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Robert Lewandowski : Der nächste Bayern-Borusse

  • -Aktualisiert am

Nie mehr umzingelt von Bayern: Der Dortmunder Robert Lewandowski wechselt die Seiten Bild: picture alliance / Sven Simon

Ende eines Wechseltheaters: Robert Lewandowski unterschreibt für fünf Jahre bei Bayern München. Borussia Dortmund reagiert gelassener als beim Verlust von Mario Götze.

          Es war eine lange Geschichte, aber keine unendliche. Seit vielen Monaten stand zu erwarten, dass Robert Lewandowski, einer der besten Stürmer der Welt, Borussia Dortmund verlassen würde. Am Samstag wurde diese Annahme auch offiziell von der Spekulation zur Nachricht hoch gestuft. Die Klubführung des FC Bayern sowie die Geschäftsführung der Borussia bestätigten, dass Lewandowski sich nach dieser Saison den Münchnern anschließen werde. Einen Tag vor dem Trainingsstart der BVB-Profis reiste Lewandowski gemeinsam mit seinen beiden Beratern, die den Wechsel mehrmals vorausgesagt hatten, nach München und erschien zum Medizin-Check bei Dr. Müller-Wohlfahrt, dem Vereinsarzt des FC Bayern.

          Nachdem der Pole die Untersuchung erfolgreich hinter sich gebracht hatte, unterschrieb er einen vom 1. Juli an geltenden Fünfjahresvertrag bis 30. Juni 2019. „Wir sind sehr zufrieden, dass uns dieser Transfer gelungen ist“, sagte der Bayern-Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge in einer Presseerklärung: „Robert Lewandowski ist einer der weltweit besten Stürmer, er wird den Kader des FC Bayern verstärken und uns nochmals einen Schub geben.“

          Lewandowski hatte den Wechsel lange angekündigt

          Der BVB dagegen verliert innerhalb eines Jahres den zweiten Leistungsträger an den deutschen Fußball-Rekordmeister. Vor der aktuellen Spielzeit war der hochbegabte Mittelfeldstratege Mario Götze aus dem Ruhrgebiet an die Isar gewechselt. Anders als beim Bekanntwerden dieses Wechsels, der in Dortmund Empörung hervorgerufen hatte, nahm der abgebende Verein den Weggang Lewandowskis gelassen zur Kenntnis. „Das kommt nicht überraschend, es ist ein ganz normaler Vorgang“, sagte Hans-Joachim Watzke, Vorsitzender der BVB-Geschäftsführung, im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. In den vergangenen Wochen sei „klar gewesen“, dass es so kommen würde.

          Während der Wechsel Götzes die Dortmunder überraschend getroffen hatte, hatten sie diesmal reichlich Zeit, sich an den Gedanken zu gewöhnen, einen ihrer wichtigsten Spieler an die Münchner zu verlieren. Lewandowski hatte stets offen bekannt, dass der FC Bayern sein Wunschverein für den nächsten Karriereschritt sei. Diesen Schritt hätte der Angreifer gern schon im vorigen Sommer gemacht; vor knapp einem Jahr hatte er angekündigt, seinen Vertrag in Dortmund nicht zu verlängern. Sein Arbeitgeber blieb jedoch hart und verweigerte Lewandowski die Freigabe, obwohl eine Transferentschädigung von mehr als zwanzig Millionen Euro in Rede stand.

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          Die Vereinsstrategen, vor allem Trainer Jürgen Klopp, wollten nicht das Risiko eingehen, Götze und Lewandowski gleichzeitig zu verlieren und derart geschwächt vielleicht sportliche Ziele zu verfehlen – die Dortmunder streben die Qualifikation für die Champions League, möglichst als Bundesliga-Zweiter, an und wollen im laufenden Wettbewerb der europäischen Königsklasse abermals weit kommen. Also erschien es ihnen – sportlich und wirtschaftlich – sinnvoll, Lewandowski bis zum Vertragsende im Juni dieses Jahres zu behalten, obwohl er danach ablösefrei wechseln kann.

          Bis dahin haben die Dortmunder Zeit, einen Nachfolger für den polnischen Nationalstürmer zu finden. Julian Schieber, der Dortmunder „Backup“ für die Position des zentralen Stürmers, hat sich in den zurückliegenden anderthalb Jahren nicht annähernd als adäquater Ersatz empfehlen können. Einen Spieler wie Lewandowski zu ersetzen, erfordert außergewöhnliche Fähigkeiten. Das belegen nicht nur die 65 Tore in bislang 115 Bundesligaspielen für Dortmund, sondern auch seine Begabung als „spielender“ Stürmer. Lewandowski besitzt eine ausgefeilte Technik und ein hohes taktisches Verständnis, nicht zuletzt deshalb erfüllt er das Anforderungsprofil des Bayern-Trainers Pep Guardiola.

          BVB will Verlust auffangen

          Da die Borussen seit längerem wissen, dass eine wichtige Leerstelle zu besetzen sein wird, hat die Suche nach einem Ersatz längst begonnen. „Unser Sportdirektor Michael Zorc arbeitet mit Hochdruck daran, eine Alternative zu finden“, sagt Watzke. Der Geschäftsführer glaubt, der solvente Revierklub werde den Verlust auffangen. „Natürlich verlieren wir ungern so einen Spieler, aber Borussia Dortmund wird weiter Fußball spielen.“ Watzke sagt, er hege „nicht den geringsten Zweifel daran“, dass der Klub sich weiter auf den Stürmer verlassen könne. Wie gewissenhaft Lewandowski seine BVB-Aufgabe zu Ende führen wolle und werde, habe sich in der Hinrunde gezeigt.

          Anfangs kritisch beäugt, versah der 25 Jahre alte Stürmer professionell seinen Dienst und ließ sich durch die immer wieder aufkommenden Spekulationen nicht stören, vermutlich weil er längst wusste, dass der Wechsel zu seinem Wunschverein nur noch eine Frage der Zeit war. Einem Dortmunder Trend folgend, vergab auch Lewandowski mitunter (zu) viele Chancen, setzte sich aber, gleichauf mit dem Berliner Adrian Ramos (elf Treffer), dennoch wieder an die Spitze der Bundesliga-Schützenliste und trug dazu bei, dass seine Mannschaft in der Champions League als Gruppensieger das Achtelfinale erreicht hat. Im Sommer hatte Lewandowski dem Management des BVB zwar Wortbruch vorgeworfen; angeblich war ihm in Aussicht gestellt worden, vorzeitig wechseln zu können. Doch die Dissonanzen waren spätestens ausgeräumt, als der Klub das Gehalt des Angreifers erhöhte.

          Während die Umstände von Götzes Wechsels die Beziehungen zwischen Dortmund und Bayern erheblich belastet hatten, sieht Watzke nicht die Gefahr, dass der nun anstehende Transfer das Verhältnis zusätzlich eintrüben könnte. „Formal ist alles korrekt gelaufen. Wir sind rechtzeitig informiert worden, alle Beteiligten haben sich ausgetauscht“, sagt er. In dieser Saison hat sich der sportliche Wettbewerb, zumindest in der Bundesliga, erst einmal entschärft. Dortmund besitzt keine realistische Chance mehr auf den Meistertitel – auch mit Lewandowski nicht. Ein Interessenkonflikt bei dem wechselwilligen Angreifer steht also nicht zu befürchten.

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