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Robert Lewandowski : Kühl bis ans Herz

Eine Klasse für sich: Lewandowski zuzuschauen, ist eine Freude. Bild: dpa

So gnadenlos effektiv Robert Lewandowski ist, so reserviert gab er sich meistens beim BVB. Im Pokalfinale dürfte er für die Bayern, seinen neuen Klub, die größte Gefahr sein.

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          Von all den Toren, die Robert Lewandowski in seinen vier Jahren bei Borussia Dortmund geschossen hat, sticht ein Treffer heraus. Es ist zwar eine ganze Menge an Mustern dabei herausgekommen, denn der Pole hat schließlich 74-mal in der Bundesliga getroffen, bis zu dem Finale an diesem Wochenende gegen Bayern München, dazu zehnmal im Pokalwettbewerb und 22-mal in europäischen Wettbewerben. Aber dieses Tor zum 3:1 gegen Real Madrid beim 4:1-Sieg im Halbfinale der Champions League vor einem Jahr verdient einen Sonderstatus. „Allein dieser Treffer zeigt, dass all die Millionen, die Sky und das ZDF für die Übertragungsrechte bezahlen, jeden Cent wert sind“, sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp damals. Wild hatte der Dortmunder Verteidiger Marcel Schmelzer auf das Tor geschossen, und der Ball wäre irgendwohin geflogen, wäre da nicht der rechte Fuß Lewandowskis gewesen. Er stoppte den Ball, zog ihn in einer fließenden Bewegung Richtung eigenen Körper und weg vom Gegenspieler, verzögerte einen Sekundenbruchteil, der ausreichte, dass Reals Innenverteidiger Pepe zur Abwehr des erwarteten Schusses ins Parterre ging und drosch den Ball dann ohne erkennbare Ausholbewegung mit Vehemenz unter die Latte.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Alle vier BVB-Treffer erzielte Lewandowski in diesem Spiel, was noch keinem Spieler in einem Halbfinale der Champions League gelungen war, und doch ist dieses 3:1 etwas Besonderes. In einer einzigen Aktion zeigte sich alles von dem, was den Polen zu einem besonderen Spieler macht. Er ist reaktions- und gedankenschnell, dabei kühl in seinem Handeln. Obwohl umringt von Gegenspielern, war diese Aktion von Lewandowski kaum zu verhindern für Real, und der Treffer ist so schön und mitreißend, dass man sich ihn immer wieder anschauen könnte.

          Eine klare Kampfansage an Borussia Dortmund

          Vermutlich ist es kein Zufall, dass ausgerechnet dieser Abend der spektakulärste Auftritt Lewandowskis im Dortmunder Trikot wurde. Der Verein stand quasi in Flammen durch die Nachricht des Vortages, dass sich die Bayern das Dortmunder Juwel Mario Götze gesichert hatten. Es war die klare Kampfansage, dass die Münchner den lästig gewordenen Herausforderer kleinhalten und da treffen wollten, wo es der Borussia besonders weh tun musste. Aber es war auch eine Nachricht, die Lewandowski mehr als jeden anderen BVB-Spieler hätte beschäftigen müssen, sah er doch vor einem Jahr seine eigene unmittelbare Zukunft selbst bei den Bayern. Im Sommer 2013 wollte auch er die Seiten wechseln, und dass dieses Vorhaben nun zumindest sehr erschwert, wenn nicht unmöglich sein würde, dürfte ihm sofort bewusst gewesen sein. Aber er schoss völlig ungerührt vier Tore, und der Satz, den Jürgen Klopp an diesem Abend mit sehr viel Überzeugung sprach, sollte sich trotz aller in den folgenden Monaten anschließenden Scharmützel mit den Beratern Lewandowskis und den Bayern bewahrheiten: „Er wird auch in der nächsten Saison bei uns spielen, da bin ich mir ganz sicher.“

          Vier gegen Real: Lewandowskis größter Tag.
          Vier gegen Real: Lewandowskis größter Tag. : Bild: dpa

          Ob das eine gute Nachricht war, davon waren nicht alle Fans der Borussia überzeugt, die ihr Sturm-Ass am liebsten sofort versilbert hätten und gegen eine hohe Ablöse nach München verkauft wünschten. Kann einer, der am liebsten woanders spielen möchte, noch seine Leistung bringen, wenn er zum Bleiben gezwungen wird? Das war die Kernfrage vor Beginn dieser Saison, deren Antwort viele zu kennen glaubten. Auch Klopp, der aber sicher war, dass Lewandowski seine Arbeit erledigen würde, als wäre nichts gewesen. Die Borussia tat ein übriges, um die Motivation hoch zu halten und erhöhte das Gehalt deutlich, was ebenfalls in den eigenen Reihen kritisiert worden war. Die Dortmunder Rechnung war dabei relativ einfach – mit Lewandowski erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit drastisch, abermals die Qualifikation für die Champions League zu erreichen, und durch die dann garantierten Einnahmen wäre die entgangene Ablösesumme bei einem sofortigen Wechsel nicht mehr so dramatisch. Eine nüchterne Gewinn-und-Verlust-Rechnung, die aufging – und doch am seidenen Faden hing.

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