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Höhenflug des SC Freiburg : Und es hat Boom gemacht

  • -Aktualisiert am

Starke Gemeinschaft: Michael Gregoritsch, Matthias Ginter und Christian Günter (von links) Bild: MIS

Neues Stadion, Mitgliederrekord, sportlicher Höhenflug: Der einst kleine Bundesligaklub SC Freiburg gewinnt an Attraktivität und erlebt einen gewaltigen Aufschwung. Nun wartet ein besonderes Spiel.

          3 Min.

          Sie gehörten jahrelang zu den Kleinen der Fußball-Bundesliga. Und so ganz frei von der Urangst, vielleicht doch mal wieder in die Zweitklassigkeit abrutschen zu können, sind sie noch immer nicht. Allerdings sind Äußerungen wie die von Klemens Hartenbach, dem Sportdirektor des SC Freiburg, nur noch vereinzelt zu hören.

          Hartenbach wollte vor dem Beginn der zweiundzwanzigsten Bundesligasaison des südbadischen Europa-League-Teilnehmers vor dem gefürchtetsten Szenario zumindest vorsorglich gewarnt haben. „Wir gehören zu den Mannschaften, denen im schlimmsten Fall bis zum letzten Spieltag der Abstiegskampf droht. Daran wird sich auch nichts ändern.“

          Bundesliga

          Tatsächlich aber hat sich in Freiburg speziell in der vorigen Saison ein Aufschwung vollzogen, mit dem der jahrelange Underdog von gestern bis ins gehobene Mittelfeld der ersten Liga vorangekommen ist. Platz sechs nach dem 34. Spieltag, die erstmalige Teilnahme am DFB-Pokalfinale, das erst im Elfmeterschießen gegen RB Leipzig verloren ging, der Umzug vom alten, für manchen schon altertümlichen Dreisamstadion mit einem maximalen Fassungsvermögen von 24.000 Zuschauern in die neue Arena am anderen Ende der Stadt mit einer Kapazität für 34.700 Besucher: Das waren frische Wegmarken eines sich beschleunigenden Fortschritts, der aus dem seit Jahren von einem konstant zusammenhaltenden Spitzenpersonal an der Vereinsspitze einen Klub mit neuer Attraktivität gemacht haben.

          Die nach oben weisende Tendenz in allen Bereichen hat sich zu Saisonbeginn mit dem nie gefährdeten 4:0-Sieg beim FC Augsburg fortgesetzt und lässt sich vor dem Spitzenspiel des zweiten Spieltags an diesem Freitagabend (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei DAZN) daheim gegen Borussia Dortmund, den Zweiten der vorigen Spielzeit, mit frischen Daten auch jenseits des Spielfelds belegen. So soll vor dem Duell mit dem BVB das vierzigtausendste Mitglied des Sport-Clubs, inzwischen der größte badische Sportverein, vorgestellt werden – eine Zahl, an die vor sechs Jahren noch nicht zu denken war, als die Zahl der Vereinsangehörigen noch vierstellig war.

          Run aufs neue Freiburg-Stadion

          Große Wachstumspotentiale verheißt auch die neue Arena mit 22.300 Sitzplätzen und 12.400 Stehplätzen. Der Run auf das Stadion garantiert für diese Saison eine hohe Auslastung und an diesem Freitag ein ausverkauftes Haus. Der Freiburger Finanz- und Marketingvorstand Oliver Leki hat vor kurzem in einem Interview mit dem „Südkurier“ auf die gewachsene Attraktivität des SCF hingewiesen: „Es gibt eine riesige Nachfrage nach Karten. Obwohl wir deutlich mehr verkaufen könnten, haben wir den Verkauf bei 25.000 Dauerkarten gestoppt, weil wir nicht zu einer geschlossenen Veranstaltung werden wollen. Die Sponsoring- und Hospitality-Pakete sind ebenfalls gut verkauft, es gibt in einigen Bereichen schon Wartelisten.“

          Übte die nach der Gruppenphase endende Europa-League-Teilnahme 2013/14 noch keine wegweisende Faszination unter den Anhängern und auch im Klub selbst aus, weil die Sicherung des Klassenverbleibs wichtiger als alles andere war, beflügelt die Freiburger diesmal, nicht zuletzt ob des Europa-League-Triumphs der Frankfurter Eintracht im Mai, der internationale Wettbewerb zusätzlich.

          Die Mannschaft ist im Sommer durch den Weggang von Jungnationalspieler Nico Schlotterbeck, der als Neu-Dortmunder an diesem Freitag an seinen alten Tatort Freiburg zurückkehrt, nur auf den ersten Blick geschwächt worden. Die Ablösesumme von zwanzig Millionen Euro linderte den Trennungsschmerz. Und dazu kam Matthias Ginter, einer der deutschen Weltmeister von 2014 ohne Spielminute, in diesem Sommer zurück in seine Heimat- und Geburtsstadt.

          Er war vor acht Jahren als einer der Musterschüler von Trainer Christian Streich zu Borussia Dortmund gewechselt und brachte seinem Heimatklub eine Transfersumme von zehn Millionen Euro ein. Nun kam der neue Abwehrchef ablösefrei von Borussia Mönchengladbach zurück. Nicht nur ein Zeichen für Ginters ungebrochene Heimatliebe, sondern auch ein Signal für die neue Attraktivität des über die Jahre gewachsenen Sport-Clubs.

          „Er war ja eine Zeit lang weg“

          Das verdeutlichen auch andere Sommerverpflichtungen wie die des aus Eindhoven gekommenen japanischen Flügelstürmers Ritsu Doan (8,5 Millionen Euro) und des Offensivallrounders Daniel Kofi-Kyereh (4,5 Millionen), in der vergangenen Spielzeit eine Zweitligaattraktion aus den Reihen des FC St. Pauli (13 Tore, 11 Assists). Aus Augsburg kam der hünenhafte Mittelstürmer Michael Gregoritsch, ein Österreicher mit reichlich Bundesliga-Expertise, der im Tausch mit dem Freiburger Ermedin Demirovic ablösefrei verpflichtet wurde.

          Drei Profis, die die neue Angriffslust des Sport-Clubs symbolisieren, abgesichert durch die Verteidigungskraft des zurückgeholten Abwehrchefs Ginter. Symbolisch für die ungebrochene Wucht des Freiburger Kollektivs, trugen die schnellstens integrierten Gregoritsch, Ginter und Doan mit ihren Treffern entscheidend zum 4:0-Auftaktsieg in Augsburg bei.

          Streich wollte aus dem Anfangsstatement der Debütanten und des Rückkehrers nichts Besonderes herauslesen. „Das ist Zufall, das gibt’s halt mal“, sagte er. Ginter, seinen vertrauten Zögling aus der Zeit, als er noch A-Jugendtrainer in der Freiburger Fußballschule war, hat der kürzlich vom „Kicker“ gekürte „Trainer des Jahres“ in der Kabine sogar „vergessen“, als er ihn hätte willkommen heißen sollen. „Er war ja eine Zeit lang weg“, sagt Streich über seinen kleinen Lapsus, „aber eben auch eine lange Zeit da.“ Wer weg war, wird auch wiederkommen. Wohl dem, der so denken kann.

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