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Coup für Berliner Krisenklub? : Hertha BSC und der spektakuläre Plan mit Khedira

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Sami Khedira in Berlin? Bei Hertha arbeitet man am Transfercoup. Bild: dpa

Für die Berliner sollte es mit frischem Geld nach Europa gehen. Doch nun befindet sich die Hertha mitten im Kampf gegen den Abstieg. Pal Dardai soll als Trainer helfen. Dazu kommt womöglich ein prominenter Name.

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          Mit der Aussicht auf die spektakuläre Bundesliga-Rückkehr von Sami Khedira spricht man bei Hertha BSC inmitten der großen Krise schon wieder offen von Europa. Wenn der oft verletzte frühere Weltmeister tatsächlich in Berlin unterschreibt, erwartet ihn aber knallharter Abstiegskampf. Carsten Schmidt sprach als neuer Hertha-Boss am Sonntag vom riesigen Spannungsfeld beim Hauptstadt-Krisenklub und bestätigte die Verhandlungen mit dem 33 Jahre alten Khedira als möglichem prominenten Stabilisator der nach dem Sturzflug Richtung Abstiegszone verunsicherten Mannschaft.

          Bundesliga

          „Wir sind in Gesprächen mit Sami. Ich hatte vor Kurzem ein langes Telefonat mit ihm. Ich halte ihn für einen großartigen Leader, einen sehr erfolgreichen Fußballer, der viele Profivereine durchlaufen und dort viel Erfahrung gesammelt hat“, sagte Schmidt am Sonntag in der Sendung „Sky90“. Viel Zeit haben die Berliner für finale Gespräche mit Khedira und dessen Klub Juventus Turin nicht mehr. Am Montag um 18.00 Uhr schließt das Transferfenster.

          „Ich habe mit Khedira nicht gesprochen“

          Trainer Pal Dardai wollte sich noch nicht zu dem möglichen prominenten Zugang äußern. „Ich habe mit Khedira nicht gesprochen, ich habe mit vielen anderen Spielern nicht gesprochen. Ich habe meine Spieler, ich bin sehr zufrieden mit den Spielern, die ich habe“, sagte der Ungar einen Tag nach dem 1:3 bei seiner Trainer-Rückkehr bei Eintracht Frankfurt. Khedira wäre aber offenbar die Kategorie, die auch Dardai gut fände. „Ein 19-jähriges Supertalent bringt uns nicht weiter“, sagte der 44-Jährige am Sonntag zu Transferoptionen.

          Nur eine Woche nach der Trennung vom früheren Manager Michael Preetz, dem angesichts der Millionen-Investition von Geldgeber Lars Windhorst eine zögerliche Transferpolitik vorgeworfen wurde, würde sich die Hertha nun plötzlich doch einen namhaften Zugang leisten. Zudem soll laut „Bild“-Zeitung und Sky auch Milot Rashica von Werder Bremen ein Kandidat sein. Innerhalb der letzten Monate waren unter anderen schon Mario Götze oder Julian Draxler in Berlin gehandelt worden.

          An großer Denke soll es auch als Tabellenfünfzehnte nach 19 Spieltagen und mit dem FC Bayern als nächstem Gegner nicht mangeln. Die Regie führt dabei offenbar Schmidt und nicht der mit den Preetz-Aufgaben bis zum Sommer betraute Sportdirektor Arne Friedrich. „Hertha war ein Aus- und Weiterbildungsverein unter Michael Preetz, übrigens sehr erfolgreich. Jetzt ist es ein Attacken-Klub. Wir wollen nach Europa und sagen es auch“, sprach der Vorsitzender der Geschäftsleitung über die grundsätzlichen Perspektiven trotz der aktuell prekären Lage. Die wollte der einstige Sky-Chef auch gar nicht leugnen: „Wir sind alle besorgt. Ich schlafe auch schlecht nach diesen Niederlagen-Serien.“

          Der Traum von Klopp

          Und doch scheint angesichts des laut Schmidt weiter guten Verhältnisses zu Investor Windhorst in Berlin so viel mehr möglich. Bei Sky wurde der neue starke Mann des Hauptstadtklubs auch darauf angesprochen, wie realistisch es sei, in der Zukunft Startrainer wie Jürgen Klopp anzulocken. „Wenn ich träumen dürfte, ist Jürgen Klopp eine faszinierende Persönlichkeit. Damit beschäftigt sich jeder in der Welt. Warum sollte Hertha BSC das ausschließen“, sagte Schmidt.

          Aktuell wirft die Transferbemühung um Khedira diverse Fragen auf. Auf keiner anderen Position hat Dardai so viele Optionen wie im zentralen, defensiven Mittelfeld. Der bisherige Rekordtransfer Lucas Tousart, Mattéo Guendouzi, Niklas Stark, Eduard Löwen und Santiago Ascacibar stehen schon zur Verfügung. Fraglich ist auch, ob Khedira überhaupt schnell helfen könnte. Mit Abstiegskampf hatte der Fußball-Stratege in seiner Karriere noch nie zu tun. Sein bisher letztes Profispiel bestritt Khedira im Juni 2020. In der Serie A spielte er letztmals vor Ausbruch der Corona-Krise. „Er hatte jetzt lange keine Wettkampfpraxis, deswegen sind noch viele Fragen zu klären“, gestand Schmidt.

          Khedira war 2015 von Real Madrid zu Juventus gewechselt. Zuvor hatte er fünf Jahre bei den Königlichen in Spanien gespielt. 2010 hatte er bei der WM in Südafrika den internationalen Durchbruch geschafft. Vier Jahre später wurde er mit der DFB-Auswahl in Brasilien Weltmeister. Nach dem WM-Debakel 2018 setzte Bundestrainer Joachim Löw nicht mehr auf den Schwaben in der Nationalmannschaft. Zuletzt hatte Khedira mehrfach gesundheitliche Probleme, musste sich unter anderem 2019 einer Herz-Operation unterziehen.

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