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Turbulentes Bundesliga-Debüt : Die kuriose Abenteuerreise des Ridle Baku

Kaum zu glauben, aber wahr: Ridle Baku trifft bei seinem Debüt in der Bundesliga gleich ins Tor. Bild: EPA

Der 20 Jahre alte Mainzer spielt erstmals in der Bundesliga und schießt gegen Leipzig gleich ein Tor. Dabei sollte Ridle Baku ganz woanders sein – bis ein Anruf einen turbulenten Tag einleitete.

          Ridle Baku hatte einen bewegten Sonntag. Früh am Morgen um acht Uhr stieg er am Bruchweg in einen Bus, um am Nachmittag um 14 Uhr eigentlich in Freiburg mit der U 23 von Mainz 05 ein Regionalligaspiel zu bestreiten. Kurz vor Karlsruhe kam dann ein Anruf im Bus an. „Mir wurde nur gesagt, dass ich an der nächsten Raststätte aussteigen soll. Und dann hat mich Teammanager Darius Salbert abgeholt“, berichtete Baku einige Stunden später in den Katakomben der Mainzer Arena. Von der Raststätte Bruchsal ging es mit Höchstgeschwindigkeit zurück nach Mainz, wo sich der 20 Jahre alte Spieler nach 90 Minuten auf dem Feld auf dem Zaun des Fanblocks als Schütze des letzten Tores beim 3:0-Sieg über RB Leipzig als Vorsänger der Mainzer Humba-Jubel-Arie betätigen durfte.

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          Gute zwei Stunden zuvor deutete nichts auf ein solches Happy End hin. Der in Mainz geborene und seit der E-Jugend im Verein spielende Linksfuß war in der Anfangsphase der große Unsicherheitsfaktor vor 30.000 Zuschauern. „Ridle hatte in den ersten 20 Minuten einen kleinen Zitterfuß“, sagte Kapitän Stefan Bell. Genau genommen war es eher ein äußerst großer Zitterfuß bei dem jungen Mann, der seinen mittlerweile auch im Pass eingetragenen Spitznamen der Bewunderung seines Vaters für den früheren Nationalmannschaftstorjäger Karl-Heinz Riedle verdankt. Baku lief orientierungslos zwischen den wirbelnden Leipziger Gegenspielern herum. Zu allem Überfluss unterlief ihm ein desaströser Fehlpass, der zum 0:1 hätte führen müssen, wenn die Leipziger Lookman und Poulsen im Zusammenspiel nicht allzu fahrlässig mit der Gelegenheit umgegangen wären.

          Baku agierte in jener Spielphase so, wie es nicht mal für den 3:2-Sieg seiner U 23 in Freiburg gereicht hätte. „Ich habe 25 Minuten gebraucht, um zu kapieren, wo ich eigentlich bin“, sagte er später. „Gerade nach meinem Fehlpass hatten wir großes Glück. Aber Glück gehört eben dazu im Fußball.“ Glück hatten die Mainzer in der Partie noch mehrfach mit Schiedsrichterentscheidungen: Dem von de Blasis verwandelten Strafstoß zum 1:0 (28.) ging ein Foul von Klostermann an Muto voraus, das der Schiedsrichter und zumindest sein Videoassistent eigentlich außerhalb des Strafraums hätten verorten müssen. Bei einem regelwidrigen Einsatz von Bell gegen Poulsen wiederum verweigerte Schiedsrichter Bastian Dankert trotz Ansicht der Bilder den Strafstoß. „Das muss Elfmeter und Gelb-Rot für Bell geben. Das hat sich der Schiedsrichter aber nicht getraut“, sagte RB-Trainer Ralph Hasenhüttl.

          Neben diesem Glück gehörte bei den Mainzern aber auch die Gabe dazu, Rückschläge wegzustecken, wie es Baku vorlebte. Er wies plötzlich jenes Talent nach, das sie ihm wie auch seinem derzeit in Großaspach in der Dritten Liga spielenden Zwillingsbruder in Mainz seit früher Jugend attestiert haben. „Wenn man nicht drin ist im Spiel, sich dann aber selbst so raus kämpft, dann ist das ganz stark gerade für einen jungen Spieler in seinem ersten Bundesligaspiel“, sagte Trainer Sandro Schwarz. Baku wurde auch durch die Unterstützung seiner Mitspieler immer mutiger und war Teil eines leidenschaftlich gegen spielstarke Leipziger verteidigenden Ensembles. In der Nachspielzeit stellte er dann gar den Endstand zum 3:0 her, nachdem Alexandru Maxim fünf Minuten zuvor das 2:0 erzielt hatte.

          So wie sich Baku im Spiel aus dem Tief herausarbeitete, so hat auch Mainz 05 sich ein weiteres Mal unter höchstem Druck aus größter Bedrängnis befreit. Nach den ungünstigen Ergebnissen vom Samstag standen sie zu Anpfiff auf dem Relegationsplatz, der direkte Abstieg war aufgrund des Aufschwungs des HSV bedenklich nahe. Nach dem Abpfiff waren die Mainzer hingegen der Gewinner des Spieltags im Tabellenkeller. „Das waren nicht nur drei Punkte, sondern auch das Signal an die Konkurrenz, dass mit Mainz zu rechnen ist“, sagte Sportvorstand Rouven Schröder. Trainer Schwarz warnte seine Mannschaft derweil: „Wir dürfen uns heute über einen wichtigen Sieg freuen. Aber es sind noch zwei Etappen.“

          Allzu oft in dieser Spielzeit folgte einer Energieleistung eine Enttäuschung. „Uns begleitet das durch die vergangenen beiden Jahre, dass wir immer wieder Spiele wie zuletzt in Augsburg dabei haben. Aber wenn wir unbedingt mussten, dann haben wir geliefert. Das ist mentale Stärke von uns.“ Nach dem Gesetz der Serie würde eine Niederlage am kommenden Wochenende in Dortmund und ein dann für die Rettung wohl nötiger Heimsieg gegen Bremen folgen. Zur Gratwanderung, die die Mainzer im gesamten Saisonverlauf bewältigen, würde ein solches Saisonfinale passen.

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