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Rudi Völler in Rage : „Ach, der ist neutral!? Achsoooo“

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Ganz und gar nicht einer Meinung: Rudi Völler (rechts) mit dem Schiedsrichter-Gespann. Bild: dpa

Die Schiedsrichter-Unterbrechung in Leverkusen erhitzt die Gemüter. Auch bei Rudi Völler. Vor einem TV-Mikrofon redet er sich mächtig in Rage – und stellt eine „steile These“ auf.

          4 Min.

          So etwas hat es in der Fußball-Bundesliga noch nie gegeben. Leverkusens Trainer Roger Schmidt wird beim 0:1 gegen Borussia Dortmund wegen Meckerns von Schiedsrichter Felix Zwayer auf die Tribüne geschickt. Weil der Referee den Verweis nicht persönlich begründet, weigert sich der Coach, den Platz am Spielfeldrand zu verlassen. Daraufhin unterbricht Zwayer die Partie und schickt die Mannschaften für neun Minuten in die Kabine. Die Situation erhitzt die Gemüter – auch von Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler.

          Legendär ist dessen Wutausbruch im TV-Studio der ARD von 2003. Damals war er noch Teamchef der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Nach einem 0:0 in Island muss er sich der Kritik stellen – und steigerte sich bei Moderator Waldemar Hartmann in einen verbalen Vulkanausbruch. Auch am Sonntag redet sich Rudi Völler kurz nach dem Spiel im Interview mit Sky-Moderator Sebastian Hellmann mächtig in Rage. FAZ.NET protokolliert das emotionale Gespräch:

          Normalerweise dauert ein Spiel 90 Minuten, heute 99. Aus Ihrer Sicht: Was ist passiert bei der Unterbrechung?

          Ja, der Schiedsrichter meinte, es ein bisschen spannender machen zu müssen. Sicherlich kann man darüber diskutieren, ob unser Trainer auf die Tribüne muss oder nicht. Das liegt ja letztendlich in der Entscheidung des Schiedsrichters. Aber man kann es ihm auch vernünftig erklären. Das habe ich ihm (Schiedsrichter Zwayer) auch dann gesagt bei der Unterbrechung, warum er das nicht gemacht hat. Weil: So ein Spiel dann einfach zu unterbrechen und so eine Hektik reinzubringen, das war völlig unnötig.

          Ja, auf der anderen Seite: Wenn Roger Schmidt weiß, dass er hochmuss (auf die Tribüne) ...

          Ja.

          ... provoziert er ja auch den Abbruch. Weil, das Reglement sieht das vor: Wenn der Trainer nicht hochgeht, muss der Schiedsrichter das Spiel unterbrechen.

          Ja, aber warum geht denn der Schiedsrichter nicht hin und sagt: „Ich schicke Sie jetzt auf die Tribüne, weil ...“

          Das müssen wir jetzt Herrn Zwayer fragen ...

          ... das habe ich ihn auch gefragt, da konnte er mir keine Antwort geben.

          Immer wieder protestierte Leverkusens Trainer Schmidt. Bilderstrecke
          Immer wieder protestierte Leverkusens Trainer Schmidt. :

          Der Ursprung. Das Gegentor. Der Freistoß, der weiter vorne ausgeführt wird. Wie ist Ihre Sicht dazu?

          Er (Schiedsrichter Zwayer) steht ja daneben. Aber das sind Dinge, die dann trotzdem passieren. Das war eine Fehlentscheidung. Da verlange ich dann von Herrn Zwayer, dass er zu unserem Trainer geht und das erklärt. Ob das nun in der Regel steht oder nicht. Er muss sagen, so geht das nicht, dann müssen Sie auf die Tribüne. Das ist andern Trainern auch schon passiert.

          Muss ich mich als Trainer aber nicht fragen: Wie kann ich meiner Mannschaft jetzt den Impuls geben? Helfe ich ihr so oder nicht? Es ist ja klar: Runter muss er ja eh irgendwann.

          (zögert) Aber trotzdem, in so einer Situation ... Wir liegen hinten, dass dann ein wenig Hektik aufkommt, ist doch klar. Dann geh halt als Schiedsrichter hin und sag: „Pass auf, so und so. Jetzt gehst du hoch“. Ist meine Meinung. Aber wenn's anders im Regelwerk steht, haben wir wieder dazugelernt.

          So steht's im Regelwerk.

          (grummelt) Jaja.

          Wie haben Sie denn die Atmosphäre insgesamt wahrgenommen, Rudi Völler? Es gab viele Diskussionen mit dem Vierten Offiziellen. Roger Schmidt war sehr impulsiv während der 90 Minuten. Wie haben Sie das wahrgenommen?

          Aber das ist doch bei anderen Trainern auch. Das müssen wir jetzt gar nicht überbewerten. Das macht jeder Trainer ein bisschen, die sind alle unter Hochspannung. Klar, dann fühlt man sich auch ein bisschen ungerecht behandelt. Ist doch klar. War ja auch zu weit vorne (die Ausführung des Dortmunder Freistoßes vor dem 0:1), dann meckert man ein bisschen. Wenn man gestern Sky gesehen hat, dann haben das ganz viele Trainer gemacht am Spielfeldrand. Ich sage doch: Man kann natürlich auch unseren Trainer mal hochschicken, da geht die Welt nicht unter. Das kann passieren, das passiert anderen Trainern auch. Erklär's ihm halt vernünftig. (zögert einen Moment) Und vor allem auch: Dann so eine Nummer daraus zu machen, die Spieler müssen reingehen, als wäre hier was Furchtbares passiert, total übertrieben.

          Auch das muss Zwayer so machen, wenn er entscheidet, das Spiel zu unterbrechen.

          (wird jetzt wütend) Dann geh doch hin zum Trainer.

          Ja, ich sage doch nur, wie es in den Regeln steht.

          Ahjaaaja.

          So ist es nun einmal. Daran hält sich Herr Zwayer dann. Sowas hat es noch nie gegeben in der Bundesliga – eine Spielunterbrechung, weil ein Trainer nicht auf die Tribüne geht, wenn er vom Platz gestellt wird oder aus der Coaching-Zone muss.

          (wird jetzt richtig wütend) Aber er hat sich auch revanchiert, deswegen hat er auch den Elfmeter nicht gepfiffen (zeigt Richtung Strafraum, wo Dortmunds Sokratis den Ball mit dem Arm berührte). Das gleicht sich halt wieder aus.

          Das weiß ich jetzt nicht.

          Das sag ich aber.

          Steile These.

          Tja.

          Was ist, wenn Sie jetzt Roger Schmidt sehen, treffen.

          Ich hab ihn ja schon gesehen (zeigt Richtung Kabinengang).

          Was sagt er denn? Im Sinne des Vereins, im Sinne von Bayer 04 Leverkusen? Was sagen Sie ihm?

          Das wir hätten einen Elfmeter kriegen müssen. Was wollen Sie? Sagen Sie mal, was haben Sie denn jetzt mit dem Roger Schmidt? Was wollen Sie jetzt vom Roger Schmidt?

          Ich finde, er hätte hochgehen müssen, weil er die Situation ja so nicht retten kann. Er weiß doch, dass er hochmuss.

          Das hat doch aber nichts mit dem Resultat zu tun. Das ist doch viel wichtiger, dass der keinen Elfmeter gepfiffen hat. Oder finden Sie nicht?

          Ja. Ich meine doch nur ...

          Ja, was meinen Sie? Was?

          Gehen Sie davon aus, dass Roger Schmidt richtig gehandelt hat, indem er sich geweigert hat, hochzugehen? Er hat doch der Mannschaft nicht damit geholfen. Das meine ich.

          Wer hat uns denn mehr geschadet? Der Roger Schmidt oder der Schiedsrichter? Seien Sie mal ganz ehrlich jetzt!

          Der Schiedsrichter ist neutral.

          Ach, der ist neutral!? Achsoooo.

          Roger Schmidt ...

          Wer hat uns denn mehr geschadet?

          Geschadet, der Schiedsrichter schadet nicht ...

          Nein.

          Der Schiedsrichter schadet nicht ...

          Nein, nicht, wenn das Mikro aus ist, dann sagen, du hast ja Recht, Rudi. Sondern jetzt vorm Mikro.

          Nein, gar nicht. Ich sage, der Schiedsrichter ist neutral.

          Ich habe aber eine andere Frage gestellt.

          Ja. Ich sage nicht, dass der Schiedsrichter Ihnen geschadet hat. Er hat es falsch entschieden. Ganz bewusst: hat falsch entschieden.

          Ich sehe es aus Vereinssicht, der hat uns geschadet, ganz klar.

          Aber, Roger Schmidt ist ja Vereinsangestellter ...

          Vielleicht hat er den Fehler gemacht, nicht hochzugehen. Das muss man doch jetzt nicht so aufpumpen, die Nummer. Du brauchst doch die Mannschaften nicht reinzuschicken. Geh halt hin und sag: „Herr Schmidt, Sie müssen auf die Tribüne, weil Sie zu laut waren mit dem Vierten Offiziellen.“ Ja, dann wäre er hochgegangen. Ja, mach das doch. Warum hat er das nicht gemacht?

          Wir werden Herrn Zwayer fragen.

          Ja, dann frag ihn mal. Ciao.

          Ciao, Rudi.

          (Ein Interview mit Schiedsrichter Felix Zwayer finden Sie hier. Darin schildet er seine Sicht der Dinge und reagiert auf die Leverkusener Vorwürfe.)

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