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Jerome Boatengs Verletzung : Schock, Trauer und etwas Optimismus

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„Bis zur Europameisterschaft sollte es im Normalfall reichen“: Jerome Boateng. Bild: dpa

Nach der Verletzung beim Start in die Bundesliga-Rückrunde bangt Jerome Boateng um die Teilnahme an der Fußball-EM. Auch der FC Bayern hat durch den Ausfall des Weltmeisters nun ein drängendes Problem.

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          Nach dem ersten Schock müht sich Fußball-Weltmeister Jérôme Boateng um den Blick nach vorne und baut voll auf seine EM-Teilnahme. „Bis zur Europameisterschaft sollte es im Normalfall reichen. Ich muss dann aber auch erstmal wieder auf mein gewohntes Level kommen“, sagte der Abwehrchef vom FC Bayern dem Kicker“. Laut des Sportmagazins soll der 27-Jährige beim 2:1 gegen den Hamburger SV neben einem Muskelbündelriss im Adduktorenbereich auch einen Sehnenriss erlitten haben.

          „Man muss bedenken, dass unsere anderen Innenverteidiger in der Vergangenheit Rückschläge erlitten haben“, sagte Kapitän Philipp Lahm auf der Sportmesse ispo bei einem Sponsorentermin. „Es ist bitter, dass Jérôme ausfällt, er ist ein Leistungsträger bei uns. Das tut uns natürlich sehr weh“, führte Lahm aus. Ob der deutsche Fußball-Rekordmeister sich jetzt verstärken müsse, sei nicht seine „Baustelle“.

          „Wir warten heute ab. Es gibt weitere Untersuchungen“, sagte der besorgte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff am Montag in München am Rande des schon traditionellen Marketingtages zum Auftakt eines Turnierjahres. „Ich hoffe, dass er es Richtung Saisonende und EM packt“, führte Bierhoff aus, der via SMS aufmunternde Worte an den Verteidiger schickte. „Jerome ist sehr niedergeschlagen und traurig, weil er sehr ehrgeizig ist“, sagte Bierhoff in der „Bild“.

          Zudem hat der Innenverteidiger keine Erfahrung mit schwereren Verletzungen. „Am Freitag und Samstag war ich geschockt und traurig. Ab heute schaue ich nur noch nach vorne, darf aber natürlich nicht übertreiben“, erklärte Boateng. „Die Laune wird in nächster Zeit nicht so toll sein, wenn ich meine Energie nicht raushauen kann.“

          In der Abwehr der Nationalmannschaft, die ihr erstes EM-Spiel am 12. Juni gegen die Ukraine absolviert, ist Boateng nach Benedikt Höwedes der zweite Langzeitverletzte in der Abwehr. Beim FC Bayern sind Javi Martínez und Holger Badstuber nach besorgniserregenden Krankheitsgeschichten zwar wieder fit, Medhi Benatia fehlt aber als weiterer Innenverteidiger noch wegen einer Muskelverletzung.

          Nun wird spekuliert, ob sich die Münchner bis zum Ende des Transferfenster in der Abwehr verstärken. Da es auch ohne Boateng mit hoher Wahrscheinlichkeit zum nationalen Meistertitel reichen kann, wäre ein Neuzugang nur bei Einsatzmöglichkeiten in der Champions League sinnvoll. Und um dort für den FC Bayern auflaufen zu dürfen, dürfte ein neuer Profi noch nicht in dieser Spielzeit in der Königsklasse gespielt haben.

          Robert Lewandowski (rechts) hat seine Treffsicherheit im neuen Jahr nicht verloren Bilderstrecke

          Spielplan der Fußball-EM 2016 mit allen Gruppen und Terminen

          Beim Startschuss ins EM-Jahr in München versammelt Bundestrainer Joachim Löw das DFB-Team für einige Stunden in München. Bei Marketingtag geht es in erster Linie um Werbemaßnahmen für DFB-Sponsoren. Dazu sollen die rund 30 EM-Kandidaten über die Planungen der Sportlichen Leitung um Löw für die EM (10. Juni bis 10. Juli) in Frankreich informiert werden. „Es ist der Startschuss, wir wollen den Blick und den Fokus der Spieler auf die EM richten“, kündigte Teammanager Bierhoff an.

          Der DFB listete zuvor 31 Spieler auf der aktuellen Teamliste auf. Darunter befinden sich fünf Torhüter (Neuer, ter Stegen, Leno, Trapp, Zieler). Aufgeführt sind auch der lange verletzte Weltmeister Eric Durm (Borussia Dortmund), der Hoffenheimer Sebastian Rudy sowie Lukas Podolski und Mario Gomez, der beim vom Terror überschatteten EM-Test gegen Turniergastgeber Frankreich im vergangenen November in Paris sein Comeback in der Nationalmannschaft gefeiert hatte.

          Die Liste ist ein Fingerzeig, auch wenn Löw bei Nominierungen für Turniere stets für Überraschungen gut war und ist. „Jeder weiß, der sich mit der Nationalmannschaft beschäftigt, dass wir natürlich einen Stamm haben, dass einige Spieler bei uns im Kader gesetzt sind“, sagte Löw, schränkte aber ein: „Ich weiß aber auch, wie häufig etwas passiert, wie viele Spieler sich vor Turnieren verletzt haben. Selbst in der Vorbereitung kann das passieren.“ Wie zum Beleg erwischte es zum Rückrundenstart Boateng. Auch Kapitän Bastian Schweinsteiger (Knie) und Schalkes Höwedes (Muskel) sind aktuell verletzt. Das gilt auch noch für Podolski, der seine Oberschenkelprobleme aber in zwei bis drei Wochen auskuriert haben will.

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          Löw will mit seinem Stab die Rückrunde „intensiv“ beobachten. Dabei richtet sich der Blick nicht nur auf die etablierten Kräfte. „Ein paar junge Spieler haben sich in der Vorrunde ein bisschen hervorgetan, da haben wir ein Augenmerk drauf.“ Der Schalker Senkrechtstarter Leroy Sané (20), der gegen Frankreich debütiert hatte, und der Dortmunder Julian Weigl (20) sind im Visier.

          Auch der 31-malige Nationalspieler Holger Badstuber könnte wieder in den Fokus rücken, wenn er beim FC Bayern längere Zeit verletzungsfrei bliebe. „Man soll die Erwartungen nicht zu hoch schrauben an den Holger. Wir hatten schon zwei-, dreimal die Situation, dass er bei Bayern wieder gespielt und sich danach verletzt hat. Ich möchte ihn da nicht unter Druck setzen“, sagte Löw. Aber wenn Badstuber konstant spiele, „dann mache ich mir sicherlich Gedanken darüber“. Noch kann Löw auf den Faktor Zeit setzen: „Ich muss erst im Mai entscheiden.“

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          Die ersten Länderspiele 2016 bestreitet der Weltmeister erst am 26. März in Berlin gegen England sowie drei Tage später in München gegen Italien. Die unmittelbare Turniervorbereitung beginnt am 23. Mai mit einem Trainingslager in der Schweiz, in das auch zwei Testspiele am 29. Mai in Augsburg und am 4. Juni in Gelsenkirchen eingebettet werden. Am 7. Juni wird der zuvor von Löw auf 23 Akteure reduzierte Kader das Stammquartier in Évian-les-Bains am Genfer See beziehen. „Wir müssen schon ein bisschen die Schrauben anziehen und uns fokussieren in diesem Jahr“, sagte Löw vor dem Treffen in München.

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