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Rückrundenstart : Bohren an Brettern

Meister muss man schon auch werden wollen: Borussia Dortmund geht mit zehn Punkten Vorsprung in die Rückrunde Bild: dpa

Das Schöne an dieser Bundesliga-Saison ist, dass selbst ein derart komfortabler Vorsprung zur Halbzeit, wie in Borussia Dortmund vorweisen kann, nicht als Garantie für Silberware im Mai angesehen werden kann.

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          Zehn Punkte? Sind ein Brett. So oder so ähnlich würde es Jürgen Klopp wahrscheinlich ausdrücken, wenn nicht seine Dortmunder, sondern irgendein anderer Klub mit diesem Abstand an der Tabellenspitze thronen würde. Wären es die Bayern, würde die Konkurrenz vermutlich gleich die Rollos runterlassen und sagen: Männer, lasst es sein, den Meister sehen wir dieses Jahr nur mit dem Fernglas. Das Schöne an dieser 48. Bundesliga-Saison ist aber, dass selbst ein derart komfortabler Vorsprung zur Halbzeit nicht als Garantie für Silberware im Mai angesehen werden kann. Natürlich wäre es eine große Überraschung – und aus Dortmunder Sicht allemal eine Riesenenttäuschung –, wenn jemand anderes als die Borussia am Ende als Klassenbester dastünde. Irgendwie aber scheint jeder, mit dem man sich über den Rückrundenauftakt an diesem Freitag unterhält, einen Rest von Zweifel in sich zu tragen: Dem westfälischen Meisterbraten traut man noch nicht so ganz.

          Am wenigsten hat das mit der Dortmunder Verbaldefensive in dieser Angelegenheit zu tun. Die Bögen, die Klopp und sein Team um das Meisterthema machen, sind nur ein Reflex auf die ermüdend-eintönigen Versuche der Medien, den Borussen das erste unvorsichtige Wort zu entlocken. Es ist davon auszugehen, dass intern eine andere Sprache gesprochen wird – zumindest, wenn es noch ein paar Wochen so rund läuft wie in der Vorrunde. Meister muss man schon auch werden wollen, das wird Klopp seinen Spielern gewiss zur rechten Zeit (und in blumigen Worten) nahebringen. Es ist aber – und das ist der wahre Grund für die Zweifel am schwarz-gelben Solo – auch nicht ausgeschlossen, dass diese Saison noch einmal eine unerwartete Volte nimmt. Vor einem halben Jahr schien ja auch ein Münchner Alleingang die einzige realistische Perspektive für diese Saison zu sein.

          Rechnungen dieser Art können auch am anderen Tabellenende aufgehen

          Nun liegen die Bayern 14 Punkte zurück, sind Mainz und Hannover in den Europacup-Rängen, Bremen und Wolfsburg im Abstiegskampf – wer würde angesichts solcher Unwägbarkeiten (zu denen auch der Beinahe-Kollaps des Hoffenheimer Modells gehört) noch bedenkenlos wetten, wie es 2011 weitergeht. Schon ein Leverkusener Sieg gegen den BVB an diesem Freitag kann eine neue Dynamik in Gang setzen, zumal Bayer mit allerhand personellen Reserven in das zweite Halbjahr geht. Zur Erinnerung, wie schnell es gehen kann: In der vergangenen Saison verlor Bayer noch den Champions-League-Platz an Bremen – trotz eines Vorsprungs von 16 Punkten nach 20 Spieltagen. Nicht nur deshalb wäre es auch ein Fehler, die Bayern vorzeitig abzuschreiben, die gut erholt und offenkundig hungrig aus der Winterpause kommen.

          Ob Rechnungen dieser Art auch am anderen Tabellenende aufgehen können? Zehn Punkte, das ist die kümmerliche Bilanz der Mönchengladbacher Borussia. Sieben Punkte beträgt der Rückstand auf Platz 15. Aus der Perspektive von Michael Frontzeck ist das gewiss: ein Brett.

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