ist der Weg zu den angestrebten Plätzen, die zur Teilnahme am Europapokal berechtigen, nun schon enorm weit. Die Münchner auf Rang fünf haben schon nach elf Spieltagen doppelt so viele Punkte gesammelt. Tedesco kennt die Zahlen. „Wir sind uns der Lage bewusst“, sagte der 33-Jährige. „Das Problem sind die fünf Niederlagen zum Start. Diese Hypothek schleppen wir mit uns herum und werden das noch sehr lange tun.“

          In der Tat belasten null von fünfzehn möglichen Punkten zum Auftakt die Bilanz. „Du brauchst eine Serie von zwei, drei Siegen. Die ist möglich“, sagte Tedesco. „Aber nicht hier, nicht heute.“ Schalkes Ergebnisse lesen sich nach dem schrecklichen Start tatsächlich gar nicht schlecht. In zehn Spielen gab es nur zwei Niederlagen. Doch nicht alle Erfolge gab es in der Bundesliga, sondern in den anderen Wettbewerben. So muss der Trainer eingestehen: „In der Summe ist es zu wenig.“ Das empfinden auch die Fans so. Erstmals in dieser Saison gab es nach der Partie beim Gang zum Auswärtsblock keinen Applaus, sondern Frust. Tedesco zeigte Verständnis: „Ich finde es ok, wenn die Fans auch mal kritisch sind.“

          Nach der zweiwöchigen Pause geht es weiter mit dem Heimspiel gegen den punktgleichen 1. FC Nürnberg. Steckt Schalke im Abstiegskampf? Soweit wollte Stürmer Burgstaller noch nicht gehen, er sagte aber auch. „Von vorne brauchen wir nicht sprechen, wir müssen unsere Hausaufgaben bis zum Winter machen.“ Das bedeutet: Punkten, um den Anschluss ans Tabellenmittelfeld herzustellen. Nicht mithelfen kann dabei bis auf Weiteres Mark Uth. Nach einem Sprint fasste er sich ans Bein und sank zu Boden. Er konnte den Platz nur gestützt von einem Betreuer und Mitspieler Nabil Bentaleb verlassen. Der Klub teilte mit, dass es sich um eine „schwere strukturelle Muskelverletzung“ handele. Der Nationalspieler musste für die Länderspiele gegen Russland und die Niederlande absagen und fehlt auch Schalke wohl lange. Eine genaue Untersuchung soll es noch zu Beginn dieser Woche geben.

          Weitere Themen

          Wie ein Achtelfinale

          Eintracht Frankfurt : Wie ein Achtelfinale

          Eintracht-Torhüter Kevin Trapp erwartet ein „großes“ Play-off-Hinspiel bei Racing Straßburg und misst ihm besondere Bedeutung bei. Rund um das Stadion gelten für die rund 1200 Anhänger besondere Auflagen.

          Topmeldungen

          Johnson in Paris : In Berlin war mehr Esprit

          Beim Besuch von Boris Johnson betont Präsident Macron die Einigkeit Europas – und bekennt sich zu seinem Ruf, in der Brexit-Frage ein Hardliner zu sein. Zugeständnisse will er gegenüber dem Gast aus London nicht machen – erst recht nicht beim Backstop.

          FAZ.NET-Serie Schneller schlau : Kind oder Porsche

          Die Frauen in Deutschland bekommen ihr erstes Kind deutlich später, im Durchschnitt sind sie mittlerweile älter als dreißig Jahre. Wie aber hängt die Kinderzahl mit dem Bildungsgrad zusammen? Und was kostet ein Kind eigentlich, bis es erwachsen ist?
          Nach der Uni wartet oft die Ungewissheit.

          Studium und Beruf : Zurück ins Elternhaus

          Der Übergang zwischen Studium und Beruf verläuft nicht immer reibungslos. Wenn erwachsene Kinder arbeitslos werden, sind oft die Eltern gefragt. Aber wollen und können die helfen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.