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Eintracht Frankfurt : Ronaldo lässt grüßen

  • -Aktualisiert am

Wieder gelandet: Timothy Chandler nach seinem Tor. Bild: dpa

„Gefühl der Erleichterung“: Timothy Chandlers Flugeinlage beendet die Ergebnis-Krise der Eintracht. Der neue Plan mit einer Vierer-Abwehrkette geht auf.

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          Es ist eine Parallele, die sich bis Samstag die wenigsten hätten vorstellen können: Timothy Chandler auf einer Stufe mit Cristiano Ronaldo. Mijat Gacinovic traute seinen Augen jedenfalls kaum, als der Eintracht-Kollege in Hoffenheim für die Krönung des Frankfurter Rückrundenauftakts sorgte: „Ich wusste nicht, ob das Ronaldo war oder Timmy. Was war das bitte für ein Sprung?“, beschrieb der Serbe die Szene in der 62. Minute, bei der Timothy Chandler unaufhaltsam zur Tat schritt.

          Bundesliga

          Sein Kopfball, der den ersehnten Erfolg sicherte, erinnerte in seiner formvollendeten Ausführung durchaus an das Kunststück, mit dem CR7 kurz vor Weihnachten in der Seria A hatte aufhorchen lassen, als er bei seinem Siegtreffer für Juventus Turin in Genua in 2,56 Meter Höhe eine Flanke spektakulär verwandelte.

          Der 1,86 Meter große Chandler ließ sich beim Volltreffer zum Start in die zweite Saisonhälfte weder im Tempo, mit dem er in den Strafraum vorstieß, noch bei seiner Zielstrebigkeit, mit der er die Hereingabe von Filip Kostic im Strafraum gegen die Laufrichtung des Torhüters beschleunigte, vom acht Zentimeter kleineren Gegenspieler Kostas Stafylidis bremsen. Philipp Pentke streckte sich vergebens.

          Erstes Saisontor für Chandler

          Es sei ihm nicht klar gewesen, dass Chandler „so hoch“ springen könne, sagte Eintracht-Trainer Adi Hütter später über den Knaller des Matchwinners, der sich auf dem Rasen für seine Darbietung vor der Frankfurter Fankurve feiern ließ – und hinterher am liebsten wenig Aufhebens um die Aktion gemacht hätte, die das 2:1 und damit den Auswärtssieg brachte. Der Ball sei von Vorarbeiter Filip Kostic so gekonnt vom linken Flügel aufgelegt worden, dass er ihm „gut“ aufs Haupt „und hinten reinfiel“, wie Chandler meinte, der bislang nur ausnahmsweise als Goalgetter von sich reden machte.

          In Hoffenheim erzielte er im neunten Liga-Einsatz sein erstes Tor; die vorige Saison verpasste er wegen eines Knorpelschadens im Knie nahezu komplett. „Ich komme aus einer sehr langen Verletzung und habe mich langsam herangekämpft“, sagte er während des Trainingslagers in Amerika. In den abschließenden drei Spielen vor den Weihnachtsferien stand Chandler durchgängig auf dem Feld. Das zeigte ihm, wie er betonte, „dass der Trainer weiß, dass ich da bin“. Bis heute stehen für den Deutsch-Amerikaner 220 Partien im Eintracht-Trikot zu Buche, wobei er es auf neun Treffer brachte. Nun liegt eine komplikationslose Vorbereitung hinter dem Kabinen-Scherzkeks, zu dessen Stärken ein hohes Laufpensum mit Sprints „in die Tiefe“ und Vorstöße zählen, „die den Weg für andere freimachen“. Seine Aufgabe für das Team formulierte Chandler kurz und knapp: „Egal, ob links oder rechts, vorne oder hinten. Ich haue immer alles raus, was ich habe. Und ich habe gerade viel reinzuhauen, weil ich viel Kraft habe.“

          Die Führung in Hoffenheim, die Bas Dost gelang (12.), hatte Chandler mit einem gewonnenen Zweikampf eingeleitet. „Wir haben gekämpft, taktisch super gespielt und Mentalität gezeigt“, bilanzierte der 29-Jährige, der mit seiner Flexibilität im neuen System, bei dem zwei Spieler jeweils die Außenbahn besetzen, eine größere Bedeutung erlangen dürfte. „So muss es einfach weitergehen“, sagte Chandler. Auch Hütter machte aus seiner Erleichterung keinen Hehl. Er fasste die Ereignisse als „Befreiungsschlag“ zusammen, die bei ihm wie bei allen anderen der zuletzt so oft von sich und der Fußball-Welt enttäuschten Frankfurter Protagonisten für ein „Gefühl der Erleichterung“ sorgten: „Wichtig ist, dass wieder Selbstvertrauen da ist.“ Erstmals seit dem 2. November (5:1 gegen den FC Bayern) konnte die Eintracht wieder drei Punkte für sich verbuchen. Sieben Partien mit sechs Niederlagen und nur einem Remis hatten zuvor allenthalben aufs Gemüt geschlagen.

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