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Mainz 05 : Rosenmontagsarbeit an der Quote

Nach Rosenmontag geht es weiter: Der Franzose Jean-Philippe Mateta und Mainz 05 wollen effizienter werden. Bild: dpa

Eine Mannschaft im Reifeprozess: Die jungen Spieler von Mainz 05 müssen lernen, die Qualitäten effizient einzusetzen. Dafür baut Trainer Sandro Schwarz auch auf den Geist von Rosenmontag.

          Beim Rosenmontagszug fühlten sich Fans von Mainz 05 an so manches Spiel aus der Frühphase der laufenden Saison der Fußball-Bundesliga erinnert. Da gab es zahlreiche Begegnungen, in denen die Elf des Fußball-Bundesligaklubs eine Stunde lang ihre Spielidee auf den Rasen brachte, ehe plötzlich die Luft raus war und unnötige Niederlagen die Folge waren. Beim Umzug, den die Mannschaft zu Wochenbeginn nahezu komplett und sichtlich bester Laune auf einem Wagen absolvierte, erging es dem Team nun mit der fastnachtlichen Wurfware wie einst mit der Kondition. „Die Jungs haben derart heftig losgelegt, dass nach gut einer Stunde fast nichts mehr da war“, sagt Trainer Sandro Schwarz, der mit einer Lockenperücke „im Stil des ehemaligen Mainzer Innenverteidigers Andres Ramalho“ selbst mitgefahren war.

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          Der gebürtige Mainzer Schwarz, der den Rosenmontag nach vielen Jahren der Fastnachtsabstinenz endlich mal wieder genießen konnte, zeigte sich aber zuversichtlich, dass seine Spieler im kommenden Jahr ihre Schlüsse aus dem allzu verschwenderischen Umgang mit Bällen und Bonbons ziehen werden. „Dann wissen sie, dass man sich die Kräfte einteilen muss auf den sieben Kilometern Wegstrecke“, sagte Schwarz. Der 40 Jahre alte Trainer zeigte sich sicher, dass das Gemeinschaftserlebnis auch für seine der Mainzer Kultur noch etwas ferneren Akteure wie den Franzosen Niakhaté und Mateta oder den Spanier Aaron einen zusätzlichen Schub gibt. „Sie haben stundenlang in strahlende Gesichter geschaut und selbst stundenlang gelacht. Ich halte es für wichtig, dass man als Spieler so lernt, für was für eine Stadt und welche Menschen man da spielt“, sagte er.

          Große Pläne mit der Fastnacht

          Die Teilnahme am Zug, in der Vergangenheit stets nur ausnahmsweise von den Vereinsoberen genehmigt, soll auf Geheiß der neuen Vereinsführung rund um den Vorsitzenden Stefan Hofmann auch wegen der positiven Erfahrungen bei  der Fastnachtssitzung im Januar zum Zwecke der Pflege der eigenen Vereinsidentität schließlich fortan zur jährlichen Routine werden. Die nächste Sitzung ist zudem bereits auf den 21. Januar 2020 terminiert, lediglich bezüglich der Rolle des SItzungspräsidenten Andreas Schmitt ist in Fankreisen eine gewisse Skepsis entstanden, nachdem der prominente und von den 05ern auch als Werbefigur genutzte Fastnachter in der Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ vor einem Millionenpublikum in der ARD seine Sympathie ausgerechnet mit dem alten Rivalen 1. FC Kaiserslautern zum Ausdruck gebracht hatte. Schmitt selbst steht freilich seit jeher zu seiner Anhängerschaft zu beiden rheinland-pfälzischen Vereinen, also sowohl zum Traditionsklub aus der Pfalz mit all seinen Erfolgen in der Vergangenheit wie auch zu den aufstrebenden Mainzern, die dem FCK in der Gegenwart weit enteilt sind.

          Für den Umzug gibt es derweil auch schon neue Pläne: Schon im kommenden Jahr soll die dieses Mal noch auf einem etwas kümmerlichen Gefährt kutschierte Mannschaft mit einem deutlich größeren Wagen samt spektakulärerem Auftritt beim Rosenmontagszug mitfahren. Die Planungen soll der am Montag erstmals mit der Straßenfastnacht konfrontierte Marketingchef Michael Welling in die Hand nehmen. Ehe die nächste Kampagne beginnt, will Mainz 05 sich aber erst einmal wieder um den Fußball kümmern. An diesem Samstag (18.30 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und Sky) wartet im Heimspiel in der eigenen Arena Borussia Mönchengladbach als Gegner.

          Absicherung einbauen, Gladbach ausbremsen

          Dann wird sich weisen, ob es einen direkten Werbeeffekt der Zugteilnahme gibt und womöglich ein paar mehr Zuschauer als zuletzt ins Stadion pilgern. Der Klub erwartet immerhin 30.000 Fans, obgleich das Hinspiel noch in schlechter Erinnerung ist: Borussen-Mittelfeldspieler Jonas Hofmann erlegte seinen früheren Klub beim 4:0 mit drei Treffern fast im Alleingang. Die Elf vom Niederrhein war bei ihren Kontern schlicht zu schnell für die Mainzer Defensive.

          Ähnliches soll im Rückspiel nicht passieren. Und deshalb hat Schwarz tagelang über die richtige Herangehensweise gegrübelt. So ist eine Abkehr von der eigentlich in dieser Saison erfolgreichen Grundformation mit einer Mittelfeldraute möglich, um den Geschwindigkeitsdefiziten im Vergleich zum Gegner durch eine zusätzliche Absicherung in der hintersten Reihe begegnen zu können. Und im Offensivspiel hofft Schwarz darauf, dass die Spieler effizienter zu Werke gehen als zuletzt in Berlin. Dort landete der Ball nach Großchancen beispielsweise von Anthony Ujah an der Latte oder knapp neben dem Tor statt im Netz.

          Mehr Effizienz

          „Es geht bei uns in allen Bereichen um die Quote“, sagt Schwarz. Er meinte sowohl die Quote bei Flanken oder Pässen und selbstredend auch in den entscheidenden Zweikämpfen sowie natürlich beim Verteidigen gegnerischer Standards, was bei der 1:2-Niederlage bei Hertha BSC die möglichen Punkte kostete. Und selbstredend steckt Schwarz mit seinem Trainerteam auch viel Energie in die Arbeit an der Quote, die am entscheidendsten ist: Die Stürmer wie der nach einer Gelbsperre wohl wieder in die Startelf zurückkehrende Jean-Paul Boetius oder Robin Quaison sollen effektiver werden. Schwarz setzt den Hebel dabei in der Analyse des Abschlussverhaltens und Hinweisen auf grundlegende Schwächen beim Torschuss an. Zudem hofft er auf einen Reifeprozess seines jungen Torjägers Jean-Philippe Mateta, der immerhin schon sieben Treffer erzielt hat, aber nach einem Formtief in jüngster Zeit sicherlich noch erfolgreicher zu Werke gehen könnte.

          Beim Rosenmontagszug konnte der 21 Jahre alte Franzose immerhin ein wenig Selbstvertrauen bezüglich seiner Treffsicherheit sammeln: Mateta wurde in der Kaiserstraße beobachtet, wie er die roten Bällchen mit Vereinslogo, die als Wurfware unter den Besuchern hoch im Kurs standen, vom Mainzer Wagen aus erstaunlich zielsicher an die glücklichen Adressaten auf den Balkonen am Straßenrand warf.

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