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0:1 im Bundesliga-Klassiker : Der BVB hat die Bayern aus den Augen verloren

  • -Aktualisiert am

34 Punkte Rückstand auf die Bayern – das hatte sich BVB-Trainer Klopp ganz anders vorgestellt Bild: Imago

Nach dem 0:1 gegen die Bayern liegen 34 Punkte zwischen dem BVB und den Münchnern. Bei der Niederlage wird das Dortmunder Dilemma in dieser Saison deutlich. Trainer Klopp gerät dennoch kurz ins Schwärmen – und wehrt sich gegen Kritik an Hummels.

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          Das Spiel war noch nicht lange abgepfiffen, da äußerte Jürgen Klopp einen Wunsch. „Bitte keine weiteren Fragen zu Lewi, er ist nicht mehr mein Spieler“, sagte der Trainer von Borussia Dortmund nach der 0:1-Niederlage gegen den FC Bayern. Mit „Lewi“ meinte er Robert Lewandowski. Über den polnischen Torjäger zu sprechen hätte für Klopp wohl bedeutet, noch mehr zu schwärmen, als er es zuvor schon getan hatte.

          Und beim Schwärmen wäre er wahrscheinlich wehmütig geworden. In den Jahren der Zusammenarbeit mit Klopp war Lewandowski zu einem Weltklassestürmer gereift, ehe er nach München wechselte. Dort wirkt er noch nicht so auffällig, so herausragend wie einst in Dortmund. Aber mehr und mehr weiß Lewandowski auch im Bayern-Trikot dafür zu sorgen, dass seine außergewöhnliche Klasse sich durchsetzt.

          Ein beredtes Beispiel dafür lieferte das Tor, mit dem er den Bundesligaklassiker entschied. Mit dem Rücken zum Tor gewann Lewandowski am Mittelkreis einen Zweikampf gegen Mats Hummels, der ein wenig zu früh attackiert hatte, und schickte den Ball sofort in die Spitze zu Thomas Müller.

          Bayern obenauf: Rafinha ist das i-Tüpfelchen beim Jubel der Münchner in Dortmund Bilderstrecke

          „Das hat er einfach gut gemacht“, sagte Klopp. Nicht nur das. Nachdem Roman Weidenfeller, der Torhüter des BVB, Müllers Schuss noch entschärft hatte, erzielte Lewandowski im Nachsetzen den einzigen Treffer (36. Minute) und entschied ein Spiel, in dem es kaum Chancen gab, genau genommen nur zwei für jede der beiden Mannschaften.

          Später diskutierten Fachleute darüber, wie viel Schuld an diesem Gegentor Hummels anzulasten war. Beim ihm wurde vermutlich auch deshalb besonders genau hingeschaut, weil der Dortmunder Abwehrchef vor kurzem Gedanken über einen möglichen Wechsel ins Ausland formuliert hatte, wenn auch ohne ein konkretes Ziel oder einen konkreten Zeitpunkt zu nennen. Seine Äußerungen zu diesem Thema hatten Unruhe erzeugt. Um so mehr schien es seinem Vorgesetzten geboten, Hummels nicht auch noch mit Schuldzuweisungen zu belasten nach dieser Dortmunder Niederlage, die eine Serie von sieben Begegnungen ohne Niederlage (fünf Siege und zwei Unentschieden) beendete.

          Also nahm Klopp seinen Kapitän, so gut es ging, in Schutz, wie er es meistens zu tun pflegt, wenn einer seiner Männer Gefahr läuft, öffentlicher Kritik ausgesetzt zu werden. „Mats ist eigentlich gut im Zweikampf, nur müssen wir den gewinnen.“ Der Zweikampf ging jedoch zugunsten des Angreifers aus, und es entstand ein Bild mit Symbolwert: Hummels am Boden, Müller und Lewandowski auf dem Weg zum Siegtreffer. „Wir dürfen eigentlich kein Tor kassieren, wenn der Gegner nur zwei Spieler für die Offensive auf dem Platz hat“, sagte Hummels. „Die beiden sind aber richtig gut und haben es in der einen Situation sehr gut gemacht.“

          Die Münchner ließen den Schützen hochleben und ihrer Begeisterung freien Lauf, als hätten sie schon gespürt, dass ein Tor genügen würde, dieses Spiel zu gewinnen. Lewandowski selbst zog es vor, sich still zu freuen. Triumphgeheul erschien ihm unpassend an seinem früheren Arbeitsplatz; dort, wo er in Schwarz und Gelb so manches Fußballfest gefeiert hatte, darunter zwei deutsche Meisterschaften und einen Pokalsieg. „Ich hatte hier vier schöne Jahre“, sagte der Torjäger. Dem BVB und dessen Anhängern begegne er „immer noch mit Respekt“, deshalb habe er darauf verzichtet zu jubeln.

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