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Mainz 05 : Schröder beendet Spekulationen

Neuer Zusammenhalt: Rouven Schröder bleibt 05er Bild: dpa

Endlich herrscht Klarheit: Rouven Schröder bleibt Sportvorstand bei Mainz 05. In den vergangenen Wochen hatten Spekulationen um einen Abgang für Unruhe gesorgt.

          Die Pressemitteilung kam an Christi Himmelfahrt erstaunlich früh am Morgen. Kurz nach neun Uhr teilte Mainz 05 etwas mit, was freilich streng genommen gar keiner Mitteilung bedurft hätte: Rouven Schröder bleibt Sportvorstand des Fußball-Bundesligaklubs, der am vergangenen Wochenende mit dem 2:1-Sieg in Dortmund den Abstieg verhindert hatteund am Samstag entspannt den Saisonausklang gegen Werder Bremen in heimischer Arena bestreiten kann. Schröder wie auch der Klub hatten nach in Umlauf gekommenen Gerüchten über einen möglichen Wechsel Schröders zum HSV immer wieder bekundet, dass es einen Arbeitsvertrag gebe, der noch länger als zwei Jahre gültig sei. Aber solche Papiere haben im Fußball bekanntermaßen eine höchst eingeschränkte Aussagekraft.

          Zugleich gab es nämlich im Verlauf der vergangenen Saison gelegentlich Ungereimtheiten im Verhältnis zwischen Schröder und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Detlev Höhne. Im noch immer aufgrund der Nachwehen des Endes der Ära des zu Schalke 04 abgewanderten Managers Christian Heidel und des unschönen Abgangs des Präsidenten Harald Strutz sowie der Kurzzeit-Regentschaft von dessen Nachfolger Johannes Kaluza in höchster Unruhe befindlichen Verein führten diese Ungereimtheiten zu nahezu hysterischen Reaktionen. Äußerungen von Zweifel, die zum Verhältnis von Aufsichtsrat zu Vorstand gehören, wurden überhöht zu schwierigsten Zerwürfnissen. Der Nährboden für Spekulationen wurde hinreichend gepflegt.

          Schröder hatte größte Mühe, die Krise aus dem von ihm verantworteten sportlichen Bereich herauszuhalten und musste zugleich Verantwortung für andere Pflichten übernehmen, die eigentlich nicht zu seinem Tätigkeitsfeld gehören. Diese Situation hatte ihn belastet. Zudem sorgte Aufsichtsratschef Detlev Höhne zur Unzeit für Irritationen bei Schröder, als er ihm im Namen des Aufsichtsrats im Januar das „volle Vertrauen“ aussprach. Höhne behauptete später, dass er sich nicht bewusst gewesen sei, dass eine solche Formulierung im Fußball wie der Vorbote einer Suspendierung verstanden werde. Höhne betonte nun in der Pressemitteilung des Klubs abermals das „Vertrauen“, seine Worte mögen bei Schröder freilich mittlerweile anders ankommen als Folge des nun bald einjährigen Kennenlernprozesses.

          Am Mittwoch sollen Gespräche zwischen Vorstand, Aufsichtsratschef und auch Trainer Sandro Schwarz am Bruchweg nun die Gräben endgültig zugeschüttet haben. Eine ernsthafte Trennungsoption soll es auch zu Beginn dieses Gespräches nicht gegeben haben. „Nach der zweiten derartig emotionalen Saison ist es klar, dass man sich Gedanken macht“, sagte Schröder. „Natürlich müssen wir die Situation genau analysieren und uns fragen, wie wir gewisse Dinge angegangen sind und in Zukunft noch besser angehen können. Mitten in einer emotionalen Saison kann man solche Dinge gar nicht besprechen, weil man zu sehr mit den Aufgaben des Alltags beschäftigt ist. In den vergangenen Wochen ist alles zusammengewachsen bei uns.“

          Bekenntnis des Aufsichtsrats

          Zum zuletzt deutlich verbesserten internen Klima soll beigetragen haben, dass der Aufsichtsrat in jüngster Zeit nicht nur ein einstimmiges Bekenntnis zum Sportvorstand und auch dessen Festhalten an Trainer Sandro Schwarz selbst in schwierigster sportlicher Lage nach der 0:3-Niederlage bei Eintracht Frankfurt im März abgelegt hatte. Zudem soll es zu menschlichen Annäherungen gekommen sein, die Irritationen gerade zwischen Aufsichtsratschef Detlev Höhne und Schröder sowie Schwarz beseitigt hätten. Weiterhin hat sich das Verhältnis zwischen Klub und Fans verbessert, seit der Verein zu einem Fantreffen geladen hatte mit Trainer Schwarz sowie dem gesamten Vorstand.

          „Wir haben mit Rouven Schröder in den vergangenen Tagen im Hinblick auf die vergangene Saison und die gemeinsame Zukunft sehr offene und konstruktive Gespräche geführt, in denen ich das vom Aufsichtsrat bereits in der Vergangenheit klar ausgedrückte Vertrauen in ihn und auch unseren Trainer Sandro Schwarz deutlich unterstrichen habe“, sagt Aufsichtsratschef Höhne. „Der Verein braucht nicht nur kompetente und leidenschaftliche Persönlichkeiten wie Rouven Schröder, sondern auch Kontinuität in der sportlichen Führung.“

          Der ehemalige Bundesligaprofi war 2016 von Werder Bremen zunächst als Sportdirektor und Nachfolger von Christian Heidel nach Mainz gewechselt. Seit Juli 2017 ist er Sportvorstand der 05er, mit der Beförderung und Verlängerung des Vertrags wurde sein Einkommen nach Informationen dieser Zeitung nahezu verdoppelt und dem Niveau des Cheftrainergehalts angepasst.

          Schröder sieht sich nicht als Sieger eines Machtkampfs

          Die Entwicklungen der vergangenen Wochen dürften Schröder dazu bewogen haben, von Gedanken an einen Abschied aus Mainz abzusehen. „Das ist nach nur einem Jahr mit der neuen Struktur ein Prozess, und zwar für uns alle, vom Aufsichtsrat bis hin zu den Fans. Wir sind da meines Erachtens richtig gute Schritte gegangen“, sagte Schröder. „In Gesprächen mit unserem Vereinsvorsitzenden Stefan Hofmann, unserem Aufsichtsratsvorsitzenden Detlev Höhne und unserem Trainer Sandro Schwarz habe ich die für Mainz 05 insgesamt, aber auch für mich persönlich manchmal schwierige und vor allem sehr emotionale Saison aufgearbeitet.“

          Wie aus dem Klub zu erfahren ist, soll Schröder in den schlechtesten Phasen einer für die Mainzer sehr strapaziösen Saison mit insgesamt zehn Wochen auf dem Relegationsplatz auch an sich selbst gezweifelt haben, zumal immer vernehmbarer Vorwürfe aus dem Umfeld des Klubs laut wurden bezüglich der Transferpolitik in der laufenden Saison. Von einer Stärkung seiner Position nach Ende eines vermeintlichen Machtkampfs wollte Schröder nun nicht sprechen. „Machtkampf klingt mir zu politisch. Ich denke persönlich nicht in der Kategorie ,Meine Rolle ist jetzt gestärkt‘. Auch wenn es langweilig klingt - ich sage immer wieder, dass der Verein an oberster Stelle steht und jeder seine Rolle im Sinne des Vereins erfüllen muss.“ Schröder ist dazu bereit. Auch über diese Saison hinaus.

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