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René Adler im Gespräch : „Fußball-Deutschland weiß, was ich kann“

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Aber der Fußball scheint doch eher eine hermetisch abgeriegelte Welt zu sein und nicht so offen, wie Sie es schildern.

Genau, aber das wird sich verändern müssen. Unser Sport wird immer schneller, die individuelle Klasse immer größer, das Spiel mehr und mehr von der Taktik geprägt. Wir müssen nur mal ein Spiel von 1970 mit heute vergleichen, das liegen Welten dazwischen, und vielleicht wird das in zwanzig oder dreißig Jahren genauso sein. Deshalb gehört die Arbeit mit dem Kopf einfach zu einer professionellen Vorbereitung dazu. Das Spiel am Samstag ist für mich der Höhepunkt der Woche, das ganze Training ist nur darauf ausgelegt, am Wochenende seine Leistung zu bringen, aber es muss eben nicht nur der Körper funktionieren. Es kommt auch darauf an, vorher verschiedene Situationen gedanklich durchzuspielen, sich mental fit zu machen. Auf diese Art kann man sich ein ganzes Fußballspiel zusammenbasteln.

Fan-Arbeit: Adler gilt eigentlich nicht als Lautsprecher - aber für die Anhänger greift er gerne zum Megafon
Fan-Arbeit: Adler gilt eigentlich nicht als Lautsprecher - aber für die Anhänger greift er gerne zum Megafon : Bild: dpa

Ist das ausgerichtet an den Gegnern?

Nein, es ist wichtig, dass jeder Einzelne funktioniert und sein Bestes abliefert. Nur dann kann das Team funktionieren. Auch in einem Mannschaftssport muss jeder zuerst sicherstellen, dass er seine Leistung bringt und so den Mitspielern hilft. Wenn ein Stürmer eine Chance versiebt, dann ist das meistens nicht existenziell oder entscheidend. Als Torwart stehst du doch permanent unter Druck. Jeder Fehler wird bestraft und kann entscheidend sein. Ich darf mir keinen Fehler erlauben.

Es scheint, als mache jeder auf dem Platz weniger Fehler, seit Rafael van der Vaart da ist. Wie hat er die Mannschaft in den wenigen Wochen verändert?

Es ist für alle top, dass er da ist, über seine Qualitäten müssen wir gar nicht reden. Fußballerisch zählt er noch immer zu den Besten in Europa, zudem ist er eine große Persönlichkeit. Für den HSV als Verein und für uns als Mannschaft ist er Gold wert. Innerhalb von wenigen Tagen hat er hier frischen Wind reingebracht, wir trainieren mit ihm viel besser als vorher. Die anderen Spieler orientieren sich an ihm, er nimmt den Druck von ihnen durch seine Anwesenheit. Viele von uns haben viel mehr Sicherheit bekommen, seitdem der Rafa da ist. Das ist für uns super.

Sie haben sich früh für den HSV entschieden und einen Vertrag bis 2016 unterschrieben - der dauerhafte Abstiegskampf kann aber doch nicht das Ziel sein.

Alles andere ist gerade relativ weit weg. Wir arbeiten gut, wir trainieren gut, machen aber zu viele individuelle Fehler und Konzentrationsfehler. Wenn wir das abstellen, können wir eine sehr gute Mannschaft sein. Und dann kann man ganz schnell einen Lauf bekommen. Mittelfristig sollte das Ziel sein, Ruhe in den Verein zu bekommen, es müssen alle zusammen für den Erfolg arbeiten, und dann können wir uns nach oben orientieren. Es gibt doch nichts Schöneres, als in Hamburg wieder europäischen Fußball zu haben. Der Verein, die Stadt und die Fans hätten das einfach verdient.

Das Gespräch führten Frank Heike und Michael Wittershagen.

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