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Werder Bremen vor Abstieg : „Es war ein sehr schlechtes Spiel von uns“

Auch Milot Rashica konnte Bremen in der Offensive nicht helfen. Bild: EPA

Nach der Gala gegen Köln schwächelt Werder im Hinspiel der Relegation gegen Heidenheim. Der Außenseiter indes ist glücklich mit dem 0:0 – und verblüfft in Bremen auch mit kurioser Unterstützung von außen.

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          Im Regen von Bremen ging Frank Schmidt in die Knie. Nicht, weil der Trainer des 1. FC Heidenheim einen schlimmen Niederschlag hinnehmen musste wie ein Boxer, sondern weil der Außenseiter im Hinspiel der Relegation in der Nachspielzeit ganz knapp das einzige Tor des Abends verpasste. Da der Kopfball von Timo Beermann am Pfosten vorbeirauschte, blieb es nach dem ersten Part im Kampf um den letzten Platz der Fußball-Bundesliga am Donnerstag beim 0:0. Am Montag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Relegation, bei DAZN und Amazon Prime Video) entscheidet sich, wer erstklassig ist.

          Bundesliga
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Schmidt rappelte sich schnell wieder auf, denn auch mit dem torlosen Remis kann der Zweitligaklub durchaus zufrieden sein. „Wenn wir eins können, ist es hinfallen und wieder aufstehen. Das haben wir heute bestätigt“, sagte Schmidt und bezog das nicht unbedingt auf seinen spontanen Kniefall, sondern die Vorgeschichte der Partie. Heidenheim hatte am letzten Spieltag der regulären Saison ein 0:3 in Bielefeld kassiert, während Bremen mit einem 6:1-Sieg über Köln im Rücken in die Relegation ging. Doch das spielte bei Blitz, Donner und Regen keine entscheidende Rolle mehr.

          Heidenheim überraschte Werder mit einer ungewohnten Taktik. In der Abwehr agierte der Klub von der Ostalb mit einer Dreierkette. Bremen schaffte es über die gesamte Spielzeit nicht, die Dominanz zu zeigen, die sie noch am vergangenen Samstag bei der Gala in der Bundesliga präsentiert hatte. Nicht eine nennenswerte Torchance sprang in 95 Minuten heraus. Entsprechend enttäuscht war Trainer Florian Kohfeldt. „Es war ein sehr schlechtes Spiel von uns“, sagte er ohne Umschweife. „Der einzige Vorteil ist, dass es 0:0 zur Halbzeit steht. Heidenheim hat kein Auswärtstor geschossen.“

          Der Kapitän wird fehlen

          Und Werder gelang kein Heimtor. Dazu verloren die Bremer auch noch ihren Kapitän. Abwehrmann Niklas Moisander leistete sich in der Schlussphase ein unnötiges Foul im Mittelfeld und sah die Gelb-Rote Karte. Am Montag fehlt er daher im entscheidenden Duell. „Wir haben am Montag ein Finale und müssen ein Auswärtstor schießen und uns unglaublich steigern“, sagte Kohfeldt und lobte den Gegner. „Heidenheim hat es brutal durchgezogen. Wir haben nicht das gemacht, was wir wollten – rein taktisch, rein fußballerisch. Wir haben unseren Plan nicht gespielt. Von uns war es zu wenig.“

          Das darf in Heidenheim, im höchstgelegenen Stadion des deutschen Profifußballs, nicht nochmal passieren, sonst gibt es für Bremen den Absturz in die zweite Bundesliga. Auch Niklas Füllkrug, die Sturmhoffnung des Traditionsklubs, die lange verletzt war und erst in der Schlussphase der Saison wieder eingreifen konnte, ließ kein gutes Haar an der Leistung seiner Mannschaft. „Wir haben es in der ersten Halbzeit nicht gut gelöst. In der zweiten Halbzeit haben wir es besser gemacht, leider aber dann den Faden verloren. Wir können mitnehmen, dass wir heimschwach und auswärtsstark sind.“

          Was es auch im Nervenspiel am Montag zu beweisen gilt. In der Bundesliga klappte es auf fremdem Platz in je 17 Spielen tatsächlich besser. 22 Auswärtspunkte stehen neun im Weserstadion entgegen. „Wir haben heute kein gutes Spiel gemacht“, sagte Maximilian Eggestein. „Da müssen wir ehrlich zu uns sein. Deswegen nehmen wir das 0:0 mit und müssen uns dringend steigern im Rückspiel. Wenn wir was Positives heute mitnehmen können, dann, dass wir kein Gegentor kassiert haben. Und alles andere müssen wir verbessern. Es ist alles offen.“

          Das sah auch Heidenheims Trainer Schmidt so. „Von der ersten bis zur letzten Sekunde haben wir eine sehr disziplinierte Leistung gezeigt“, sagte er. „Es hat ein Rädchen ins andere gegriffen. Wir haben sehr gut verteidigt. Aber wir müssen die Kirche im Dorf lassen: Es ist nicht so einfach hier, auch in der Situation.“ Aber die Mannschaft habe es hervorragend gelöst. „Wir drehen jetzt nicht durch. Es ist noch gar nichts erreicht. Da müssen wir vorsichtig sein. Wir wissen, dass das auch ein extrem gefährliches Spiel für uns wird.“ Die Verlustängste aber dürften bei Bremen größer sein.

          Der Vorstandsvorsitzender Holger Sanwald erinnerte an die Partie im DFB-Pokal, das Heidenheim im vergangenen Jahr nach Bremen geführt hatte und das offenbar als Antrieb diente. „Im Pokalspiel sind wir hier in der ersten Halbzeit vorgeführt worden. Wir hatten uns geschworen, dass uns das nicht noch einmal passiert.“ Seinerzeit stand es schon zur Pause 4:1 für Werder. „Das ist jetzt eine große Chance für uns. Das 0:0 ist ein sehr gutes Ergebnis, aber auch ein gefährliches. Ein Tor kann schon reichen, zugleich benötigst du bei einem Bremer Tor dann schon zwei.“

          Nicht nur auf dem Platz hielten die Heidenheimer bemerkenswert dagegen, auch abseits des Rasens zeigten sie eine pfiffige Vorstellung. Von der Tribüne aus wurde der Zweitligaklub akustisch per Tröte, Rassel und gar von einer Kuhglocke unterstützt. „Wir haben beobachtet, dass Werder mit Trommeln arbeitet“, sagte Sanwald zur Unterstützung bei Geisterspielen ohne Zuschauer. „Da wollten wir mit Glocken dagegenhalten. Das war die Idee des Trainers, das war Teil des Plans. Mal sehen, ob es im Rückspiel noch mehr Glocken werden.“ Für den Aufstieg braucht es aber vor allem ein Tor.

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