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1:1 gegen Leipzig : Freiburger Frust bei der Stadionpremiere

  • -Aktualisiert am

„Wenn er den ersten Elfer pfeift, muss er auch den zweiten pfeifen“: Freiburg-Trainer Streich Bild: Reuters

Der Sport-Club bleibt in der Bundesliga ohne Niederlage und gleicht im ersten Spiel im neuen Stadion gegen Leipzig noch aus. Dennoch ist die Laune von Trainer Streich nach dem hitzigen Duell nicht gut.

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          Mit dem Geist des alten Dreisamstadions und dem Reiz der neuen Arena am Flugplatz wollte der SC Freiburg seine Premiere im Norden der Stadt im Duell mit RB Leipzig angehen. Trainer Christian Streich, der in diesem ganz besonderen Verein den passenden Grundton oft genug trifft, sagte vor der Bundesliga-Ouvertüre am Samstagnachmittag: „Es ist der gleiche Verein und die gleiche Mannschaft in einem neuen Gebäude“ - und wollte damit zu verstehen geben, dass er und seine Mannschaft in der neuen sportlichen Heimat kein Jota weniger um den Sieg kämpfen werde als in den beengten Verhältnissen zuvor.

          Bundesliga

          Also versuchten die nach sieben Spieltagen noch unbesiegten Freiburger Underdogs aus den höheren Tabellengefilden ihre Serie ohne den Anflug von Wichtigtuerei zu verlängern. Das schafften sie gegen einen derzeit im Mittelfeld verharrenden Champions-League-Repräsentanten, der in der Liga einen Fehlstart erlebte und sich erst in den vergangenen drei ungeschlagenen Spielen seiner alten Tugenden und Klasse erinnerte.

          Auch diesmal reichte es für RB Leipzig nicht zum ersten Auswärtssieg. Mehr als das 1:1 nach einem Elfmetertor von Forsberg (18. Minute) und dem Freiburger Ausgleich durch Jeong (64.) war nicht drin in diesem spektakulären Fußballspiel, in dem auch der Berliner Schiedsrichter Daniel Siebert eine nicht unerhebliche Rolle spielte.

          Streich und Marsch sehen Gelb!

          20.000 von 34.700 möglichen Zuschauern säumten voller Vorfreude das unter Corona-Bedingungen ausverkaufte, 76 Millionen Euro teure Stadion zum ersten Punktspiel des SCF im neuen Domizil. Sie hatten allesamt freie Sicht auf diese Arena mit den steilen Rängen und einem Stehplatzanteil von 36 Prozent. Das Publikum wie die Spieler und der Trainerstab waren gespannt, ob auch dieses moderne, hell und licht anmutende Stadion eine prickelnde Atmosphäre wie zuvor das Dreisamstadion hervorzaubern konnte.

          Aber wie! Die Stimmung in diesem hohen Haus kochte derart hoch, dass sogar die beiden Trainer Streich und Marsch wegen ständigen Meckerns und Reklamierens verwarnt wurden. Dazu passte das hitzige Duell, in dem die Sachsen zunächst einen Tick cooler und abgeklärter wirkten. Große Gelegenheiten erspielten sich beide Teams: So, als der Freiburger Jeong frei vor Torhüter Gulacsi nicht den Nerv besaß, den Ball ins Tor zu schieben (12.). Wie sechs Minuten später in einer ähnlichen Situation der Schwede Forsberg allein vor SCF-Keeper Flekken.

          Noch höher ging es her, als der Siebert auf Foulelfmeter für Leipzig entschied. Der von der emotionalen Wucht dieses Schlagabtauschs zweier hochambitionierter Teams im neuen Ambiente anscheinend auch beeindruckte Berliner schien Nkunkus Fall und Schrei zunächst nicht zum Anlass für einen Strafstoß zu verstehen, pfiff dann aber mit leichter Verzögerung trotzdem. Lienharts zarter Tritt an der Strafraumkante reichte dem Unparteiischen, um auf den Punkt zu zeigen.

          Emil Forsberg ließ sich diese große Chance zur Führung nicht entgehen, verlud Flekken und beförderte den Ball ins rechte Toreck. „Wenn er nicht pfeift, wäre es auch nicht falsch gewesen“, sagte der Freiburger Sportvorstand Jochen Saier über die strittige Szene. Hölers krachender Schuss, der zum Leidwesen der Freiburger vom Pfosten zurückklatschte, beendete eine furiose erste Hälfte in einer neuen Stimmungshochburg der Liga.

          Freiburg traf im ersten Spiel im neuen Stadion auf Leipzig.
          Freiburg traf im ersten Spiel im neuen Stadion auf Leipzig. : Bild: dpa

          Die Halbzeit diente allen unmittelbar Beteiligten dazu, ein wenig abzukühlen, um danach wieder voller Leidenschaft und Energie frisch ans Werk zu gehen. Auch die heißblütigen Fans entspannten sich für eine Viertelstunde, ehe es heißblütig wie zuvor weiterging.

          Als der Leipziger Simakan den Freiburger Höler kurz nach dem Wechsel bei einem Laufduell im RB-Strafraum mit dem Arm leicht zu Fall brachte (49.) und dann mit dem Fuß an der Wade traf – eine Aktion, die vergleichbar mit der Strafstoßentscheidung vor der Pause war –, pfiff Siebert nicht, was den südbadischen Frust weiter verstärkte. „Wenn er den ersten Elfer pfeift, muss er auch den zweiten pfeifen“, beklagte Streich die Ungleichheit der Bewertung der zwei strittigsten Szenen.

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          Eine Viertelstunde später bahnte sich die Gerechtigkeit ihren Weg. Linksaußen Grifo flankte, und der 1,79 Meter lange Jeong Woo-yeong sprang hoch genug, um den Ball per Kopf ins Netz zu wuchten. Ein Ausgleich, der in diesem hochklassigen Duell, das immer wieder Fragen nach der Gerechtigkeit hervorrief, längst angemessen war. Es war eine aufwühlende Premiere, bei der ein Notarzteinsatz im Stadion schlimme Befürchtungen auslöste. Auf dem Platz hätte Höfler noch ein sportliches Ausrufezeichen setzen können, doch sein Distanzschuss prallte nur gegen den Pfosten (90.).

          Sportvorstand Saier war trotzdem zufrieden. „Es war ein toller Auftritt heute“, lautete seine Schlussbilanz. Eher unzufrieden äußerte sich der Leipziger Coach Jesse Marsch. Der Amerikaner beklagte, dass es „zu einfach ist, im letzten Drittel ein Tor gegen uns zu machen“.

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