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Schalke 04 : Assauer ist fort, sein langer Schatten bleibt

  • -Aktualisiert am

Die neue Doppelspitze: Slomka (l.) und Müller Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der lange Zeit unantastbare Manager Rudi Assauer ist beim FC Schalke 04 Geschichte. Nach dem Machtwechsel sind Manager Andreas Müller und Trainer Mirko Slomka zum Erfolg verpflichtet. Der Boulevard bringt bereits Christoph Daum ins Gespräch.

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          Rudi Assauer erinnert an einen abgewählten Regierungschef, der sich auf dem Arbeitsmarkt neu orientieren muß - oder besser: neu orientieren will, weil er mit allzuviel Freizeit nichts anzufangen weiß. Vor kurzem hat er seine persönlichen Sachen aus der Geschäftsstelle des FC Schalke 04 geholt; in etwa zur gleichen Zeit wurde seine langjährige Sekretärin entlassen. Sie sei Assauer gegenüber loyaler gewesen als ihrem Arbeitgeber gegenüber, heißt es. Der lange Zeit unantastbare Manager ist in Schalke Geschichte. Seine Gegenspieler im Vorstand und besonders im Aufsichtsrat sind ihn los; seine Anhänger trauern ihm nach.

          Die vorläufigen Gewinner müssen nun zeigen, was sie können. Der neue Manager Andreas Müller, erst Assauers Auszubildender und später sein Kompagnon, muß nun sein Profil schärfen. Er braucht den Erfolg, um aus dem Schatten seines charismatischen Vorgängers zu treten. Unlängst auf der Mitgliederversammlung und ein paar Tage später beim Abschiedsspiel des Profis Ebbe Sand wurde deutlich hörbar, wie beliebt Assauer an der Basis noch ist.

          Zwischen Pietät und Emanzipation

          Müller bewegt sich seit einiger Zeit in einem Spannungsfeld zwischen Pietät und Emanzipation. Sechs Jahre lang hatte er im Windschatten des großen Impresarios wirken können, ohne letztlich haftbar gemacht zu werden für Fehlschläge auf dem Fußballplatz oder auf dem Transfermarkt. Nun ist er selbst der Frontmann, der keine Ausrede mehr, der Ziele vorgeben muß, der für die Personalpolitik verantwortlich ist. Müller schickt sich an, aus seiner Nebenrolle herauszuwachsen. Also formuliert er mutig einen Anspruch, der seit fast fünf Jahrzehnten eine Schalker Sehnsucht ist. "Wir wollen so bald wie möglich deutscher Meister werden." So bald wie möglich heißt soviel wie möglichst in dieser Saison, klingt aber nicht ganz so verbindlich.

          Dieser Wunsch ist "auf" Schalke nicht neu. Fast alle Spieler, die in den vergangenen zwei Jahren in Schalke angeheuert hätten, seien mit diesem Ziel gekommen, sagt Müller. Neu ist die Art, wie der Anspruch formuliert wird, mit kleinen Einschränkungen zwar, aber doch viel offensiver als in den vergangenen Jahren. Assauer, der in höchster Insolvenzgefahr Manager geworden war, sagte oft, wenn er die Garantie bekäme, daß Schalke Zweiter wird, würde er "sofort unterschreiben". Den neuen Machthabern würde das auch reichen - wenn da nicht der aktuelle Trend wäre. Sie folgen der Linie des emeritierten Bundestrainers Jürgen Klinsmann.

          „Totale Dominanz“

          Trainer Slomka, ein Protege Müllers, hat den Spielern sogar befohlen, im Training T-Shirts mit dem Aufdruck "Totale Dominanz" zu tragen, in der Annahme, so das Selbstvertrauen seines Personals zu steigern. Diesmal versuchen die Schalker ihre Konkurrenten mit Worten statt mit Geld (Ablösesummen) einzuschüchtern. Die beiden neuen Stürmer Halil Altintop, vormals Kaiserslautern, und Peter Lövenkrands (Glasgow) sind ablösefrei ins Revier des FC Schalke gewechselt, der nach Branchenschätzungen auf der Gehaltsrangliste hinter Branchenführer Bayern München weiter den zweiten Platz belegt.

          Slomka hat Teamgeist und Fitness als wichtigste Parameter ausgegeben. Ein Mentalcoach und ein Techniktrainer sollen den Profis über das gewohnte Maß hinaus auf die Sprünge helfen. Wer sich dem Dienst an der Mannschaft verweigert, muß mehr als früher die Folgen bedenken. Er kann nicht mehr in Assauers Büro laufen, um sich über Art und Güte des Trainings zu beklagen. Schon im Spätherbst der Ära Assauer mit weitreichenden Kompetenzen ausgestattet, muß Müller nun zeigen, daß der Wechsel an der Spitze sich für seine Förderer lohnt - über das bloße Befriedigen persönlicher Eitelkeit hinaus.

          Ziel: Der Meistertitel soll es sein

          Das Erreichen der Champions League ist für Schalke fast von existentieller Bedeutung. Der hochverschuldete Klub wird Engpässe nicht auf Dauer mit Überbrückungskrediten verschiedener Aufsichtsratsmitglieder ausgleichen können. Daß die Trainerwahl im Januar auf Slomka fiel, soll auch finanzielle Gründe gehabt haben. Der kundige, aber noch nicht profilierte Fußball-Lehrer steht unter besonderer Beobachtung. Mancher sieht in der Ferne, wenn auch noch verschwommen, Christoph Daum als Kandidaten für die Schalker Bank.

          Der Boulevard hatte den Startrainer schon zu Assauers Zeiten herbeigewünscht, den damaligen Manager bei aller Freundschaft aber nicht davon überzeugen können, es mit Daum zu versuchen. Unter den Fans und Mitgliedern wünschen sich nicht wenige - für den Fall des Mißerfolgs - den früheren Manager zurück. Es wäre nicht das erste Mal, daß Assauer unehrenhaft entlassen nach Schalke zurückkehrt. Insofern läßt sich Erfolg auf Schalke aus Sicht der aktuellen Machthaber leicht definieren: Er ist dann gegeben, wenn Assauer und Daum bleiben, wo sie sind, oder ganz woanders hingehen. Das Jahr eins nach Rudi Assauer wird spannend, so oder so.

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