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Freiburger Absteiger : „Mit uns geht ein Symbol in die zweite Liga runter“

„Man kann sich fragen, ob wir eine zu brave Mannschaft hatten“: Fritz Keller nach Schlusspfiff in Hannover Bild: Picture-Alliance

Fritz Keller, der Präsident des SC Freiburg, über seinen bittersten Bundesliga-Abstieg - und ein System, in dem die Falschen belohnt werden.

          6 Min.

          Christian Streich, Ihr Trainer, hat am Samstag nach dem Abstieg die schöne Formulierung verwendet, Freiburg sei „ein kleiner Klub, aber ein großer in seinem Wesen“. Kann man sich an so etwas jetzt wirklich festhalten?

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Absolut. Als wir am Abend nach Hause gekommen sind, waren viele Leute da, denen die Enttäuschung in die Gesichter geschrieben stand, gleichzeitig haben sie uns Mut gemacht, dass wir unseren Weg weiterführen müssen. Das macht den Klub aus. Es fiel kein einziges böses Wort.

          Wie schlimm fühlt sich dieser Abstieg mit ein wenig Abstand noch an?

          Das war ein Schlag ins Gesicht. In solchen Situationen offenbaren sich aber immer auch die Geister. Es war großartig, wie wir empfangen worden sind, selbst wenn es das Ganze noch mal ein bisschen schwerer macht.

          Ganz viele Menschen auch außerhalb Freiburgs schienen am Samstag mit dem Sport-Club zu leiden, selbst der Trainer Ihres Gegners, Michael Frontzeck. Ging das in den vergangenen Tagen immer so weiter?

          Heute hat mir jemand eine Geschichte aus der NZZ zugeschickt, das war sehr spannend. Da muss ich echt sagen, dass das Ausland zum Teil eine tiefere Sicht auf die Dinge bei uns hat als mancher Kollege hier.

          Was stand denn drin?

          Dass es sehr schade ist, was passiert ist. Dass der SC Freiburg ein Symbol dafür ist, wie man hierzulande mit dem Nachwuchs arbeitet. Dass er letztlich auch ein Symbol dafür ist, wie der deutsche Fußball Weltmeister geworden ist. Wir haben mit unserer Fußballschule ja lange vor den anderen angefangen. Das zu lesen, fand ich sehr bemerkenswert. Weil es das Gegenteil von dem ist, was zuletzt von manchem Kollegen, auch aus dem Führungsbereich des deutschen Fußballs, gesagt wurde.

          Was genau meinen Sie?

          Ich will nicht alles über einen Kamm scheren. Aber wenn jemand wie Herr Bruchhagen verkündet, dass er zwar Freiburg und Paderborn den Abstieg nicht wünscht, es aber wichtig wäre, wenn Stuttgart und Hamburg drinbleiben, weil man die großen Namen brauche, dann ist das eine Haltung, die mir Sorgen macht. Vor allem, wenn man gerade selbst die U 23 abgeschafft und jahrelang nicht auf die eigene Jugend geachtet hat. Nach dem Motto: Das ist zu teuer, wir lassen die Arbeit woanders machen. Mit uns ist ein Symbol in die zweite Liga runtergegangen, nämlich das der nachhaltigen Arbeit.

          Aber es wird Ihnen doch gerade dafür auch viel Sympathie entgegengebracht, erst recht in diesen Tagen.

          Das merken wir schon, und das ehrt uns auch. Nur: Das nutzt uns nichts, wenn die Parameter für die Zukunft nicht gesetzt werden und diese Vereine noch belohnt werden für das, was sie tun. Die Bundesliga muss ein System entwickeln, in dem diejenigen, die so viel in die Ausbildung der Spieler investieren, auch etwas davon haben, sonst haben wir hier echt verloren. Es darf nicht sein, dass man allein die Premier-League-Einnahmen als absolute Benchmark ansieht, weil die zugleich ein Desaster für die Fußballausbildung ist.

          Wenn man sieht, dass die anderen mit ihren Methoden durchkommen: Kann einen das ins Grübeln bringen - nach dem Motto: vielleicht ein bisschen weniger nett und sympathisch, dafür aber in der ersten Liga?

          Natürlich bleiben wir bei unserer Linie, daran gibt es überhaupt keinen Zweifel. Das ist auch unsere einzige Chance. Das Wichtigste ist die langfristige Perspektive, und die haben wir nur durch die Fußballschule, durch unseren Nachwuchs. Ich möchte nichts gegen Paderborn sagen, die haben sicherlich große Verdienste. Aber wenn uns selbst Fachleute in diesen Topf mit reinnehmen, dann werden wir von denen einfach nicht wahrgenommen mit unserer Arbeit.

          Weil beide in der Schublade klein und sympathisch stecken, ohne dass dabei noch einmal differenziert wird?

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