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Werder bleibt in Bundesliga : Mit Ach und Krach

  • -Aktualisiert am

Werder Bremen: Pure Freude Bild: Reuters

„Scheiß Saison, gutes Ende“: Werder bleibt der Fußball-Bundesliga doch noch erhalten, Trainer Florian Kohfeldt ist einfach nur froh. Beim 1. FC Heidenheim genügt den Bremern ein 2:2-Remis, sie profitieren von einem kuriosen Eigentor.

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          Mit Mut, Fleiß und viel Engagement zumindest im letzten der beiden Relegationsspiele hat Werder Bremen den drohenden Abstieg aus der Fußball-Bundesliga doch noch verhindert. Ein 2:2 (1:0) reichte dem Erstligaverein am Montag beim 1. FC Heidenheim, dem Tabellendritten der zweiten Liga, letztlich aufgrund der Auswärtstorregel zum Klassenverbleib in Deutschlands höchster Fußballklasse.

          Dabei profitierten die Bremer vor allem von einem frühen Eigentor durch Heidenheims Norman Theuerkauf (3. Minute) und einem späten Treffer von Ludwig Augustinsson (90.+4), aber insbesondere von der deutlich verbesserten Leistung im Vergleich zum 0:0 im Hinspiel am vergangenen Donnerstag. Die Heidenheimer Tore von Tim Kleindienst (85., 90. +6) änderten daran nichts mehr.

          „Ich bin einfach nur froh und glücklich, dass wir es geschafft haben. Wir waren so oft tot. Scheiß Saison, gutes Ende“, sagte Werder-Trainer Florian Kohfeldt bei DAZN. „Ich weiß, was es für die Stadt bedeutet und was es für die Menschen bedeutet.“ Bereits vor der Partie hatte er die richtigen Worte gefunden, seiner Mannschaft prognostiziert, dass es sehr, sehr wichtig werde, dass sie einen kühlen Kopf bewahre. „Die Mischung aus kühlem Kopf und Emotionen wird neben dem Fußballerischen das entscheidende sein.“ Und diese Vorgabe setzte seine Mannschaft konsequent um.

          Bundesliga

          Anders als die Heidenheimer, denen die große Anspannung und Nervosität sichtlich anzumerken war angesichts dieser so wichtigen Partie, die den ersten Bundesligaaufstieg für den Klub aus Baden-Württemberg hätte ermöglichen können, trat Bremen von Beginn an fokussiert und mit großem Offensivdrang auf. Das überraschte, war doch im ersten Aufeinandertreffen beider Mannschaften vor vier Tagen von all diesen Qualitäten nahezu überhaupt nichts zu sehen gewesen. Nicht so aber an diesem kühlen und wolkenklaren Abend: Fast jeder Pass fand sein Ziel, beinahe jeder Laufweg stimmte. Und so dauerte es gerade einmal 55 Sekunden, ehe Stürmer Joshua Sargent zum ersten Mal vor Heidenheims Schlussmann Kevin Müller auftauchte.

          Dessen Trainer Frank Schmidt hatte sein Team mit gleich zwei Angreifern im Sturmzentrum, Tim Kleindienst und Denis Thomalla, noch einmal deutlich offensiver aufgestellt als im Hinspiel. „Wenn du was gewinnen willst, musst du ein Tor schießen“, meinte er schlicht dazu. Doch dieser Plan ging nicht auf. Im Gegenteil: Nicht nur sorgte Theuerkauf mit seinem völlig verunglückten Befreiungsschlag von der eigenen Strafraumgrenze, der zielgenau den Weg in das linke obere Eck des eigenen Tores fand (3.), für den denkbar schlechtesten Spieleinstand. Heidenheim war zudem viel zu anfällig für schnelle Gegenstöße, Werder fand viel zu einfach Wege durch die schwäbischen Reihen. Erst prüfte Milot Rashica (9.) Müller per Fernschuss, kurz darauf Davy Klaassen per Kopf. Bremen hatte in diesen Anfangsminuten bereits mehr gefährliche Torchancen als im gesamten Hinspiel.

          „Wir haben kein Spiel verloren und es trotzdem nicht geschafft, das ist brutal“, sagte Heidenheim-Kapitän Marc Schnatterer nach der Partie. Und sein Trainer fügte hinzu: „Es ist egal, wie es zustande gekommen ist: Wir sind ausgeschieden. Jetzt gerade überwiegt die Enttäuschung.“

          Ein wenig Atmosphäre

          Unterstützt wurde die Werder-Mannschaft abermals von Mitgliedern ihrer eigenen Delegation, die wie auch vereinzelte Heidenheimer mit Trommeln und Sirenen auf der Tribüne zumindest für ein wenig Atmosphäre im sonst zuschauerlosen Relegationsduell sorgten, wenngleich dieser Lärm längst nicht allen gefiel: Spieler beider Mannschaften beschwerten sich mehrfach darüber – erfolglos.

          Heidenheim hat den Aufstieg nicht geschafft: Trauer bei den Spielern über die verpasste Chance.
          Heidenheim hat den Aufstieg nicht geschafft: Trauer bei den Spielern über die verpasste Chance. : Bild: dpa

          Auf dem Feld aber kannte das Spiel lange nur eine Richtung: Es dauerte bis zur 36. Minute, ehe der 1. FC Heidenheim zu seiner ersten Gelegenheit kam, ansonsten spielte nur Bremen. Erst nach der Halbzeit änderten sich diese Verhältnisse: Gleich mit der ersten Aktion sorgte der für den wirkungslosen Thomalla frisch eingewechselte Stefan Schimmerer für Wirbel vor dem Bremer Tor (46.), nur wenige Augenblicke später versuchte sich Robert Leipertz an Werder-Torhüter Jiri Pavlenka (47.).

          Doch auch wenn die Heidenheimer Bemühungen mit zunehmender Spieldauer zielgerichteter wurden, war der Bundesliga-Sechzehnte durchweg die reifere Mannschaft. Das hatte auch mit Verteidiger Kevin Vogt zu tun, der für den gesperrten Kapitän Niklas Moisander in die Startaufstellung gerückt war. Vogt war vor allem auch als Anführer der zuletzt doch arg verunsicherten Werder-Elf gefragt und gefordert, diese Rolle erfüllte er mit Bravour.

          Immer wieder trieb er seine Mitspieler lautstark in die Spitze oder sorgte, wenn es nötig war, für Ruhe in einem zeitweise sehr emotionalen Spiel, das Werder-Angreifer Sargent in der 59. Minute bereits hätte entscheiden können, der glänzend in Szene gesetzt aber ein weiteres Mal an Heidenheims Torhüter Müller scheiterte. Ebenso waren davor Yuya Osako und danach Davy Klaassen erfolglos geblieben.

          Auch wenn in der Schlussphase noch Kleindienst zum 1:1 traf, jubelten am Ende nur die Bremer. Augustinsson machte in der Nachspielzeit alles klar und verhinderte den ersten Bremer Bundesligaabstieg seit 40 Jahren. Das späte Tor vom Elfmeterpunkt, abermals durch Kleindienst (90.+6), war nur noch Ergebniskosmetik. „Wenn man sieht, was wir für eine Saison hatten, wie schwer es von Anfang an war, dann ist das jetzt eine ganz, ganz große Erleichterung“, sagte Werder-Kapitän Davy Klaassen.

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