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Bürgschaft vom Land NRW : Schalke und die Intransparenz

  • -Aktualisiert am

Der FC Schalke 04 bekommt eine Bürgschaft vom Land NRW. Bild: dpa

Schalke 04 erhält Hilfe vom Steuerzahler – um seine Angestellten mit den Millionengehältern und den dicken Edelkarossen zu bezahlen? Kritiker werden das einen Skandal nennen. Doch die Angelegenheit ist komplexer.

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          Die Bundesliga hat es erreicht, durch ihre recht gelungene Vollendung der unterbrochenen Saison zu einem Vorreiter der Befreiung aus dem Lockdown zu werden. Aber der Ruf der Branche bleibt ramponiert. Wenn Funktionäre behaupten, sie hätten die Lektion verstanden, und ankündigen, dass der überdrehte Geldbetrieb in Zukunft nachhaltiger und bodenständiger werden wird, bleiben große Zweifel.

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          Nun bekommt der FC Schalke eine Landesbürgschaft von 31,5 Millionen Euro, mit der ein Kredit von angeblich 35 Millionen Euro abgesichert werden soll. Kritiker werden das einen Skandal nennen. Das Gelsenkirchener Bundesligaunternehmen, das wenig nachhaltig gewirtschaftet hat, erhält Unterstützung vom Steuerzahler, um seine Angestellten mit den Millionengehältern und den dicken Edelkarossen zu bezahlen?

          Die Angelegenheit ist komplexer. Seit vielen Jahren bürgen Bundesländer immer wieder für ihre großen Klubs. In Nordrhein-Westfalen haben Vereine vom MSV Duisburg über Alemannia Aachen, Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund bis hin zu Schalke 04 immer wieder diese Form der Unterstützung erhalten, die zuallererst als Instrument dient, billigere Kredite zu bekommen. Die Banken verlangen weniger Zinsen, wenn die öffentliche Hand die Risiken trägt.

          In aller Regel zahlen die Klubs ihre Schulden zurück, ohne dass ein Cent Steuergeld floss. „Das ist nicht ehrenrührig, wohl wissend, dass die Volksseele anders empfindet“, hatte Hans-Joachim Watzke, der Geschäftsführer des BVB, zu den Schalker Bürgschaftsplänen gesagt. Zumal hier besondere Motive für die Landesregierung um Armin Laschet (CDU) eine Rolle spielen.

          Schalke 04 ist einer der größten Arbeitgeber der ärmsten Stadt Deutschlands, Entlassungen wären teuer für die gebeutelte Kommune. Zudem bürgt das Land nach F.A.Z.-Informationen für weitere Teile der knapp 200 Millionen Euro Schulden, die auf dem Klub lasten, und nicht zuletzt besitzen die Stadtwerke Anteile am Stadion. Horrende Verluste für die öffentliche Hand drohen, wenn Schalke sich nicht aus der Krise befreit.

          Diese Verflechtungen sind tatsächlich ärgerlich. Im Sinne eines funktionierenden Wettbewerbs wäre es gut, keinem Klub mehr in dieser Form zu helfen. „S04 hat diese Bürgschaft in der Erwartung beantragt, bei der Entscheidung nicht anders als Wirtschaftsunternehmen aus anderen Bereichen behandelt zu werden“, schreiben die Schalker zwar, doch der professionelle Fußball ist nicht vergleichbar mit Maschinenbau oder Baugewerbe, weil Manager unter dem Druck stehen, unkontrollierbare Risiken einzugehen. So wie Schalke 04 in den vergangenen Jahren.

          Der taumelnde Revierklub bittet auch noch „um Verständnis dafür, dass sich der Verein zu weiteren Details“ der Bürgschaft „nicht äußern wird“. Damit beschädigen die Vorstände Jochen Schneider und Alexander Jobst ihre Glaubwürdigkeit, nachdem sie Anfang Juli offensiv „Transparenz“ angekündigt hatten. Sie könnten genau erklären, warum sie das Geld brauchen, wie sie den Verein mit Hilfe der Unterstützung zu einem neuen, gesunden FC Schalke ohne den Patriarchen Clemens Tönnies umbauen wollen. Diese Chance verpassen sie gerade.

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