https://www.faz.net/-gtm-t44z

Schalke 04 : Eine Armada guter Stürmer und totale Dominanz

  • -Aktualisiert am

Kuranyi und Altintop (l) wollen die Gegner klein aussehen lassen Bild: AP

Schalke will wieder einmal vieles besser machen als im Jahr zuvor. Das Motto für die neue Saison lautet „totale Dominanz". Mit diesem (An-)Spruch ließ Trainer Slomka sogar die Trainingsbekleidung bedrucken.

          3 Min.

          Schalke will wieder einmal vieles besser machen als im Jahr zuvor. Das Motto für die neue Saison lautet „totale Dominanz“. Mit diesem (An-)Spruch ließ Cheftrainer Mirko Slomka sogar die Trainingsbekleidung der Profis bedrucken. Die annoncierte Stärke soll aus einer neuen Angriffslust gespeist werden. Nicht nur verbal mit Vorgaben wie: Wir wollen deutscher Meister werden, aber auch. Diese Forderung müsse alltagstauglich werden. Der 38 Jahre alte Fußball-Lehrer beruft sich auf seinen Vorgesetzten.

          Manager Andreas Müller habe schon vor einigen Wochen richtig formuliert, alle Spieler, die bei Schalke spielen, hätten das Ziel, Meister zu werden. „Dann muß man das auch mal aussprechen dürfen“, sagt Slomka. Er hat auch das Spielsystem auf dem Rasen nach dem neuen Selbstverständnis ausgerichtet. Im 4-3-3 kickt Schalke klassisch mit drei Sturmspitzen. Obwohl in vorderster Reihe also eine Planstelle dazugekommen ist, herrscht dort Gedrängel.

          Kuranyi wird von Anfang an spielen

          Der Revierklub geht mit fünf ambitionierten Stürmern in die Saison; zwei von ihnen sind frisch verpflichtet: Halil Altintop, der vom Absteiger Kaiserslautern kam, und der dänische Nationalspieler Peter Lövenkrands, der vormals bei den Glasgow Rangers beschäftigt und von der Europäischen Fußball-Union zum zweitbesten Spieler der zurückliegenden Champions-League-Saison gekürt wurde. Wer kickt von Anfang an, und wer muß das Spiel als sitzende Tätigkeit aufnehmen? Diese Frage spitzt sich zu.

          Erfolgsanspruch: Wir wollen Meister werden
          Erfolgsanspruch: Wir wollen Meister werden : Bild: REUTERS

          Die bekannten, zuletzt aber nicht bewährten Kräfte wollen ihre Plätze und ihre Pfründe verteidigen - oder zurückerkämpfen. So etwa Kevin Kuranyi. Wegen schwacher Leistungen war er des öfteren in die Kritik geraten und von den Schalker Fans sogar ausgepfiffen worden. Der Bundestrainer schließlich sortierte ihn kurz vor der Weltmeisterschaft aus. Vor der Ligapremiere an diesem Samstag gegen Eintracht Frankfurt scheint Kuranyi sich jedoch wieder wohl zu fühlen. Da Sören Larsen, sein Mitbewerber um den Platz im Zentrum, angeschlagen ist, kann Kuranyi seine in der Vorbereitung begonnene Vergangenheitsbewältigung im Ernstfall fortsetzen. „Larsen hat sich einen Tag zu spät verletzt“, sagt Trainer Slomka. So wird Kuranyi von Anfang an spielen.

          Altintop und Lövenkrands haben Chancen

          Die Atmosphäre, die er bei den Testspielen erlebte, hat ihm gutgetan. „Es ist gut, wenn die Fans nicht mehr pfeifen, sobald ich am Ball bin, das ist wirklich ein Unterschied“, sagt der 24 Jahre alte Nationalspieler im Wartestand, den Klinsmanns Nachfolger Joachim Löw für das Länderspiel am Mittwoch gegen Schweden nicht nominiert hat. Pflichtschuldig und professionell fügt Kuranyi hinzu, wie gut der neue Konkurrenzkampf ihm tue. „Vielleicht hat das im letzten Jahr gefehlt.“

          Die weiteren Favoriten bei der aktuellen Ziehung drei aus fünf heißen vorerst Altintop und Lövenkrands. Sie sollen die Flügel besetzen. Bleibt noch Gerald Asamoah, vorerst der Fünfte im Bunde. Anders als Kuranyi ist er für das kommende Länderspiel nominiert, bei Schalke sind seine Chancen geschmälert durch die späte Rückkehr aus dem Urlaub nach der WM. „Er ist noch nicht wieder bei hundert Prozent seines Leistungsvermögens“, sagt Slomka.

          Auch Asamoah ist Stammspieler

          Da in Lövenkrands ein neuer Mann für die rechte Seite verpflichtet wurde, hätte Asamoah unter den gegebenen Umständen Grund, sich Sorgen zu machen. Die neue Ordnung verringert auch seine Chancen, ins rechte Mittelfeld auszuweichen. Was also wird aus dem Stürmer, der nach dem Ausscheiden Ebbe Sands die beim Publikum beliebteste Offensivkraft sein dürfte? Um Depressionen im Frühstadium der Spielzeit zu vermeiden, hat der Trainer sich etwas einfallen lassen. Am Ende vielleicht mit Hilfe des Psychologen, den Schalke neuerdings im Lichte von Jürgen Klinsmanns WM-Lehre hinzuzieht?

          Auch wenn Asamoah körperlich noch einiges aufholen müsse, starte er wie gehabt aus der Position eines Favoriten in den Stürmerwettbewerb am Standort Schalke. „Gerald ist Stammspieler“, behauptet Slomka. „Er braucht sich seinen Platz nicht zu erkämpfen, er braucht ihn nur zu verteidigen.“

          Geduld gehört zu den knappsten Gütern

          Nicht einmal das scheint der Mann hinter den Spitzen zu müssen. Der launische Lincoln ist gefordert, die Ideen zu liefern, die von der Armada guter Stürmer in die Tat und in Tore umgesetzt werden müssen, damit Schalke sportliches Wachstum produziert. Wenn das gelingt, kommt der Traditionsverein voran.

          In der vergangenen Saison verpaßte die hinten stabile Mannschaft vor allem deshalb die Teilnahme an der Champions League, weil sie zu wenig Tore erzielte. Mit nur 47 erzielten Treffern bewegte sich Schalke auf dem Niveau von Kaiserslautern. Sturm und Drang und Dominanz: all das zusammenzufügen ist eine große Herausforderung, zumal in Gelsenkirchen, wo Geduld zu den knappsten Gütern gehört.

          Weitere Themen

          Bremens hart erkämpfter Punkt

          1:1 gegen Hoffenheim : Bremens hart erkämpfter Punkt

          Erst ein positiver Corona-Test und dann Quarantäne. Werder Bremen hat eine turbulente Woche hinter sich. Das Team von Trainer Florian Kohfeldt kann sich über einen verdienten Punkt gegen Hoffenheim freuen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.