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Rudi Assauer : Hart, aber herzlich

Die Zigarre gehörte bei Assauer dazu, auch bei der „Vier-Minuten-Meisterschaft“ 2001. Bild: dpa

Rudi Assauer folgte stets seinem Instinkt. Als Schalke-Manager prägte er einen Stil, den es im professionellen Fußball nicht mehr gibt. Ein Nachruf.

  • -Aktualisiert am

          Die Historie des FC Schalke 04 ist durchsetzt von Momenten des Schmerzes. Die Geschichten von verpassten Meisterschaften, von tiefen Abstürzen und von tragischen Schicksalen ehemaliger Helden sind oft erzählt worden. Am Mittwochnachmittag ist nun der schwer an Alzheimer erkrankte Rudi Assauer gestorben. Betrübliche Nachrichten dieser Art passen ins Bild von der verblühten Bergarbeiterstadt Gelsenkirchen, wo man an Leid gewöhnt ist, und vielleicht ist das der Grund dafür, dass die Schalker wirklich getrauert haben rund um ihr Pokalspiel gegen Fortuna Düsseldorf.

          Die Betroffenheit auf den Tribünen war nicht aufgesetzt, auch nicht hysterisch, sie war leise und schlicht. Als das Spiel angepfiffen wurde, hielten sich die Leute in der Nordkurve in den Armen und sangen ihre Traurigkeit voller Inbrunst in den Winterabend hinaus, um sich etwas später ganz ehrlich freuen zu können. Die Tore beim 4:1-Sieg wurden mit geradezu euphorischen „Rudi Assauer, schalalalala, Rudi Assauer, schalalalala!“-Gesängen bejubelt. Wunderbare Stadionmomente in einem traurigen Moment waren das.

          Assauer folgte seinen Instinkten

          Womöglich gibt es Leute, die eine derart offene Freude an solch einem Tag der Trauer anstößig finden, aber Assauer selbst hätte die Reaktion seiner königsblauen Gemeinde ganz sicher gut gefallen. Er war nie ein Freund von gekünstelten Inszenierungen, Etikette war ihm reichlich egal. Assauer folgte seinen Instinkten, es war also eine würdige Reaktion, dass an diesem Tag bei aller Trauer auch gefeiert wurde: ein schöner Sieg und ein ganz besonderer Mensch. „Ohne Rudi wären wir alle heute gar nicht hier“, hatte Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies vor der Partie ins Stadionmikrofon gerufen, Assauer sei der „Architekt des modernen Schalke“.

          Mittlerweile wird leicht vergessen, wie wahr diese Worte sind. Denn Assauer hat einen Klub, der während der achtziger Jahre zweimal in die zweite Liga abgestiegen war, der große finanzielle Probleme hatte, dem ein ähnliches Schicksal drohte wie Rot-Weiß Essen oder etwas später dem 1. FC Kaiserslautern, in eine Champions-League-Marke verwandelt. Und sein Erfolgsgeheimnis war ein Managementstil, der mittlerweile ausgestorben ist im professionellen Fußball. Im Rückblick lässt sich Assauer als wohltuender Gegenentwurf zu den studierten Betriebswirtschaftlern und den glatten Marketingexperten betrachten, die den professionalisierten Spitzenfußball heute lenken. Als Junge von der Straße, der fühlte wie viele Fans, der sich nie für seine Tränen schämte, als Mensch, der seinen Instinkten folgte statt computergenerierten Analysen. Und diese Instinkte führten zu großen Erfolgen, die im Uefa-Pokalsieg 1997 gipfelten. Woher er diese besondere Fähigkeit hatte, wird auf ewig rätselhaft bleiben, vielleicht war er ein Glückskind.

          Bilderstrecke

          Aufgewachsen ist Assauer in der Hertener Bergarbeitersiedlung Katzenbusch, fast alle hier malochten auf der Zeche Ewald. Der Vater war Stellmacher, die Mutter Hausfrau, die Zwillingsschwester war für die Hausaufgaben zuständig, hat er mal erzählt. Die Schule ist nie sein Ding gewesen, mit 14 Jahren begann er eine Lehre als Stahlbauschlosser, nebenher kickte er und wechselte im Alter von 20 Jahren von der Spielvereinigung Herten zu Borussia Dortmund, wo er zwei Jahre später als rustikaler Verteidiger an der Seite von Stan Libuda, Dieter Kurrat oder Aki Schmidt 1966 den Europapokal der Pokalsieger gewann. Es war der erste internationale Titel für einen deutschen Klub überhaupt. Von 1970 bis 1976 spielte er dann für Werder Bremen und wurde dort übergangslos vom Trainingsplatz in den Managerposten befördert. Seine Qualifikation: Fußballspieler mit abgeschlossener Lehre als Bankkaufmann, die er in seiner Dortmunder Zeit machte. Und Freund des offenen Wortes.

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