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Rudi Völler im Gespräch : „Meine Frau sagt manchmal: Nimm dich ein wenig zurück“

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Optimistisch, aber gewarnt vor der Vorsaison: „Alles Lob gilt nur so kange, bis die Bundesliga losgeht“, sagt Rudi Völler. Bild: dpa

Mal Schlitzohr, mal Wüterich: Rudi Völler ist das Gesicht von Bayer Leverkusen. Im F.A.Z.-Interview spricht der Sportdirektor über seine Ausbrüche, den neuen Trainer, die Zukunft seines Stars und das Mindestziel in der neuen Saison.

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          Sie verkleinern gerade den Kader von Bayer Leverkusen ziemlich radikal ...

          Wir haben jetzt vier Jahre am Stück Champions League gespielt. Wenn man viele internationale Spiele bestreitet, müssen alle Mannschaften ihre Kader breiter aufstellen. Jetzt haben wir diese Situation leider nicht, international dabei zu sein. Auf der einen oder anderen Position haben wir einen Spieler zu viel, da ist es unsere Aufgabe, den Kader zu verkleinern, natürlich ohne dass wir Qualität verlieren, das ist ganz wichtig. Und am liebsten wollen wir in der kommenden Saison vor dem Problem stehen, den Kader wieder vergrößern zu müssen.

          Wie zufrieden sind Sie mit dem Stand der Verkäufe?

          Wir sind sehr zufrieden. Ömer Toprak haben wir für 12,5 Millionen Euro abgegeben. Mit den beiden weiteren Transfers von Kyriakos Papadopoulos und Hakan Calhanoglu hat uns das weit über 40 Millionen Euro eingebracht. Diese Verkäufe haben wir aber nicht getätigt, weil wir in der letzten Saison unsere Ziele nicht erreicht haben und das Geld jetzt einnehmen mussten. Wir sind selbstbewusst genug, zu sagen, dass wir diese Abgänge mit anderen Spielern auffangen können oder wunderbar noch auffangen werden, denn wir werden noch ein bisschen was tun auf dem Transfermarkt. Beispiel Hakan Calhanoglu. Da haben wir das Glück, mit Kai Havertz auf der Position von Hakan über einen eigenen Nachwuchsspieler zu verfügen, der hier groß geworden ist und schon im vergangenen Jahr als 17-Jähriger teilweise die Bundesliga aufgemischt hat. Ihm haben wir einen Fünfjahresvertrag gegeben, wir sind davon überzeugt, dass er das hier wunderbar machen wird.

          Es heißt, Kevin Kampl und auch Torjäger Chicharito stünden vor einem Wechsel. Wie ist der Stand der Dinge?

          Kevin Kampls Transfer nach China hat sich am letzten Wochenende zerschlagen. Aber das ist kein Problem. Kevin ist ein total anständiger Junge, er hat Topqualität, die er bis jetzt immer für den Klub eingebracht hat. Und das wird er auch weiterhin tun, das ist keine Frage. Bei Chicharito gibt es noch keinen neuen Stand. Er ist aufgrund seiner Qualität für viele interessant, wir bekommen oft Anfragen. Das warten wir gelassen ab, da kann auch später noch etwas passieren. Wir selbst hatten Chicharito ja vor zwei Jahren auch erst kurz vor Ladenschluss geholt.

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          Einem Weggang von Bernd Leno haben Sie eine Absage erteilt?

          Definitiv. Neapel hatte angefragt, wir hatten auch Kontakt, aber wir haben klar gesagt: keine Chance. Auch wenn es für Bernd beim Confederations Cup nicht so gelaufen ist, wie er sich das vorgestellt hat, ändert das nichts an unserer Wertschätzung und an unserer Einschätzung, dass er die klare Nummer zwei ist in Deutschland. Auch deshalb ist es für uns überhaupt kein Thema, ihn abzugeben.

          Wie unbefriedigend ist das für Sie, möglicherweise erst Ende August zu wissen, wer zur Verfügung steht?

          Die letzten Jahre haben gezeigt, dass das kein großer Nachteil sein muss. Natürlich möchte man den Kader schnell zusammenhaben, aber in England und Italien ist es üblich, dass viele Spieler in der letzten Augustwoche hin und her wechseln. Einer der sportlich und wirtschaftlich erfolgreichsten Transfers in der Geschichte von Bayer Leverkusen war vor zwei Jahren der Verkauf von Heung-min Son ANTWORT: in der letzten Augustwoche´ für knapp 30 Millionen Euro nach Tottenham. Für diese Summe haben wir dann Kevin Kampl und Chicharito gekauft. Es gibt Transfers, bei denen wir eben einen längeren Atem haben müssen.

          Die Chinesen haben horrende Summen auch für Spieler aus der Bundesliga investiert. Wohin entwickelt sich der Markt und die Preise?

          Es hängt immer davon ab, wie viel Geld im Markt ist. Allein durch die erhöhten Fernsehgelder steigen logischerweise europaweit die Ablösesummen und Gehälter. Das ist eine Entwicklung, die einem nicht gefallen muss. Aber das ist ein Kreislauf: Wir müssen heute mehr Geld bezahlen für Spieler, die wir verpflichten, wir bekommen aber auch immer sehr viel Geld für Spieler, die wir abgeben.

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