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Frankfurts Johannes Flum : „Die Kniescheibe ist weg“

Bild: FAZ.NET

Johannes Flum erleidet beim Training schwere Verletzungen und muss mit dem Hubschrauber in die Klinik. Der Mittelfeldspieler wird Eintracht Frankfurt lange fehlen. Trainer und Mitspieler sind schockiert.

          3 Min.

          Für die Eintracht kommt es zur Zeit knüppeldick. Im Training des auf den 13. Tabellenplatz abgerutschten Bundesligaklubs hat sich am Dienstag ein tragischer Unfall ereignet, bei dem sich Johannes Flum schwer verletzte: Der Mittelfeldspieler prallte im Abschlussspiel zwischen A- und B-Team bei einem Zweikampf mit Slobodan Medojevic zusammen, wobei ihm die linke Kniescheibe brach, wie Pressesprecher Markus Jestaedt am Nachmittag mitteilte. Flum hatte sich in der Szene, beim Kampf um den Ball, aus vollem Lauf nach links gedreht, der ihm entgegen rennende Serbe orientierte sich – ebenfalls mit hohem Tempo – in die entgegengesetzte Richtung.

          So kam es zu dem unbeabsichtigten Zusammenstoß, bei dem die Profis aus vollem Lauf mit ihren Beinen aneinanderschlugen und es einen Knall gab, der allen Anwesenden sofort nichts Gutes verhieß und dem sich nach einem Moment des Schreckens die Schmerzensschreie des auf dem Rasen zusammengesunkenen Flums anschlossen. Zunächst rief Flum noch „Meine Fresse, meine Fresse“ und hielt sich mit der linken Hand sein Knie, nach einigen Sekunden verstummte seine Stimme, und seine Mitspieler Carlos Zambrano und David Abraham, die als erste zu ihm geeilt waren, signalisierten Chefcoach Armin Veh, dem Betreuerteam und den Gefährten, dass es Flum fürchterlich erwischt hatte und Eile geboten sei.

          Während Veh sofort an die Stelle lief und Physiotherapeut Maik Liesbrock bei der Erstversorgung des Patienten half, in dem er ihn auf dem nassen Gras mit Trainingsjacken bedeckte, alarmierte Reha-Coach Michael Fabacher die Frankfurter Rettungsleitstelle. Ereignet hatte sich die folgenschwere Kollision um 11.48 Uhr, wenige Minuten nach zwölf fuhr ein Rettungswagen der Malteser auf den Platz vor der WM-Arena; auch die Mediziner, denen wohl schlagartig klar wurde, dass es sich in diesem Fall um keinen alltäglichen Sport-Unfall handelt, zögerten nicht und verständigten umgehend die Luftrettung der BG-Unfallklinik, die wenig Minuten darauf mit Hubschrauber und Notfall-Team aus Seckbach kommend zur Stelle war; dort wird Flum nun an diesem Mittwoch operiert.

          Veh, der in der Zwischenzeit die Übungseinheit abgebrochen hatte und der Mannschaft für den Rest des Tages frei gab, wich währenddessen Flum nicht von der Seite und hielt unter anderem ein mehrere Meter langes Eintracht-Transparent in den Händen, mit denen Flum vor den Blicken der Trainings-Kiebitze geschützt wurde. Auch die Vorstandsmitglieder Heribert Bruchhagen und Axel Hellmann, die sich zusammen mit Justitiar Philipp Reschke Hellmann und Sportdirektor Bruno Hübner zu einer routinemäßigen Sitzung auf der Geschäftsstelle getroffen hatten, kamen herbei geeilt.

          Helfer schirmten die Stelle mit dem verletzten Spieler Johannes Flum mit Decken ab.
          Helfer schirmten die Stelle mit dem verletzten Spieler Johannes Flum mit Decken ab. : Bild: FAZ.NET

          Bis Flum transportfähig war, vergingen insgesamt knapp fünfzig Minuten, in denen sich die Ärzte darum kümmerten, sein Leid zumindest soweit zu mildern, dass ihm die Beförderung ins Krankenhaus zugemutet werden konnte. Um 12.43 Uhr hob der Helikopter mit ihm an Bord ab. Erst unmittelbar zuvor zogen sich auch seine Mitspieler – zumeist wortlos und mit auf den Boden gerichteten Köpfen – zurück, nachdem sie sich bis dahin am Rande des Geschehens aufgehalten hatten, im Dauerlauf der Dezember-Kälte trotzten und immer wieder mit bangen Gesichtern herüber schauten, um zu sehen, was mit Flum passiert, für den diese Saison vermutlich gelaufen sein dürfte.

          Medojevic überstand die Karambolage, den ersten Eindrücken zufolge, vergleichsweise glimpflich: Er konnte aus eigener Kraft aufstehen. Mit einer dicken Eisbeutel-Bandage um sein linkes Knie humpelte er an den Rand des Felds und wurde zu weiteren Untersuchungen von Fabacher mit einem Auto vor den Kabinentrakt gefahren. Veh war von den Ereignissen sichtlich mitgenommen. „Die Kniescheibe ist weg“, lautete das einzige Statement, das der geschockte und kreideweiße Trainer bei seinem Abgang abgab. Jestaedt berichtete zudem von „Höllenschmerzen“ bei Flum, „was sonst im Knie noch kaputt ist, lässt sich noch nicht sagen“.

          Flum spielt seit 2013 für die Eintracht. Nach seinem Transfer aus Freiburg an den Main gingen viele Hoffnungen, die er mit dem Wechsel verbunden hatte, nicht in Erfüllung. Nach einer guten Debüt-Saison erlitt er im Frühjahr 2014 eine komplizierte Schulterblessur, die ihn wochenlang außer Gefecht setzte. Unter Thomas Schaaf wurde er danach zum Reservisten degradiert. Veh setzte ihn zuletzt bei der Suche nach einer funktionstüchtigen Defensive, in der viele Stammkräfte außer Form sind oder angeschlagen passen müssen, wiederholt als Ersatzmann ein.

          „Das ist tragisch, gerade bei Johannes Flum, der in dieser Saison schon öfters mit kleineren Verletzungen zu kämpfen hatte, und jetzt wieder auf einem guten Weg war, sich in die erste Elf zu kämpfen“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner. „Das bedeutet auch für uns, dass wir wieder einen Ausfall zu beklagen haben. Aber natürlich steht die persönliche Situation von Flum jetzt im Vordergrund.“ Sein Vertrag läuft nach dieser Runde aus. Am 14. Dezember wird Flum 28 Jahre alt. Die erste Genesungs-Botschaft aus der Bundesliga traf um 13:17 Uhr bei der Eintracht ein – vom SV Darmstadt98, dem kommenden Derby-Gegner, der Flum via Twitter „Gute Besserung auch von unserer Seite“ wünschte. Er wird es brauchen können.

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