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Ärger in der Bundesliga : Die unsachliche Attacke des Rudi Völler

  • -Aktualisiert am

„Herr Aytekin hat offenbar beschlossen, heute nur für Schalke Elfmeter zu pfeifen“: Rudi Völler Bild: dpa

Mal wieder scheint Bayer Leverkusen die Qualifikation zur Champions League zu verspielen. Nach dem Remis gegen Schalke redet sich Rudi Völler in Rage – und hat es vor allem auf einen abgesehen.

          Der Frust musste raus. Wie schon so manches Mal, wenn Rudi Völler Ungerechtigkeit und zweierlei Maß im Fußball wittert. Aber nicht nur deshalb prangerte der Sportgeschäftsführer von Bayer Leverkusen die Leistung von Schiedsrichter Deniz Aytekin nach dem 1:1 seiner Mannschaft gegen den FC Schalke 04 an. Völler war vor allem darüber enttäuscht, dass die Rheinländer eine Woche nach ihrem 6:1-Triumph über Eintracht Frankfurt in ihrem Übereifer wie so oft in den vergangenen Jahren eine große Chance mangels professioneller Zielstrebigkeit nicht genutzt hatten.

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          Nur ein Remis gegen den Tabellenfünfzehnten, das wog schwer an diesem vorletzten Bundesliga-Spieltag, als die Werkself ihren Anspruch auf Platz vier und damit die Teilnahme an der nächsten Champions-League-Runde verfehlt hatte. „Leider haben wir eine schlechte zweite Halbzeit gespielt“, lautete Völlers sachlich richtige Kritik an der Leverkusener Leistung, die in ihrer besseren ersten Halbzeit deutlicher als 1:0 durch Kai Havertz’ sechzehnten Saisontreffer hätte in Führung gehen müssen.

          Dann aber kam alles anders wie so oft in der Leverkusener Bundesliga-Geschichte, die in ihren besten Jahren über die Nähe zum Titel nie hinauskam und deshalb immer wieder unvollendet anmutete. Dass Völler am Samstag auch persönlich wurde und Aytekin, einen der besten deutschen Unparteiischen, attackierte, war seinem Verdruss geschuldet, den er angesichts eines nun womöglich nicht mehr erreichbaren Saisonziels loswerden wollte. „Herr Aytekin hat beschlossen, dass es nur Elfmeter gibt, wenn ein Schalker Spieler fällt“, zeterte er beim Blick zurück auf eine ereignisreiche zweite Hälfte, in der der Spielleiter gleich dreimal die Hilfe des Videoassistenten in Anspruch nahm.

          „Ich denke, die Bilder zeigen, dass alles so in Ordnung war“, konterte der Fifa-Schiedsrichter den wütenden Völler, „dass wir die Technik so einsetzen wie heute, ist genau das, was der Fußball will.“ Zu Völlers unsachlicher Kritik merkte Aytekin an: „Ich weiß gar nicht, welche Szene man bemühen könnte, um seine Aussagen zu untermauern.“ Dreimal machte der Referee, bisher nicht dafür bekannt, sich über Gebühr oft mit der Kölner Videoassistenzzentrale kurzzuschließen, von dieser Möglichkeit Gebrauch.

          Zum Ersten beim Schalker Ausgleich durch Burgstaller (47. Minute), als es darum ging, ob dieser Treffer womöglich aus einer Abseitsposition erzielt worden war. War er nicht, und so zählte das 1:1. Zum Zweiten, als sich die Kölner Kollegen zuschalteten, da Aytekin Vollands Ellbogenstoß im eigenen Strafraum gegen den Schalker McKennie nicht gesehen hatte und Videoassistent Tobias Reichel um eine Überprüfung bat. Aytekin überprüfte und entschied sodann auf Strafstoß, mit dem Caligiuri am reaktionsschnellen Torhüter Hradecky scheiterte (53.). Zum Dritten, als Aytekin nach einem regelgerechten Zweikampf zwischen dem Leverkusener Tah und Embolo zum zweiten Mal einen Elfmeter für Schalke gab und bei der Ansicht der Bilder in der Review-Zone richtigerweise mangels Foulspiels wieder zurücknahm (72.).

          Dass er fünf Minuten nach einem Zweikampf zwischen Caligiuri und Baumgartlinger im Schalker Strafraum nicht auf den Punkt zeigte, sondern das Spiel weiterlaufen ließ, war eine situativ richtige Entscheidung, für die er keine kollegiale Unterstützung brauchte, auch wenn Völler sich im Nachhinein auf Volkes Stimme berief: „Alle im Stadion haben sich gewünscht, dass er sich die Szene mit Baumgartlinger noch einmal anschaut, wie er es ja auch vorher gemacht hat.“ Videobeweis per Volksabstimmung? So weit ist es mit dem Fußball nun auch noch nicht gekommen.

          So endete dieser Nachmittag, an dem Bayer Leverkusen seine vierzigjährige Zugehörigkeit zur Bundesliga feierte und des Aufstiegs in die höchste Spielklasse am 13. Mai 1979 gedachte, mit einem Gefühl des Missbehagens. Um am letzten Spieltag mit einem Sieg in Berlin noch Vierter zu werden, muss Bayer 04 darauf hoffen, dass Eintracht Frankfurt (beim FC Bayern München) und Borussia Mönchengladbach (gegen Borussia Dortmund) ihre Spiele nicht gewinnen. Rudi Völler tröstete sich fürs Erste mit der Aussicht darauf, Deniz Aytekin am Schauplatz Olympiastadion nicht schon wieder zu begegnen. „Ich bin mir relativ sicher, dass er nächste Woche nicht unser Schiedsrichter sein wird“, sagte er, „das beruhigt mich schon ein bisschen.“

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