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1:1 gegen Schalke : Und im Wald singen ein paar „Eiserne“

  • Aktualisiert am

Heiß umkämpft: Union und Schalke trennen sich unentschieden. Bild: EPA

Auch im fünften Spiel in der Corona-Krise bleibt Schalke 04 sieglos und stellt einen Negativrekord aus der Saison 1993/94 ein. Immerhin verlieren die „Königsblauen“ aber nicht. Union lässt sich nach Abpfiff von ein paar Fans feiern – bei gebotener Distanz.

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          Der FC Schalke 04 hat auch beim schwächelnden Aufsteiger Union Berlin nicht den Weg aus der Krise gefunden und seinen Negativrekord von zwölf Spielen ohne Sieg aus der Saison 1993/94 eingestellt. Gegen die selbst seit nun sieben Spielen sieglosen Eisernen kam die Mannschaft von Trainer David Wagner am Sonntag nur zu einem glücklichen 1:1 (1:1)-Unentschieden und ist somit weiter das schlechteste Team der Fußball-Bundesliga seit dem Wiederbeginn nach der Corona-Pause.

          Robert Andrich (11. Minute) brachte die Gastgeber in Führung. Jonjoe Kenny (28.) glich für Schalke aus und sorgte somit immerhin für den ersten Schalker Punktgewinn seit dem Re-Start. Union konnte durch das Remis den Abstand auf den Relegationsrang wieder auf vier Zähler ausbauen und nähert sich langsam dem großen Ziel Klassenerhalt. Schalke muss mit 38 Zählern nicht mehr bangen.

          Für die eigenen internationalen Ansprüche war aber auch die Leistung im Stadion an der Alten Försterei wieder viel zu wenig. Beide Mannschaften knieten vor dem Anpfiff als Zeichen gegen Rassismus am Mittelkreis nieder - auch Schiedsrichter Tobias Stieler schloss sich mit seinem Gespann der Aktion an. Die Verunsicherung nach den Misserfolgen war beiden Teams anzumerken.

          „Eiserne Fans“ singen

          Dabei hatten die Unioner diesmal sogar deutlich hörbare Unterstützung: Rund 30 Fans des 1. FC Union Berlin haben am Sonntag während des Spiels außerhalb des Stadions An der Alten Försterei für Stimmung gesorgt und damit eigentlich gegen das Konzept der Deutschen Fußball Liga verstoßen. Der Verband und die Klubs wollten Menschenansammlungen rund um die leeren Stadien während der Geisterspiele unbedingt verhindern. „Es gab keine Beanstandung von irgendeiner Seite“, sagte aber Unions Pressechef Christian Arbeit. „Die Polizei war anwesend und hat keine Platzverweise ausgesprochen.“ Nach dem 1:1 (1:1) ließen sich die Berliner Profis aus der Ferne, aber mit Sichtkontakt feiern. Die Rufe und Gesänge der Anhänger aus dem Wald an der Arena waren schon während der gesamten Partie im leeren Stadion deutlich zu hören. Nach dem Schlusspfiff forderten die Fans: „Wir wollen die Mannschaft sehen.“

          Torwart Rafal Gikiewicz sowie mehrere seiner Kollegen gingen daraufhin vom Rasen zu einem Zaun, der die Arena begrenzt, kletterten auf Holztische und freuten sich kurz mit ihren Anhängern hinter dem mit Union-Plakaten zugehängten Zaun. „Das ist natürlich überragend und in der Zeit mal richtig schön“, sagte Torschütze Andrich. Pressechef Arbeit betonte: „Sie sind nicht den Fans nahegekommen. Es entsprach den Regeln der Distanzhaltung. Es ist alles korrekt gewesen.“ Die Berliner Polizei war mit zwei Mannschaftswagen vor Ort, sah aber keinen Grund zum Eingreifen. Die Fans standen in Kleingruppen beieinander und hielten Abstand.

          Schalke verändert

          Schalke-Coach Wagner baute taktisch um und bot Salif Sané als Ersatz für den gesperrten Weston McKennie als Abräumer vor einer Viererkette auf. Union agierte offensiver als sonst. Anthony Ujah (9.), als zweite Spitze neben Sebastian Andersson aufgeboten, köpfte knapp über das Tor. Wenig später nutzte der Nigerianer einen Fehler von Juan Miranda zur Vorlage auf Andrich, der zu seinem ersten Bundesliga-Tor vollendete.

          Bundesliga

          Bitter für den nach Gelb-Rot-Sperre zurückgekehrten Mittelfeldabräumer: Später sah er seine zehnte Gelbe Karte und fehlt am kommenden Samstag beim 1. FC Köln. Erstmals führte Union wieder in einem Spiel nach der Corona-Pause. Und das tat den Eisernen gut. Andersson (13.), Florian Hübner (15.) und Ujah (24.) hatten beste Chancen zu erhöhen. Die Lücken in der Schalker Defensive waren bedenklich.

          Eine richtige Torchance hatte Schalke in der ersten Halbzeit nicht und kam dennoch zum Ausgleich - und das auch noch in Unterzahl.

          Als Rabbi Matondo angeschlagen behandelt wurde, zeigte Union ungewohnte Passivität in der ganzen Deckung. Kenny zog aus der Distanz ab und traf genau ins Eck. Union zog sich in der zweiten Halbzeit mehr zurück. Offensichtlich war den Eisernen der eine Punkt doch zu wichtig, um weiter Risiko zu gehen. Schalke konnte das wachsende Übergewicht aber nicht zu zwingenden Aktionen nutzen. Die Konzeptlosigkeit der Gäste hätte Keven Schlotterbeck (87.) fast noch bestraft, aber 04-Torwart Alexander Nübel verhinderte das zweite Berliner Tor.

          „Es war ein sehr intensives Spiel mit einer deutlichen Dominanz in der ersten Halbzeit für uns“, sagte Union-Trainer Urs Fischer. „Das Einzige, was wir uns vorwerfen können, ist, dass wir nicht mehr Kapital aus unseren Möglichkeiten geschlagen haben. Das 1:1 ist aus meiner Sicht sehr schmeichelhaft für Schalke. 32 Punkte werden nicht reichen. Wir benötigen noch Punkte."

          Schalkes Trainer Wagner attestierte kleine Fortschritte in seiner Mannschaft: „Leider sind wir wieder durch einen individuellen Fehler in Rückstand geraten. Dass wir zurückgekommen sind, war sehr, sehr gut. Ich bin mit dem Fight, den wir heute angeboten haben, absolut einverstanden.“

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