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Kevin Kuranyi : Vom vorlauten Denker zum braven Angestellten

  • -Aktualisiert am

Dicke Luft auf Schalke? Kevin Kuranyi Bild: dpa

Die Bundesliga-Vorbereitung läuft auf Hochtouren. Schalke-Trainer Slomka ist sich sicher: „Wir haben eine konkurrenzfähige Mannschaft.“ Diese Ansicht teilt inzwischen auch Kevin Kuranyi - zumindest öffentlich.

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          Mit dem auskunftsfreudigen Kevin Kuranyi muss man reden. Und den aufbegehrenden Schalker Stürmer zurechtweisen, wie es Manager Andreas Müller getan hat. Schon gibt der wiedererstarkte Fußball-Nationalspieler auf Vereinsebene wieder den braven Angestellten. Er habe sehr viel Vertrauen in das Management, hob Kuranyi nun demonstrativ hervor und fügte hinzu: „Andreas Müller macht eine gute Arbeit.“

          Vor einigen Tagen aber hörte er sich noch anders an. Gut erholt und frisch vermählt aus dem Urlaub zurückgekommen, ging Kuranyi beim Blick auf die in diesem Jahr zurückhaltende Personalpolitik des Meisterschaftszweiten verbal in die Offensive. So könne das mit den hohen Schalker Zielen in der neuen Saison kaum etwas werden, lautete die pessimistische Prognose des 25 Jahre alten Angreifers, der gerne einen Titel holen möchte. Ivan Rakitic (vorher beim FC Basel), Heiko Westermann (Arminia Bielefeld), Jermaine Jones (Eintracht Frankfurt) sowie Torhüter Mathias Schober (Hansa Rostock): Unter den Neuverpflichtungen vermisste der erfolgshungrige Kuranyi die großen, erfolgversprechenden Namen. Bis zum Wochenende. „Alles hat sich geklärt“, erklärte er einsilbig auf Nachfrage. Den von ihm geforderten Star haben die Schalker jedoch bis heute nicht gefunden.

          Wunschdenken oder Realität?

          Über die Aufgabenverteilung „auf Schalke“ ist Kuranyi spätestens jetzt im Bilde. Spielereinkäufe seien sein Zuständigkeitsgebiet, sagte Müller, das habe er dem Stürmer in einem Gespräch „deutlich mitgeteilt“. Kein Blatt vor den Mund nahm auch Mirko Slomka. Den forschen Angreifer strafte der Trainer öffentlich mit einer bissigen Bemerkung ab. Kevin solle sich auf sich konzentrieren, forderte er den Nationalspieler auf, „da ist noch Luft nach oben, was seine Leistung angeht. Er kann selbst noch besser spielen.“

          Kuranyi hatte ob dieses Kaders ursprünglich Bedenken

          Das klang ein bisschen nach dicker Luft, doch den Betriebsfrieden sieht Müller einen Monat vor dem Saisonstart beim Meister VfB Stuttgart nicht gefährdet. „Wir haben eine gute Mannschaft, gute junge Leute, und wir werden einen sehr, sehr guten Teamgeist haben.“ Wunschdenken des Managers oder Realität? Handlungsbedarf hat jedenfalls auch die Klubführung erkannt, insofern scheint Kuranyi mit seinen Worten nicht falsch gelegen zu haben. Zwar kommt Leon Andreasen, der Wunschspieler für das defensive Mittelfeld, nicht. „Es geht nicht.“ So lautete der ablehnende Bescheid des Bremer Managers Klaus Allofs an seinen Schalker Kollegen. „Wir haben aber noch etwas anderes in der Pipeline“, sagte Müller, passend zum Hauptsponsor der Königsblauen. Den potentiellen Neuzugang bezeichnete er – ohne einen Namen zu nennen – als „Klassemann“.

          „Ich lasse mich überraschen, was kommt“

          Der wäre in der Mannschaft herzlich willkommen. Gute Spieler, findet Gerald Asamoah, könne man immer gebrauchen. „Ich lasse mich überraschen, was kommt.“ Anders als Kuranyi bevorzugt der Nationalspieler nach dem kleinen Hauskrach die Rolle des Diplomaten. „Jeder hat seine Meinung“, sagte der Offensivspieler nur über die Äußerungen seines Nationalmannschaftskollegen. Indes ist Slomka bemüht, für Ruhe und Ordnung während der Vorbereitung zu sorgen. Auf die Frage, wie die Schalker Anhänger den jüngsten mühsamen 3:1-Sieg gegen den Oberligaklub Aschaffenburg einzuordnen hätten, antwortete er: „Sie sollten sich nicht davon abschrecken lassen, weil wir hier nicht 8:1 gewonnen haben. Wir haben eine konkurrenzfähige Mannschaft.“ Und man habe keinen Druck, fügte Ordnungshüter Slomka vorsichtshalber hinzu.

          Die Schalker befinden sich derzeit im Trainingslager in Bad Radkersburg. Eine Woche hat der Trainer seine Mannschaft fern der Heimat in Österreich zusammengezogen. Slomka stellte in Aussicht, viele Gespräche mit den Spielern führen zu wollen. Die Unterredung mit Kuranyi wird bestimmt interessant.

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