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Schalke 04 : Auf Augenhöhe mit den Bayern

  • -Aktualisiert am

Rakitic: „Schon als kleiner Junge davon geträumt” Bild: REUTERS

Die Schalker fühlen sich nach dem Remis bei den Bayern stark wie noch nie in dieser Saison. „Mit der Leistung können wir ganz oben mitspielen“, ist sich Manager Andreas Müller sicher. Ein Trumpf ist gewiss Jungstar Ivan Rakitic.

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          Lässig wie ein Dressman posierte Ivan Rakitic in der Mixed Zone der Münchner Allianz-Arena und genoss diesen Samstagnachmittag. Die linke Hand auf einen Trolley gestützt, die rechte Faust auf die Hüfte gedrückt, stand der auch noch mit einem kroatischen Pass ausgerüstete 19 Jahre alte Schweizer gern Rede und Antwort.

          Dies hätte ganz und gar sein Tag sein können, doch auch mit dem halben Ertrag seiner sehenswerten Arbeit vor dem Tor des FC Bayern München gab sich der offensive Jungstar im Mittelfeld des FC Schalke 04 mehr als zufrieden (Siehe auch: FAZ.NET-Spezial: 5. Spieltag).

          Vergnügen an einem Lausbubenstreich

          Schließlich war für den im Sommer vom FC Basel gekommenen Neunzehnjährigen eine Sehnsucht wahr geworden. „Ich habe“, gestand der Blondschopf verschmitzt, „schon als kleiner Junge davon geträumt, gegen den großen Oliver Kahn ein Tor zu machen.“ In der 36. Minute dieses Spitzenspiels der Fußball-Bundesliga staunte der 19 Jahre ältere Badener nicht schlecht, als ein „Geschoss“ des für seine Distanzschüsse schon in der Schweiz gerühmten Rakitic an ihm vorbei zum 1:0 für die Westfalen ins Netz gerauscht war. „Ich habe den Ball erst ganz spät gesehen“, sagte Kahn über das erste Gegentor im eigenen Stadion während der noch jungen Saison.

          Mit Ivan Rakitic wollen die „Königsblauen” noch hoch hinaus
          Mit Ivan Rakitic wollen die „Königsblauen” noch hoch hinaus : Bild: ddp

          Dass der frühere Nationaltorwart auch zum Albtraum seiner Gegenspieler werden kann, bekam Rakitic eine Minute vor der Pause zu spüren. Da hätte er, nach Kuranyis zauberhaftem Pass allein vor dem „Titan“, zum zweiten Mal zuschlagen müssen. Er zögerte ein bisschen und scheiterte mit seinem Flachschuss am deutschen Torwart-Monument. Trotzdem siegte danach das Vergnügen an seinem Lausbubenstreich über Rakitics Verdruss über eine vertane Chance. „Heute Abend“, sagte der mannschaftsdienliche Nachfolger des divenhaften Brasilianers Lincoln, „werden dennoch die schönen Bilder in meinem Kopf überwiegen.“

          „In der Saison ganz oben mitspielen“

          So wie dem Schützen erging es auch anderen aus der Schalker Mannschaft. Die Spieler nahmen eher das Positive als den Ärger über eine verpasste Gelegenheit aus München mit nach Haus. „Wir haben gesehen“, stellte Kuranyi, einer der Vorkämpfer einer bestens organisierten und enorm konterstarken Mannschaft, fest, „dass auch der FC Bayern zu schlagen ist und dass wir für unser erstes Champions-League-Spiel am Dienstag gegen Valencia gut vorbereitet sind.“

          Die Schalker waren nach glücklich überstandener Anfangsphase dem Sieg am Ende sogar näher als die schließlich ermüdeten Münchner. „Wir sind mit den Bayern auf Augenhöhe“, lautete das Fazit von Manager Andreas Müller. Tags darauf buchstabierte er seine Erwartungen an den weiteren Verlauf des Spieljahrs noch präziser aus: „Mit der Leistung können wir in der Saison ganz oben mitspielen.“

          Immerhin sind die Schalker neben den Bayern als einziges Team noch ohne Niederlage – doch frisches Kapital haben sie damit bei bisher einem vollen Erfolg und vier Remis noch nicht angehäuft. „Wir brauchen jetzt mal ein paar Dreier“, sagt Müller, „nur Unentschieden helfen uns nicht weiter.“

          Vielleicht der erste Bayern-Herausforderer

          Halbe Sachen waren indes nicht darunter, da die Schalker auch bei ihren Punkt-Landungen zumindest spielerisch überzeugten. Slomkas Mannschaft steht in der Defensive, angeführt von Kapitän Bordon, überaus kompakt und schaltet dazu schneller als das Gros der Konkurrenz von Abwehr auf Angriff um. Sei es über die Außenverteidiger Rafinha und Pander, sei es über die Mittelfeldachse Ernst und Jones. Dazu sind die Neu-Schalker Westermann (am Samstag Bordons verlässlicher Kompagnon), Jones (in München ein geschickter Wachmann des situativ glänzenden Ribéry) und Rakitic rasch ins kollektiv überzeugende Ensemble integriert worden.

          Dass sich Trainer und Spieler über das 1:1 nicht diebisch freuten und über Kloses Ausgleichstor sogar ärgerten, spricht für das Selbstverständnis des auf Dauer vielleicht ersten Bayern-Herausforderers. Es war aber auch zu dumm, wie das 1:1 (54.) zustande kam. Zuerst entschied Schiedsrichter Fandel nach einem regelkonformen Gerangel wie bei der Rugby-WM zwischen Rafinha und Jansen auf Freistoß für Bayern – ein Fehler. Dann parierte Neuer Tonis Kopfball nach Ribérys Freistoß derart phantastisch, dass seine Kollegen Abwehrspieler staunend zuschauten.

          Dass Klose Nutznießer der Rettungstat wurde, als er den abgewehrten Ball per Kopf ins Tor beförderte, hätten die Schalker in dem Moment ihrer einzigen Unaufmerksamkeit verhindern können, und so fand Slomka wenigstens das von Trainern immer wieder gern gesuchte Haar in der Suppe. „Wir schauen einfach nur zu. Das aber sind Augenblicke, in denen die Bayern richtig stark sind.“

          Gut für die Nebenbuhler der Bayern wie der Schalker: Unverwundbar sind weder die Münchner noch die Gelsenkirchener. Die Schalker zumindest fühlten sich am Samstag stark wie noch nie in dieser Saison. Entsprechend unternehmungslustig steckte Fabian Ernst den Parcours bis zum Dezember ab: „Unser Ziel sollte es nun sein, in der Bundesliga bis zur Winterpause ungeschlagen zu bleiben.“

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