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Freiburger Fußball-Niveau : Die Bilanz eines Spitzenteams

  • -Aktualisiert am

Er hat gut lachen: Christian Streich stürmt mit seinem SC Freiburg auf Rang 2 der Tabelle Bild: dpa

Seit neun Spielen hat die Mannschaft von Trainer Streich nicht mehr verloren. Sie beherrscht die Kunst, enge Partien mit einem Tor Unterschied zu gewinnen, wie gegen Mainz 05.

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          Am Ende war es ein verrücktes Spiel, in dem ein Torhüter zum Angreifer und ein Torjäger zum Verteidiger seiner Mannschaft wurde. Starke Nerven waren gefragt, als die Schlussphase im Bundesliga-Südwestduell zwischen dem Tabellenzweiten SC Freiburg und dem Tabellenelften Mainz 05 begann und alles, was zuvor war, in Frage gestellt wurde.

          Dass die Südbadener ihren knappen Vorsprung beim erleichtert gefeierten 2:1-Sieg über den in Freiburg ob vieler vergangener Siege gefürchteten Rivalen aus Rheinhessen nicht mehr hergeben mussten, hatte auch mit dem Glück der Tüchtigen zu tun. Aber genauso mit der inzwischen erworbenen Qualität, sich einen Sieg mit kollektiver Hingabe nicht mehr entreißen zu lassen.

          Bundesliga

          Auch wegen solcher Fähigkeiten haben die noch vor zwei Jahren im selben Mittelfeld-Segment wie die Mainzer beheimateten Freiburger nach gerade mal acht Spieltagen schon 17 Punkte beisammen. Das ist die Bilanz eines Spitzenteams – und so treten sie mit ihrer erstklassigen Mischung aus kämpferischer Unnachgiebigkeit und spielerischer Weiterentwicklung derzeit auch auf. Seit neun Pflichtspielen hat die Mannschaft von Trainer Christian Streich nicht mehr verloren, auch weil sie die Kunst beherrscht, Spiele mit einem Tor Unterschied zu gewinnen – das gegen Mainz war dafür der sechste Beleg in der jungen Saison.

          Dabei war Freiburg vor der Pause die deutlich bessere Mannschaft. Vorneweg mit dem wuchtigen Mittelstürmer Michael Gregoritsch, der zur neuen Saison vom FC Augsburg nach Freiburg gewechselt ist. Der 1,93 Meter lange Steiermärker setzte das erste Leuchtzeichen eines bewegten Samstagnachmittags, als er den Ball schon in der dritten Minute aus sechzehn Metern ins Tor knallte – sein vierter Ligatreffer in seiner ersten Saison für den Sport-Club.

          Gregoritsch, der sich „superwohl“ in Freiburg fühlt, war auch am 2:0 durch den vom FC St. Pauli im Sommer gekommenen Daniel-Kofi Kyereh beteiligt (37.), als er nach Vincenzo Grifos Maßflanke den Ball gegen die Latte schoss, von wo er auf Kyerehs Kopf landete. Der war überglücklich über seinen ersten Treffer für seinen neuen Klub, das er ob der Kurzdistanz zum Tor als das „einfachste“ seiner Karriere bezeichnete.

          Für einen Salto fehlte die Kraft

          Der offensive Mittelfeldspieler, in Deutschland aufgewachsen und bei der Weltmeisterschaft in Qatar voraussichtlich für Ghana am Ball, konnte danach ein zweites Versprechen nicht einlösen. Gern wäre er wie so oft nach seinen Treffern für St. Pauli per Salto zum Luftikus geworden, allein: Es fehlte ihm die Kraft zum Abheben. „Als ich das Tor gemacht habe, war ich im absolut roten Bereich und zu kaputt, um einen Salto zu machen“, sagte er nach dem auch für ihn laufintensiven Spiel.

          Der Freiburger Aufwand hatte sich gegen die im ersten Durchgang nur dezent ihre stürmischen Tugenden andeutenden Mainzer gelohnt. Die meldeten sich in diesem Duell richtig an, als dem linken Schienenspieler Aaron nach einer Vorlage des von einer Fußverletzung genesenen Jonathan Burkardt das 1:2 aus kurzer Tordistanz gelang (52.). Und wie, denn in den Schlussminuten wurde es dramatisch. Zunächst war der Mainzer Mittelstürmer Karim Onisiwo mit einem Pfostenschuss ganz nah am 2:2, als der nach vorn geeilte Torwart Robin Zentner („warum nicht, wenn du 1:2 hinten liegst?“) nach Aarons Eckstoß den Ball per Kopf verlängert und Anthony Caci den freistehenden Österreicher angespielt hatte (90.+2).

          Petersen als erster Diener seiner Mannschaft

          Sekunden später schien das 2:2 nach Silvan Widmers Schuss fällig, doch dann stand plötzlich der bisher vorzugsweise als Freiburger Rekordtorschütze gefeierte Nils Petersen wie ein gelernter Innenverteidiger allein auf der Torlinie und schlug den Ball mit dem Außenrist des rechten Fußes aus der Gefahrenzone. Es war die letzte Rettungstat des Spiels, vollbracht vom spät eingewechselten Freiburger „Fußballgott“ aus Wernigerode, der als erster Diener seiner Mannschaft den Sieg absicherte. „Ich bin nicht so oft im eigenen Strafraum“, sagt er später über die spielentscheidende Sekunde, „in der Szene hatte ich so ein bisschen das Stürmergen und wusste, wo er hin schießt.“

          Wie gern er auch etwas eher als in der 84. Minute gekommen wäre, verhehlte Petersen aber auch nicht. „Die sogenannte A-Mannschaft“, sagte er auf dem Weg in ein erfreuliches Wochenende, „macht es seit Wochen gut“, dann fehlen der sogenannten B-Mannschaft – zu der Petersen als erster Diener seines Teams derzeit gehört – manchmal auch die Argumente. „Und wenn man dann auf den Platz kommt, muss man liefern. Das ist unser Job.“ Er hat ihn in der ungeliebten Rolle des pflichtbewussten Kurzarbeiters im entscheidenden Moment mit Bravour erledigt – diesmal eben in der neuen Rolle als Verteidiger eines weiteren Freiburger Sieges.

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