https://www.faz.net/-gtm-7z612

SC Freiburg : Kampf um ein neues Stadion - und die Zukunft

Gefälle mit mangelhafter Infrastruktur: Das bisherige Stadion des SC Freiburg

Die Stadionfrage beschäftigt Freiburg und den Sportclub seit Jahren. Schon 2009 wurden erste Überlegungen angestellt. Gut fünf Jahre, etliche Studien und auch einige Volten der Verantwortungsträger später, traf der Gemeinderat am 18. November vergangenen Jahres einen Beschluss: Im Wolfswinkel, einem Gebiet im Nordwesten der Stadt, soll gebaut werden. Das Votum war klar, drei Viertel des Gremiums (33 zu 10) sprachen sich für den Neubau aus, selbst die Grünen, die mit Dieter Salomon auch den Oberbürgermeister stellen, votierten einstimmig dafür. Doch so ganz schienen die Räte der Sache selbst nicht zu trauen. Sie brachten, aus freien Stücken, einen Bürgerentscheid auf den Weg. Der könnte nun das ganze Projekt zum Kippen bringen. Das Ergebnis des Entscheids ist bindend, es genügt eine einfache Mehrheit, vorausgesetzt, der Sieger kann mindestens 25 Prozent der Wahlberechtigten, also rund 42 000, auf sich vereinen. Gelingt das nicht, geht die Sache zurück an den Gemeinderat. „Ich gehe davon aus, dass es richtig knapp wird“, sagt Klubchef Keller. „Wir müssen alle Unterstützer an die Wahlurne bekommen.“

Die Gegner des Stadions kämpfen

Denn auch der Gegner hat richtig mobilgemacht. Es ist, wie so oft bei Großprojekten dieser Art, eine Mischung aus Partikularinteressen - Anwohner, Lärmschutz, die Segelflieger auf dem Flugplatz in unmittelbarer Nachbarschaft - und grundsätzlichen Vorbehalten, die den Protest trägt. Kristian Raue spricht für eine der Bürgerinitiativen, die sich gegen das Projekt wenden. Ihm ist wichtig, dass sich der Widerstand nicht gegen den SC Freiburg oder den Neubau eines Stadions an sich richte. Aber: „So, wie es jetzt formuliert ist“, sagt er, „kann man als verantwortungsvoller Bürger nur nein sagen.“

Training ist nicht genug: Christian Streich und sein Team stehen vor einer ungewissen Zukunft

Zum einen geht es ihm und seinen Mitstreitern um ökologische Belange. Der Wolfswinkel sei Erholungsgebiet und Teil eines Naturbiotops - Raue verweist auf Stellungnahmen von Naturschutzorganisationen, die ein Stadion an diesem Standort deshalb ablehnen. Zum anderen umtreibt ihn die finanzielle Seite. „Finanzierung und Risikoübernahme für ein ausschließlich zum Profifußball genutztes Stadion kann nicht zu den kommunalen Aufgaben gehören“, sagt er. Der Unternehmer gehört auch zu denjenigen, die Zweifel an der Vollständigkeit und Verlässlichkeit der Zahlen hegen, die Sportclub und Stadt angeben. Insgesamt soll das Projekt rund 117 Millionen Euro kosten, davon 70 Millionen das Stadion. Der Rest entfällt auf Infrastrukturmaßnahmen, die zum großen Teil von der Stadt getragen werden sollen. Der Verein bringt mindestens 15 Millionen Euro, bei durchgängiger Erstklassigkeit sogar 20 Millionen ein. Das ist, wie Klubchef Keller betont, mehr als bei anderen Projekten dieser Art. Das Land soll sich mit elf Millionen beteiligen, die landeseigene Rothaus-Brauerei mit 13 Millionen.

Der Rest soll durch einen Bankkredit fließen, den der Verein über die Stadionpacht bedient und für den die Stadt bürgt. Raue und andere Skeptiker glauben, dass es bei den veranschlagten Summen nicht bleibt - und fürchten, dass sowohl Mehrkosten als auch Ausfallrisiken beim Steuerzahler hängenbleiben.

Prominente Hilfe durch Budnestrainer Joachim Löw

Im Kern geht es also, wie bei vergleichbaren Fällen auch, um die große Frage, wie viel der Profifußball einer Kommune wert sein soll - oder darf. Darunter aber verbergen sich noch etliche kleinere Scharmützel, die zuletzt in Freiburg ebenfalls für reichlich Aufregung sorgten. Plakate wurden zerstört, unschöne Worte gingen hin und her, die Nutzung des Flugplatzes wurde wegen seiner Rolle bei der Notfallversorgung zu einer Sache auf Leben und Tod erklärt.

Im Endspurt hat der Sportclub noch einmal prominente Unterstützer aus der Welt des Fußballs gefunden. „In diesem Stadion“, sagte Christian Seifert, der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung, kürzlich zum Freiburger Standortnachteil, „wird der SC nicht auf Dauer Profifußball spielen.“ Vor ein paar Tagen veröffentlichte der Klub ein Interview mit Joachim Löw auf seiner Internetseite. „Ich bin davon überzeugt, dass der Neubau gut und richtig ist“, sagte der Bundestrainer da. Am Donnerstag nun kam die Meldung, dass der Hauptsponsor am Samstag den Platz auf dem Trikot zugunsten eines Pro-Neubau-Slogans frei räumt. Um inhaltliche Überzeugungsarbeit geht es dabei nicht mehr. Nur noch darum, das eigene Lager zum richtigen Kreuzchen zu ermuntern.

Weitere Themen

Topmeldungen

FAZ Plus Artikel: F.A.Z.-Interview : Merz traut sich ein Ministeramt zu

Der unterlegene Kandidat für den CDU-Vorsitz ist bereit, „mit ganzer Kraft in die Politik zu gehen“. Ein exklusives Gespräch mit Friedrich Merz über seine Ambitionen, seine Rede auf dem Parteitag und über Gerüchte, mit denen er nichts anfangen kann.

Autoversicherungen : Junge Fahrer zahlen drauf

Endlich volljährig – endlich das eigene Auto. Doch junge Fahrer günstig zu versichern, ist fast unmöglich. Mit einigen Kniffen kann man dennoch sparen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.