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Kampf an allen Fronten : Der ganz normale Schalker Irrsinn

  • -Aktualisiert am

Ablenkung vom Alltag: Klaas-Jan Huntelaar übernimmt eine Patenschaft im Zoo Bild: AP

Ein Sportvorstand, der am Saisonende gehen muss; ein Trainer, der am Saisonende offenbar gehen muss – und das alles soll möglichst mit der Teilnahme an der Champions League enden.

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           André Breitenreiter betritt den Raum im blau-weißen Outfit eines Fußballspielers, der zum Training geht. Er steigt leichtfüßig und mit entspannter Miene auf das Podium. Der Trainer des FC Schalke 04 versucht, locker zu wirken. Auf der Zielgeraden kämpft er an mehreren Fronten. In erster Linie geht es für Breitenreiter in den letzten vier Bundesligawochen darum, einen internationalen Wettbewerb zu erreichen. Schalke wendet im Jahr mehr als achtzig Millionen Euro für das kickende Personal auf. Diese Summe drückt deutlicher aus als jedes Gerede, was dieser Verein anstrebt, was er anstreben muss: die Teilnahme an der Champions League. Schalke 04 stehe über allem, auch über den Interessen handelnder Personen, sagt Breitenreiter. Wenn es stimmt, was kolportiert wird, hat Clemens Tönnies, der Vorsitzende des Aufsichtsrates, den Trainer kürzlich auf diese Rangfolge hingewiesen. Breitenreiter gehorcht offenbar und wiederholt, wann immer sich die Gelegenheit bietet, es gehe nicht um ihn, sondern um den Verein.

          Zum Verzweifeln: Schalkes Anspruch, Schalkes Baustellen

          Neben dem sportlichen Anspruch, zwischen Platz vier und sieben durchs Ziel zu gehen, umtreibt ihn ausgangs seines ersten, vielleicht auch letzten Jahres „auf“ Schalke das Ziel, seine Souveränität zu wahren oder wiederzuerlangen. Das ist nicht einfach in diesen Tagen. Breitenreiter sieht sich Fragen ausgesetzt, die mal subtil, mal weniger subtil unterstellen, dass seine Zeit in Gelsenkirchen Mitte Mai abgelaufen sei. Ein privater Fernsehsender und eine große Regionalzeitung, die über diesen Klub in der Regel gut informiert ist, glauben zu wissen, dass wieder ein Trainerwechsel bevorsteht. Breitenreiter hält, so gut er kann, dagegen. „Natürlich wurmt mich das“, sagt er. „Aber ich bin nicht genervt, überhaupt nicht.“

          Im Klub hat Breitenreiter keinen großen Rückhalt mehr. Das Verhältnis zu Sportvorstand Horst Heldt, der selbst zum Saisonende gehen muss, ist schon lange erkaltet. Der Manager sitzt neben Breitenreiter und verzieht keine Miene, während der Trainer mit Worten um seine Position kämpft. Als die mangelnde Rückendeckung aus dem Verein zur Sprache kommt, bezieht Heldt Stellung im Stile einer „Lame duck“. Breitenreiters Vertrag laufe bis Juni 2017. Und solange er, Heldt, die Verantwortung trage, also bis Ende dieser Saison, „ist André unser Trainer und bleibt es auch“. Was danach geschehe, liege nicht mehr in seiner Verantwortung.

          Aus Mangel an Fürsprechern in seinem beruflichen Umfeld beantwortet Breitenreiter selbst die entscheidende Frage, die zumindest als offen gilt. „Ich bin Schalke-Trainer, und das werde ich auch in der nächsten Saison sein“, sagt er. Es gebe keinen Grund, daran zu zweifeln. In diesem Zusammenhang führt Breitenreiter Solidaritätsbekundungen an, ohne deren Absender zu benennen. Aus ganz Deutschland habe er in den vergangenen Tagen Zuspruch erhalten und sei in der Absicht bestärkt worden, „den Weg weiterzugehen“.

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          Dieser Weg besteht in Breitenreiters Augen aus mehreren Etappen: „Wir wollten uns anders präsentieren, die Fans zurückgewinnen und uns im oberen Tabellendrittel aufhalten. Da sind wir durchaus im Soll“, sagt er. Man mag es mildernde Umstände nennen oder Ausreden, Breitenreiter beruft sich noch immer darauf, dass der Verkauf von Spielern wie Julian Draxler und Jefferson Farfán eine Schwächung bedeute; dass die junge Mannschaft noch in der Entwicklung stecke und deshalb in ihren Leistungen schwankend sei; dass Mitbewerber wie Leverkusen oder Wolfsburg mehr investieren könnten. Er räumt sogar ein, dass der Auftritt der Mannschaft, bei allem Fortschrittsglauben, „phasenweise holprig“ und Siege wie gegen Gladbach mehr dem Glück als dem eigenen Können geschuldet waren.

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