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Vorbild der Bundesliga : Freiburg als Champion der Underdogs

  • -Aktualisiert am

Hat gerade gut lachen: Freiburgs Christian Streich Bild: dpa

Beim SC Freiburg denkt niemand größer, als er ist. Dafür sorgt schon Trainer Christian Streich – mag der Klub auch wachsen und ein fast unerreichbares Vorbild für die wahrhaft Kleinen der Liga sein.

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          Ginge es allein nach der Beliebtheit, gehörte der SC Freiburg in der Fußball-Bundesliga ständig zum ersten Tabellendrittel. Dort sind die Südbadener in dieser Saison fürs Erste auch sportlich angekommen. Als kleiner Großer hat der Sport-Club vor dem ersten Punktspiel im neuen Stadion am Samstag gegen RB Leipzig (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) Platz vier erobert. Und wie!

          Bundesliga

          Die Mannschaft von Trainer Christian Streich hat an den ersten sieben Spieltagen als einzige ihrer Klasse noch keine Begegnung verloren. Auch, weil sie konsequent und beharrlich daran gearbeitet hat, ihren schlauen Fußball mit vielen Balleroberungen und hohem Tempo auch gegen vermeintlich besser besetzte Teams durchzusetzen. Das erfreuliche Zwischenfazit beim Champion der Underdogs korreliert in diesen Tagen mit weiteren guten Nachrichten aus Freiburg. So vermeldete der Klub auf seiner Mitgliederversammlung am Mittwoch einen Gewinn von 9,8 Millionen Euro aus dem vergangenen Geschäftsjahr, das gekennzeichnet war von den Folgen der Corona-Pandemie: Spielen in leeren Stadien.

          Die Freiburger aber, die zur selben Zeit ihr neues, rund 76 Millionen Euro teures Stadion im Norden der Stadt fertigstellen ließen und hierfür aus eigenem Kapital 26,45 Millionen Euro neben einem Fremddarlehen in Höhe von 40,5 Millionen Euro in Anspruch nahmen, generierten dazu erhebliche Mehreinnahmen (37,3 Millionen Euro) durch die Transfers der Nationalspieler Luca Waldschmidt und Robin Koch zu Benfica Lissabon und Leeds United sowie ihres Stammtorhüters Alexander Schwolow zu Hertha BSC. So sei man „gut durch die Saison gekommen“, wie Finanzvorstand Oliver Leki den Mitgliedern beiläufig mitteilte.

          Neues Stadion, neuer Präsident

          Der Klub hat über Jahre ein Eigenkapital von nun 93 Millionen Euro angehäuft, das ihn nie zur Unbescheidenheit veranlasst hat, sondern, wo nötig wie beim Stadionbau, zu sinnvollen Investitionen. Seit Mittwoch steht auch wieder ein Präsident an der repräsentativen Spitze: der frühere Direktor des Freiburger Rotteck-Gymnasiums, Eberhard Fugmann. Der Lehrer beerbte den 2019 zum Deutschen Fußball-Bund gewechselten Winzer Fritz Keller, der als gescheiterter DFB-Präsident kein neues Glück fand.

          Die Zukunft des SC Freiburg sieht auch deshalb vielversprechend aus, weil dort niemand vergisst, was diesen Verein so besonders macht. Der Klub, der sich in diesem Sommer nur einen Neuzugang, Maximilian Eggestein, gekommen vom SV Werder Bremen, leistete, profitiert von seiner über Jahre herausragenden Nachwuchsarbeit in der Freiburger Fußballschule, in der auch Streich sein Handwerk von der Pike auf erlernte. Inzwischen profilieren sich gleich mehrere Freiburger wie Nico Schlotterbeck, Yannik Keitel, Kevin Schade oder Noah Weißhaupt im deutschen Trikot, von der A-Nationalmannschaft bis zur deutschen U20-Auswahl.

          Neuer Fußball-Tempel in Freiburg: Das Europa-Park-Stadion
          Neuer Fußball-Tempel in Freiburg: Das Europa-Park-Stadion : Bild: dpa

          Anderswo mag gelegentlich allzu groß gedacht werden. Streich beschwor zwei Tage vor der Bundesliga-Premiere in der neuen Arena für maximal 34.700 Zuschauer den Geist des alten Dreisamstadions. „Ich hoffe sehr“, sagte er, „dass man sich nicht blenden lässt von irgendwelchen Dingen, die ein bisschen neuer und schicker erscheinen.“ Auf dass „dieser Geist bleibt, dieses Ankämpfen gegen das Größere – und nicht zu denken, schon bei den Größeren zu sein“. Wird ihm dieser dringende Wunsch erfüllt, „haben wir gute Jahre vor uns“. Sich selbst treu zu bleiben gehört also weiter zur Freiburger DNA – mag dieser Klub auch Jahr für Jahr immer weiter wachsen und ein fast schon unerreichbares Vorbild für die wahrhaft Kleinen der Liga sein.

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