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Schalke 04 : Eurofighter, übernehmen Sie!

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Verwegene Männer mit grimmigen Mienen: Youri Mulder (l.) und Mike Büskens Bild: ddp

Mike Büskens und Youri Mulder spielen auf Schalke den Platzhalter, vermutlich für Fred Rutten. Die Nachfolger von Mirko Slomka sollen die Champions League erreichen - und wollen ein Klischee ablegen.

          Als Mike Büskens und Youri Mulder gewissermaßen über Nacht als Trainerduo beim FC Schalke 04 anheuerten, hatte das ein bisschen was von einer Familienzusammenführung. Zwei Publikumslieblinge kehren in leitender Funktion zurück - zwei Männer, die an der Basis äußerst beliebt sind und mit dem aktuellen Manager Andreas Müller erfolgreich zusammengespielt haben. Durch die gemeinsame Geschichte mit dem Klub und miteinander verbunden, sollen sie die Zukunft in Angriff nehmen. Der am Sonntag verkündete Trainerwechsel sei eine Entscheidung „gegen Mirko Slomka und für die Zukunft von Schalke 04 gewesen“, sagte Müller.

          Büskens und Mulder, die an diesem Dienstag gegen Energie Cottbus ihr Debüt geben, sollen die Mannschaft in die Champions League führen und am Ende der Saison Platz machen für einen anderen Fußball-Lehrer. „Im Sommer wird in jedem Fall ein neuer Trainer kommen“, kündigte Müller an. Dessen Anforderungsprofil bleibe ein Geheimnis, gedanklich sei die Findungskommission, in der Müller den Ton angibt, schon sehr weit, „jetzt müssen Gespräche folgen“. Der Klub sei an einer „zeitnahen Entscheidung“ interessiert.

          Platzhalter für Fred Rutten

          Der erste und vielleicht einzige Ansprechpartner dürfte Fred Rutten sein. Der 45 Jahre Fußball-Lehrer arbeitet derzeit beim FC Twente Enschede, dem aktuellen Tabellenvierten der niederländischen Ehrendivision. Ihn als Favoriten einzustufen erfordert nicht allzu viel Phantasie. Zum einen herrscht in Schalke seit dem Weggang von Huub Stevens latent die Sehnsucht nach einem Niederländer, der über genug Respekt und Renommee verfügt, um sich an diesem reizvollen, aber auch schwierigen Standort durchzusetzen. Rutten steht in dem Ruf, ein konsequent arbeitender Mann zu sein, der Wert auf Disziplin legt.

          Die Schalker Doppelspitze: „Wir sind beide Teamplayer”

          Mulder brachte seinen alten und möglicherweise auch neuen Chef schon in Position. Bis zu seinem überraschenden Wechsel nach Schalke hatte der frühere Stürmer in Twente dem Trainerteam Ruttens angehört. „Ich habe jahrelang mit ihm zusammengearbeitet, er ist einer der besten Trainer, die ich kennengelernt habe“, sagte Mulder. Natürlich gebe es noch andere gute Trainer. „Aber wenn Fred Rutten es wird, ist es eine gute Wahl. Wenn es schiefgeht, nehme ich das auf meine Kappe.“ Es spricht einiges dafür, dass Büskens und Mulder Anschlussverträge bekommen und im Team des neuen Trainers eine Rolle spielen werden. „Ich kann mir vorstellen, dass Youri und Mike eine Zukunft auf Schalke haben“, sagte Müller.

          „Wir sind beide Teamplayer“

          Und wer hat auf der Bank das Sagen, bis Rutten oder ein anderer Trainer kommt? Die Kompetenzen in der neuen Doppelspitze sind verteilt. „Wir sind beide Teamplayer, aber wenn es darum geht, die letzte Entscheidung zu treffen und dafür den Kopf hinzuhalten, werde ich das machen“, sagte Büskens, der bis Sonntag für die zweite Mannschaft des FC Schalke verantwortlich gezeichnet hatte. Mulder sieht sich in der Rolle des einflussreichen und beredsamen Co-Trainers. Diesen Status hat Oliver Reck verloren; er ist ab sofort nur noch Torwarttrainer. Auf die Frage, wie die Kompetenzen abgegrenzt seien, antwortete Mulder belustigt: „Ich bin der eloquente Außenminister.“

          Nach Höherem zu streben hält er schon aus formalen Gründen für unpassend. „Ich habe doch gar nicht die nötigen Papiere dafür.“ Statt dessen wirkte Mulder bei der Vorstellung, auf dem Podium neben Büskens und den drei Vorstandsmitgliedern sitzend, wie der Inhaber einer Lizenz zum Verbreiten guter Laune. Spaß und Ruhe sind auch in den Augen seines Chefs Büskens wichtige Faktoren bei dem Vorhaben, die Mannschaft nach dem 1:5 in Bremen wieder aufzurichten und auf Champions-League-Kurs zu trimmen.

          Bei Marc Wilmots hörte der Spaß schnell auf

          Aber gerade der Blick in die Geschichte lehrt: Ein lockerer Umgangston und ein auf Spaß ausgerichtetes Trainingsprogramm in Verbindung mit einem Schuss Nostalgie und hohen Sympathiewerten reichen als Krisenmanagement nicht aus. Diese Erfahrung machte Schalke vor fünf Jahren mit Marc Wilmots, der die „Blauen“ als Nothelfer in den Uefa-Cup führen sollte, aber vor lauter Spaß vergaß, den Spielern den Ernst der Lage zu vermitteln und am Ende Siebter wurde. Die Voraussetzungen für Büskens und Mulder sind allerdings günstiger. Sie übernehmen die Mannschaft als Tabellendritter, der nur um zwei Punkte schlechter dasteht als der Zweite des Klassements, Werder Bremen.

          Die prominenten Platzhalter haben allerdings nicht die Absicht, ihren Auftrag als Reminiszenz an schöne alte Zeiten zu interpretieren. Im Gegenteil: Mulder geht es sogar auf die Nerven, wenn er den Eindruck bekommt, man wolle ihm eine Rolle im Rührstück „Die Rückkehr der Eurofighter“ zuweisen. Eine Schalker Identifikationsfigur zu sein mag ihm und seinem Kompagnon den Einstieg erleichtern und einen Vertrauensvorschuss bedeuten. Aber „Eurofighter“ als Bestandteil der Qualifikation, als Gütesiegel? „Ich kann das nicht mehr hören“, sagt Mulder. Im Uefa-Pokalfinale 1997 habe er doch gar nicht gespielt. Bleibt nur noch eine der Kernfragen der Trainerarbeit: Dürfen die Spieler ihre neuen Vorgesetzten duzen wie ihren früheren Chef Slomka oder werden sie mit dem „Sie“ auf Distanz gehalten? Büskens wich der Frage aus, Mulder beantwortete sie auf seine typische Art: „Ich möchte gerne Herr Trainer Mulder genannt werden.“

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