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Robbens Tor und Bayerns Klasse : Serve and volley um alles oder nichts

„Mach's nicht mit Kraft. Mach's mit Technik”: Arjen Robben schießt Bayern München ins Halbfinale der Champions League Bild: REUTERS

Geniestreich der Münchner Flügelmaestros: Ribéry legt auf, Robben macht daraus ein Kunstwerk. Mit dem Tor des Holländers zur 2:3-Niederlage in Manchester erobert der FC Bayern Spiel, Satz und Sieg. Im Halbfinale der Champions League wartet Olympique Lyon.

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          Im Tennis ist es eine aussterbende Kunst. Im Fußball haben es Franck Ribéry und Arjen Robben zur Krönung eines einmaligen Champions-League-Abends auf eigene Weise neu erfunden: Serve and volley. „Wenn sie das im Training zwanzigmal versuchen, geht der Ball nie rein, selbst ohne Torwart“, sagte Kollege Ivica Olic. Aber es war kein Training, es war auch kein Spiel mehr, es war der Moment für alles oder nichts.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Also einer der Momente, in denen Arjen Robben seine Tore für das fotografische Gedächtnis von Fußballfans aus dem Hut zaubert. Wie sein Achtzig-Meter-Solo in der Schalker Pokalverlängerung. Oder seinen Präzisionsschuss im Champions-League-Achtelfinale in Florenz. Selbst der Überflieger Lionel Messi schießt nicht die Tore, die Arjen Robben derzeit schießt.

          „So kann man das nicht trainieren“, sagte Robben über sein Tor aus der 74. Minute zum 2:3 im Old Trafford. Es war für den FC Bayern nach dem 2:1 im Hinspiel das Tor zum Halbfinale gegen Olympique Lyon am 21. April in München und am 27. April in Lyon, dem ersten seit 2001. „Franck sah mich frei am hinteren Strafraumeck, und als der Ball lang zu mir flog, hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Ich dachte: Mach’s nicht mit Kraft, sonst fliegt er auf die Tribüne. Mach’s mit Technik.“ Es war das geniale Zusammenspiel der beiden Flügel-Maestros, die sonst allenfalls in Kontersituationen in ein direktes Zusammenspiel kommen. Der eine legte etwas in die Luft, der andere machte ein schwereloses Kunstwerk daraus – mit scharfer Kurve ins lange Eck. Serve and volley für „Robbery“, Spiel, Satz und Sieg für den FC Bayern.

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          Tempo, Pressing Flügelkunst - und dann ein Tor wie aus dem Nichts

          Es gibt viele Fußballspiele, die wie die Fortsetzung des Arbeitsalltags wirken und die man manchmal schon vergessen hat, während man sie noch sieht. Und dann gibt es die wenigen, die im Kopf noch Tage oder Wochen weitergehen können, ohne dass man selbst dann all ihre Wendepunkte und Wahnsinnsmomente komplett erfasst hätte. Spiele wie dieses. Am Anfang der Bluff um Wayne Rooney, der trotz aller Dementis von Trainer Alex Ferguson spielte („es war die letzte Chance für Sir Alex, deshalb musste jedes Betäubungsmittel in den Fuß“, sagte Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der mit der Vorhersage, Rooney werde spielen, ein Abendessen von Vorstands-Boss Karlheinz Rummenigge gewann).

          Das irre Tempo, das einschnürende Pressing, die Flügelkunst von Nani und Valencia, mit denen United die Bayern vierzig Minuten lang überrannte, bis zum 3:0 nach den Treffern von Gibson (3.) und Nani (7./41.), die „Erinnerung an Barcelona“, an die 0:4-Demontage vor einem Jahr, die nicht nur Kapitän Mark van Bommel in diesem Moment überkam. Doch Manchester ist nicht Barcelona, das ein Spiel durch Laufenlassen von Ball und Gegner neunzig Minuten lang beherrschen kann – die United-Profis mussten dafür selbst im Höchsttempo laufen und schafften das nicht über 90 Minuten.

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